
Deutsche Finanzaufsicht BaFin leitet Prüfung der Zalando-Jahresabschlüsse 2025 wegen About-You-Deal ein
Die Finanzaufsicht BaFin durchleuchtet die Konzernabschlüsse von Zalando für 2025. Sie sieht konkrete Anhaltspunkte für Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften im Zusammenhang mit der Übernahme des Rivalen About You.
Die Untersuchung
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gab am 26. Juni 2026 bekannt, dass sie eine Prüfung der gebilligten Konzernabschlüsse von Zalando für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr sowie des zugehörigen Lageberichts eingeleitet hat. Die Prüfung begann am 19. Juni 2026, nachdem die Behörde „konkrete Anhaltspunkte“ dafür festgestellt hatte, dass der Online-Modekonzern gegen Bilanzierungsvorschriften verstoßen habe. Die BaFin vermutet, dass Zalando möglicherweise Angaben zu einem Geschäft mit einer nahestehenden Person im Anhang des Jahresabschlusses pflichtwidrig unterlassen hat – ein Geschäft, das mit der Übernahme des Konkurrenten About You zusammenhängt.
Dies geschieht unabhängig davon, ob Fehler in der Rechnungslegung festgestellt werden.
Hintergrund zum About-You-Deal
Zalando gab Ende 2024 seine Absicht bekannt, die in Berlin ansässige Modeplattform About You zu übernehmen, und vereinbarte einen Deal im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro. Die Transaktion wurde im September 2025 abgeschlossen, sodass die Geschäfte von About You in die Gesamtjahresergebnisse von Zalando für 2025 einflossen. Das fusionierte Unternehmen bediente 62 Millionen Kunden, erzielte einen Umsatz von 12,3 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 591 Millionen Euro im Jahr, wie aus Unternehmensdaten hervorgeht. Der europäische Markt für Mode und Lifestyle wird auf rund 450 Milliarden Euro geschätzt.
Zalandos Reaktion
Zalando erklärte, man stehe „in engem Kontakt mit den Behörden“ und bezeichnete die Angelegenheit als verfahrenstechnisches Problem und nicht als wesentliche Falschdarstellung. In einer Stellungnahme versicherte das Unternehmen, dass alle relevanten Informationen über den Aktienerwerb, einschließlich der beteiligten Unternehmen, der Transaktionsstruktur und des Kaufpreises, während des öffentlichen Übernahmeangebots bereits vollständig öffentlich zugänglich gewesen seien.
Nach Einschätzung der Zalando SE handelt es sich um einen rein formalen, aber materiell unbedeutenden Aspekt des Anhangs.
Marktreaktion
Die Aktien von Zalando fielen nach der BaFin-Ankündigung in Frankfurt stark. Die Aktie, die am Vortag noch 27 Euro erreicht hatte (der höchste Stand seit Oktober 2025), fiel im frühen Handel um bis zu 20 Prozent, bevor sie sich auf einem Niveau von etwa 6 bis 8 Prozent unter dem Schlusskurs vom Donnerstag stabilisierte. Der Rückgang machte einen Teil der jüngsten Gewinne zunichte, die die Aktie beflügelt hatten, obwohl sie weiterhin weit unter dem im Jahr 2021 verzeichneten Allzeithoch von über 100 Euro liegt. Die gesamte Mode-E-Commerce-Branche steht weiterhin unter Druck durch asiatische Konkurrenz und verhaltene Konsumausgaben.
Regulatorischer Ausblick
Die BaFin betonte, dass ihre Prüfung nicht automatisch bedeute, dass die Jahresabschlüsse fehlerhaft seien oder mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlerhaft befunden würden. Die Behörde sei verpflichtet, konkrete Anhaltspunkte offenzulegen, und beabsichtige, das Ergebnis der Prüfung nach Abschluss zu veröffentlichen. Frühere BaFin-Prüfungen haben zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt: Die Verdachtsmomente beim Baukonzern Hochtief wurden im vergangenen Jahr nicht bestätigt, während eine Untersuchung des Verpackungsherstellers Gerresheimer bereits seit einiger Zeit läuft. Sollten Fehler festgestellt werden, müsste Zalando die Abschlüsse korrigieren. Weitere Sanktionen wurden nicht bekannt gegeben.


