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Regierung·vor 10 Std.

Bafög-Reform in der Schwebe: Ministerin Bär bezweifelt Verabschiedung, SPD kontert im Koalitionskrach

Ein öffentlicher Streit ist innerhalb der deutschen Regierungskoalition ausgebrochen, nachdem Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) Zweifel an der geplanten Bafög-Reform geäußert hat. Dies ruft scharfe Zurückweisungen der SPD hervor, die darauf beharrt, dass der Deal noch steht.

Ein tiefer Riss hat sich in der schwarz-roten Koalitionsregierung über die Zukunft einer geplanten Reform des Bafög, der staatlichen Studienförderung, aufgetan. Die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte in einem Interview am Wochenende, dass sie nicht mehr mit einer Verabschiedung der Reform rechne, und verwies auf mangelnde Unterstützung der Regierungsfraktionen im Zuge breiterer Sparmaßnahmen im Haushalt.

Mein Ministerium hat den Kurs für die Bafög-Reform vorgegeben und wir liegen im Zeitplan. Aber ich habe auch gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt wird.

Bär zeigte Verständnis für einen möglichen Stopp und argumentierte, dass es nicht machbar sei, in einem Bereich große zusätzliche Leistungen zu versprechen, während man von Pflegebedürftigen Einsparungen verlange und das Elterngeld kürze. Sie bezeichnete die Situation der Studierenden in Deutschland als hoch privilegiert, wies darauf hin, dass es keine Studiengebühren gebe, und erklärte, es sei "kein Drama", wenn Studierende nebenbei arbeiten, und fügte hinzu, es werde "kein rundum sorglos-Studium" geben.

Scharfe Erwiderung der SPD

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) reagierte mit sofortigem und entschiedenem Widerspruch. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar nannte Bärs Aussagen "schlicht falsch und unzutreffend" und betonte, dass die SPD-Fraktion geschlossen hinter der Reform im Interesse der Fachkräfte von morgen stehe.

Da die SPD-Bundestagsfraktion geschlossen für die Umsetzung der vereinbarten Bafög-Reform zugunsten der Fachkräfte von morgen steht, sind die Aussagen von Dorothee Bär schlichtweg falsch und unzutreffend.

Esdar appellierte an die CDU/CSU-Union, "hier kein Chaos zu veranstalten" und sich an das zu halten, was nach intensiven Verhandlungen gemeinsam vereinbart wurde. Sie warnte, dass eine einseitige Kündigung der Vereinbarung Deutschland als Wirtschaftsstandort, der Koalition und der demokratischen Kultur insgesamt schaden würde. Die SPD besteht darauf, dass eine Finanzierungsvereinbarung bereits mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gesichert worden sei.

Details der ins Stocken geratenen Reform

Die im Koalitionsvertrag verankerte Reform sollte stufenweise umgesetzt werden. Der erste Schritt, geplant für das Wintersemester 2026/2027, sah eine Erhöhung des Wohnkostenzuschusses für Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, von 380 auf 440 Euro pro Monat vor. Anschließend sollte der Grundbedarfssatz – derzeit 475 Euro pro Monat – in zwei Schritten bis zu den Wintersemestern 2027/28 und 2028/29 an das Niveau der sozialen Grundsicherung angepasst werden.

Zeitleiste des Bafög-Reform-Streits
  1. Bär und Finanzminister Klingbeil legen Finanzierungsstreit bei; Reform soll bis zur Sommerpause verabschiedet werden.
  2. Ministerin Bär bezweifelt öffentlich die Verabschiedung der Reform und verweist auf fehlende Unterstützung der Regierungsfraktionen.
  3. Geplanter Starttermin für erhöhten Wohnkostenzuschuss (380 auf 440 Euro) zum Wintersemester 2026/2027.
  4. Erster Schritt der Anpassung des Grundbedarfssatzes an das Niveau der sozialen Grundsicherung zum Wintersemester 2027/2028 geplant.
  5. Zweiter und letzter Schritt der Anpassung des Grundbedarfssatzes zum Wintersemester 2028/2029 geplant.

Erst Ende April hatten Bär und Finanzminister Klingbeil einen monatelangen Streit über die Finanzierung des 650-Millionen-Euro-Pakets beigelegt und sich darauf geeinigt, dass die Mittel aus dem Bundeshaushalt und nicht aus dem Etat des Forschungsministeriums kommen würden. Zur Kostenreduzierung sollten die geplanten Erhöhungen über einen längeren Zeitraum gestreckt werden. Damals deutete die Koalition an, die Reform könne noch vor der Sommerpause verabschiedet werden und am 1. August in Kraft treten.

Breitere politische Folgen

Der Streit hat auch Kritik von außerhalb der Koalition hervorgerufen. Die oppositionellen Grünen warfen der Regierung vor, die Studierenden angesichts steigender Mieten und Lebenshaltungskosten im Stich zu lassen. Auch das Deutsche Studierendenwerk kritisierte Bär scharf; dessen Vorsitzender Matthias Anbuhl warf ihr vor, den Bezug zur Lebensrealität der Studierenden verloren zu haben.

Aus den Ländern äußerte sich Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) "massiv irritiert" über die Berichte. Einen möglichen Stopp der Reform bezeichnete er als "Ohrfeige für viele Studierende und einen Vertrauensbruch, nachdem endlich eine Einigung über die versprochene Reform erzielt worden war." Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wollte sich zu den Aussagen der Ministerin zunächst nicht äußern.

Berlin

8 Quellen

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