
Jordan Bardella bestreitet von Meta verifizierte antisemitische Nachrichten aus dem Jahr 2013 – RN legt Gegenbudget vor
Jordan Bardella weist die von Meta authentifizierten privaten antisemitischen Nachrichten aus dem Jahr 2013 weiterhin zurück, während Marine Le Pen und das Rassemblement National kurz vor der Präsidentschaftswahl ein Gegenbudget vorlegen.
Investigative Enthüllungen und forensische Verifizierung
Eine Recherche des französischen Onlinemediums Mediapart veröffentlichte private digitale Nachrichten aus dem Jahr 2013, die dem Vorsitzenden des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, zugeschrieben werden. Die publizierten Mitteilungen enthielten direkte, ungehemmte antisemitische Äußerungen, die vor über einem Jahrzehnt verfasst worden waren. Nach der Erstveröffentlichung wies Bardella die Vorwürfe umgehend zurück und bezeichnete das Material als Fälschung. Das Rassemblement National schloss die Reihen um seinen Vorsitzenden und versuchte, eine geschlossene Front zu präsentieren, während sich die Vorwürfe in den französischen Politikzirkeln verbreiteten.
Drei Tage nach der ursprünglichen Veröffentlichung legte Mediapart Screenshots der privaten Konversationen vor, die von Meta authentifiziert wurden. Die investigative Nachrichtenseite ließ die von der Plattform extrahierten digitalen Daten zudem von einem vereidigten Gerichtsvollzieher offiziell beglaubigen. Trotz der Veröffentlichung der von Meta authentifizierten Aufzeichnungen und der Bestätigung durch den Gerichtsvollzieher blieb Bardella bei seiner absoluten Leugnung und beharrte darauf, dass die dokumentierten Nachrichten gefälscht seien.
- Private Nachrichten mit antisemitischen Kommentaren werden mutmaßlich verfasst.
- Mediapart berichtet über private Konversationen, die Jordan Bardella zugeschrieben werden und die er als Fälschung bezeichnet.
- Mediapart veröffentlicht Screenshots, die von Meta authentifiziert und von einem Gerichtsvollzieher beglaubigt wurden.
- Jordan Bardella und Marine Le Pen präsentieren das Gegenbudget der Partei, um die Initiative zurückzugewinnen.
Krise für die Strategie der Entdämonisierung
Die Enthüllungen stellten fünfzehn Jahre politischen Umbrandings infrage, das als „dédiabolisation“ bekannt ist – eine langjährige Kampagne des Rassemblement National, sich von der antisemitischen Geschichte seiner Vorgängerpartei, der Front National, zu distanzieren. Im Rahmen dieser Strategie hatte die Parteiführung wiederholt beteuert, die Organisation habe mit dem Extremismus der Vergangenheit gebrochen, und sich selbst als Schutzschild für die französischen Juden bezeichnet. Das Leck von Bardellas angeblichen Schriften aus dem Jahr 2013 stürzte die rechtsextreme Partei in eine interne Krise um ihre ideologische Glaubwürdigkeit.
Internationale Publikationen bemerkten den plötzlichen Druck auf den sorgfältig gepflegten Ruf der Partei. Die deutsche Zeitung Die Zeit beschrieb die Erschütterung in der Organisation.
Es ist, als wären alle Lackschichten, die über die Jahre aufgetragen wurden, plötzlich zersplittert.
Die Schweizer Zeitung Le Temps berichtete, Bardella leugne weiterhin, was weithin als erwiesene Tatsache gilt, und verfolge damit eine Strategie der vollständigen Zurückweisung. Die Affäre stellte die Stabilität des Führungsduos zwischen Parteipräsident Bardella und Fraktionschefin Marine Le Pen infrage sowie die künftige Ausrichtung ihres gemeinsamen Präsidentschaftswahlkampfs.
Politische Spannungen vor der Präsidentschaftswahl
Die Krise entfaltete sich rund sechs bis sieben Monate vor dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl. Innerhalb einer einzigen Woche verschärfte sich das politische Klima in Frankreich unter dem Druck der politischen Extreme, wobei sowohl das Rassemblement National als auch La France Insoumise (LFI) mit scharfen inneren Widersprüchen konfrontiert waren und zugleich die nationale Agenda bestimmten. Marine Le Pen bleibt die RN-Kandidatin für den Élysée-Palast und führt trotz ihrer früheren strafrechtlichen Verurteilung die Umfragen zu den Wahlabsichten an.
Eine Woche nach den ersten Mediapart-Vorwürfen versuchte die RN-Führung, die Kontrolle über die politische Agenda zurückzugewinnen. Am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, planten Bardella und Le Pen einen gemeinsamen öffentlichen Auftritt an der Seite des ranghohen Parteifunktionärs Jean-Philippe Tanguy, um den alternativen Haushaltsplan des RN vorzustellen. Mit dem Start des Gegenbudgets will Le Pen die Kontroverse beenden, Regierungsfähigkeit demonstrieren und den öffentlichen Fokus vor der Wahl wieder auf die Wirtschaftspolitik lenken.


