ÖDP startet Volksbegehren zur Begrenzung des bayerischen Ministerpräsidenten auf zwei Amtszeiten und gefährdet damit Markus Söders Kandidatur 2028
Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) kündigte ein Volksbegehren an, um eine Begrenzung auf zwei Amtszeiten für den bayerischen Ministerpräsidenten in der Landesverfassung zu verankern, was direkt Markus Söders Plan bedroht, 2028 für eine dritte Amtszeit anzutreten.
Das Volksbegehren
Die ÖDP Bayern startete am 15. Juli 2026 ein Volksbegehren zur Änderung der bayerischen Verfassung, damit ein Ministerpräsident maximal zwei Legislaturperioden oder zehn Jahre amtieren darf. Die Landesvorsitzende Agnes Becker sagte der dpa, dass „Demokratie bedeutet, dass Macht auf Zeit verliehen wird“ und argumentierte, dass zwei Amtszeiten ausreichen. Ein weiterer ÖDP-Landesvorsitzender, Tobias Ruff, sagte dem Stern, dass eine Begrenzung der Amtszeit helfen würde, „Vetternwirtschaft zu verhindern und verfilzte Strukturen aufzubrechen“. Die Partei erklärte, dass die Unterschriftenlisten bereits gedruckt seien und die Sammlung in ganz Bayern während der Sommerferien im Juli beginnen werde, die Übergabe an das Innenministerium werde spätestens im Oktober erwartet.
CSU wehrt sich
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek stellte die Motive hinter dem Vorstoß infrage. „Die zentrale Frage ist, ob es den Initiatoren wirklich um eine zeitliche Begrenzung von Macht geht, oder ob sie einfach einen erfolgreichen Ministerpräsidenten per Gesetz aus dem Rennen nehmen wollen“, sagte er der dpa. Holetschek betonte, dass „in einer Demokratie nicht starre Fristen entscheiden, sondern die Wähler“ und argumentierte, dass Amtszeitbegrenzungen die Wahlfreiheit schwächen. Er wies auch darauf hin, dass die AfD für September einen Gesetzentwurf mit derselben Absicht angekündigt hat.
Verfassungsrechtliche Bedenken
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte „erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken“ gegen den Vorschlag. Er wies darauf hin, dass keines der 16 Bundesländer noch das Bundeskanzleramt Amtszeitbegrenzungen für Regierungschefs vorsehe. „Letztlich ist es die freie Entscheidung der Wähler und Parlamente“ zu entscheiden, wer Ministerpräsident wird, so Herrmann. Er fügte hinzu, es sei „nicht klug“, in die Amtszeit eines amtierenden Amtsträgers einzugreifen, und warnte, dass die Regierung das Volksbegehren sorgfältig prüfen und gegebenenfalls dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof vorlegen werde.
Söders eigener Vorstoß von 2018
Das Volksbegehren belebt ein heikles Kapitel wieder: 2018 schlug Markus Söder selbst eine Verfassungsänderung vor, die den Ministerpräsidenten auf zwei Amtszeiten begrenzt, aber die CSU verfehlte die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Landtag. Laut Stern plant die ÖDP, den damaligen Regierungsentwurf von 2018 als Grundlage für ihr Volksbegehren zu nutzen. Diese Wendung verschärft das politische Unbehagen für Söder, der kürzlich bestätigt hat, 2028 erneut kandidieren zu wollen.
Demokratie braucht ständigen Wandel und Erneuerung.
Weg und Hürden
Ein Volksbegehren in Bayern erfordert 25.000 Unterschriften für die Zulassung; nach der Zulassung müssen zehn Prozent der Stimmberechtigten innerhalb von zwei Wochen in den Gemeindebehörden unterschreiben, um die nächste Stufe auszulösen. Lehnt der Landtag das Begehren ab, folgt innerhalb von drei Monaten ein Volksentscheid. Eine Verfassungsänderung bringt eine zusätzliche Hürde mit sich: Sie benötigt die Zustimmung von mindestens 25 Prozent aller Stimmberechtigten, nicht nur einer Mehrheit der Teilnehmer. Intern schätzt die ÖDP, dass die Volksbegehrensphase im Frühjahr 2027 stattfinden könnte, mit einem Volksentscheid einige Monate später. Die Partei schöpft Zuversicht aus früheren Erfolgen: Sie schaffte 1998 den Bayerischen Senat durch einen Volksentscheid ab und erreichte 2010 ein strenges Rauchverbot.
- Söder schlägt eine Begrenzung auf zwei Amtszeiten vor; CSU verfehlt die Zweidrittelmehrheit im Landtag.
- ÖDP Bayern kündigt Volksbegehren an und beginnt mit der Unterschriftensammlung im Sommer.
- ÖDP erwartet Übergabe der ersten Unterschriften an das Innenministerium.
- Partei prognostiziert intern, dass die Volksbegehrensphase stattfinden könnte.
- Bei Erfolg würde einige Monate nach dem Begehren ein Volksentscheid folgen.
- Landtagswahl in Bayern; Söder beabsichtigt, bei Berechtigung für eine dritte Amtszeit anzutreten.


