
Koalitionsstreit um BAföG-Erhöhung: SPD wirft CDU/CSU Wortbruch vor
Ein Streit um die Finanzierung einer geplanten Erhöhung des BAföG ist in der Koalition ausgebrochen. Die SPD beschuldigt die CDU/CSU, eine Vereinbarung zu brechen und bei jungen Menschen Verunsicherung zu säen.
Der gebrochene Kompromiss
Ein zentraler Bestandteil des Koalitionsvertrags droht zu scheitern, nachdem führende Vertreter von CDU und CSU die Finanzierbarkeit einer geplanten BAföG-Erhöhung in Frage gestellt haben. Der Koalitionsvertrag hatte eine „große Reform“ zur Modernisierung des Systems versprochen, beginnend mit einer Erhöhung des Wohnzuschlags von 380 auf 440 Euro pro Monat für das kommende Wintersemester 2026/27 und einer schrittweisen Angleichung des Grundbedarfs an das Sozialhilfeniveau.
Dass das Kanzleramt die Verständigung zum BAföG in Frage stellt, verunsichert junge Menschen – und ist unnötig.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Wiebke Esdar, reagierte scharf, nachdem Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärt hatte, der gesamte Koalitionsvertrag, einschließlich der BAföG-Reform, stehe unter Finanzierungsvorbehalt. Esdar betonte, Finanzminister Lars Klingbeil habe die Kosten bereits eingeplant und „die Finanzierung steht.“
Zweifel von oben
Die Verunsicherung wurde zunächst durch den Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Jens Spahn, ausgelöst, der kürzlich sagte, staatliche Leistungen wie das BAföG könnten absehbar nicht erhöht werden. Es folgten Äußerungen von CSU-Forschungsministerin Dorothee Bär, die der Funke Mediengruppe sagte, sie habe „gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr getragen wird.“ Bär erklärte zudem, es sei „kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium arbeiten.“
Wenn Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld gekürzt wird, dann ist es nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig anderswo große zusätzliche Leistungen verspricht.
Ihr Ministerium ruderte später in den sozialen Medien zurück und betonte, die Arbeit werde „mit Nachdruck“ fortgesetzt, damit die Reform Ende Juli vom Kabinett verabschiedet werden und zum Wintersemester in Kraft treten könne. Ein Sprecher ließ jedoch die Möglichkeit einer „abgespeckten“ Reform ohne die geplanten Erhöhungen offen.
Empörung der SPD und Realität der Studierenden
Die SPD reagierte wütend. Juso-Chef Philipp Türmer nannte Bärs Äußerungen „skandalös“ und warf ihr vor, „ehrlich gesagt dumme Klischees“ zu wiederholen, indem sie Studierenden einfach Arbeit empfehle. Er wies darauf hin, dass 65 Prozent der Studierenden bereits arbeiten, aber fast 50 Prozent derjenigen, die nicht bei ihren Eltern wohnen, in Armut leben, weil die Kosten so stark gestiegen sind.
Das BAföG muss erhöht werden. Es liegt derzeit unter der Armutsgrenze. Das kann man niemandem erklären.
Derzeit beträgt der Höchstsatz des BAföG 992 Euro pro Monat, einschließlich eines Grundbedarfs von 475 Euro und eines Wohnzuschlags von 380 Euro für diejenigen, die nicht bei ihren Eltern wohnen. Die durchschnittliche Zahlung im Jahr 2024 betrug 635 Euro, mit nur 610.000 Empfängern – die niedrigste Zahl seit dem Jahr 2000.
Eine Frage der Prioritäten
Die Frankfurter Allgemeine kommentierte, die Episode zeige die wahren Prioritäten der Regierung und deute darauf hin, dass das Wohlergehen von Rentnern, Autofahrern, Gastronomen und Landwirten der schwarz-roten Koalition wichtiger sei als die Bildungsfinanzierung. Der Kommentar stellte fest, dass Milliarden schnell an diese Gruppen verteilt wurden, während akute Haushaltsnotwendigkeiten ignoriert wurden.
Wie es weitergeht
Regierungssprecher Kornelius sagte, die Gespräche innerhalb der Regierung über die bestmögliche Lösung für das BAföG seien im Gange. Eine endgültige Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet, wenn der Bundeshaushalt und die Finanzplanung auf der Tagesordnung des Kabinetts stehen. Die SPD hat gewarnt, dass eine Blockade der Reform das Vertrauen in die Koalition beschädigen und den Fachkräften von morgen schaden würde.
- SPD und Unions-Forschungspolitiker verkünden eine Einigung zur BAföG-Reform.
- CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn sagt, staatliche Leistungen wie das BAföG könnten aufgrund von Haushaltszwängen nicht erhöht werden.
- Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) stellt die Reform öffentlich in Frage; ihr Ministerium rudert später zurück und betont, die Arbeit werde fortgesetzt.
- SPD-Vize Wiebke Esdar und Juso-Chef Philipp Türmer kritisieren die Haltung der Union scharf.
- Zieldatum für die Verabschiedung der BAföG-Reform durch das Bundeskabinett (nun unsicher).

