
Niederländischer Sender AvroTros boykottiert den Eurovision 2027 aus Neutralitätsgründen und wegen des Gaza-Krieges
AvroTros wird nicht am 71. Eurovision Song Contest in Burgas, Bulgarien, teilnehmen und begründet dies mit dem anhaltenden Krieg in Gaza und unzureichenden Neutralitätsschutzmaßnahmen der Europäischen Rundfunkunion.
Boykottverlängerung und Neutralitätsbedenken
Der niederländische öffentlich-rechtliche Sender AvroTros bestätigte am 24. August 2026, dass er den Eurovision Song Contest zum zweiten Mal in Folge boykottieren wird. Der Sender erklärte, der Wettbewerb könne aufgrund internationaler Konflikte und des Krieges in Gaza nicht mehr als neutral angesehen werden. In seiner offiziellen Stellungnahme wies AvroTros auf das schwere menschliche Leid in Gaza und die anhaltenden Einschränkungen der Pressefreiheit hin und argumentierte, dass eine Teilnahme im Widerspruch zu seinen institutionellen Werten der Zuverlässigkeit, Unabhängigkeit und Menschlichkeit stünde.
Es ist unbestreitbar, dass internationale Konflikte den Wettbewerb zunehmend beeinträchtigen und seinen neutralen Charakter untergraben. Der Eurovision Song Contest ist daher zu einer Plattform der Spaltung geworden.
Reaktion auf Reformen der Europäischen Rundfunkunion
Die Ankündigung folgt auf kürzlich eingeführte Regeländerungen der Europäischen Rundfunkunion (EBU) als Reaktion auf Boykotte von Sendern. Nach den überarbeiteten Regeln ist es Ländern, die in bewaffnete Konflikte oder heikle geopolitische Situationen verwickelt sind, untersagt, die Veranstaltung auszurichten, selbst wenn ihr Teilnehmer den Wettbewerb gewinnt. Die schwedische Zeitung Aftonbladet berichtete zudem über einen EBU-Vorschlag, die öffentliche Abstimmung vollständig online durchzuführen, wobei die Wähler ihre Auswahl auf mindestens drei Lieder aufteilen müssen, um koordinierte Blockabstimmungen zu verhindern.
AvroTros erklärte, dass diese organisatorischen Anpassungen nicht ausreichendes Vertrauen schaffen, dass der neutrale Charakter des Wettbewerbs wiederhergestellt wird. Der niederländische Sender betonte, dass der EBU weiterhin ein klarer Bewertungsrahmen fehle, um zu bestimmen, wann die Beteiligung eines Landes an einem militärischen Konflikt dessen Teilnahme verhindern sollte.
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Nationale Teilnahme an NPO übertragen
AvroTros hat die Entscheidung über die niederländische Teilnahme am Wettbewerb 2027 offiziell an die Nederlandse Publieke Omroep (NPO) übertragen, die Dachorganisation, die die Niederlande innerhalb der EBU vertritt. Die NPO hatte signalisiert, dass sie bereit wäre, sich für den Wettbewerb 2027 anzumelden, wenn AvroTros zugestimmt hätte, den Beitrag zu produzieren. Nach der Ablehnung durch AvroTros erklärte die NPO, sie erwäge ihre nächsten Schritte, die darin bestehen könnten, andere niederländische Mitgliedssender anzusprechen, um deren Interesse an der Produktion eines niederländischen Beitrags zu prüfen.
Der Sender Omroep Max hatte zuvor Gespräche auf hoher Ebene über die Übernahme des Beitrags geführt, wobei Netzwerkchef Jan Slagter jedoch eher Bedenken hinsichtlich der musikalischen Qualität des Wettbewerbs als geopolitische Bedenken äußerte.
Sendervielfalt in ganz Europa
Der niederländische Rückzug folgt auf den Wettbewerb im Mai 2026 in Wien, bei dem fünf Nationen (Niederlande, Irland, Spanien, Slowenien und Island) aufgrund der Teilnahme Israels zurücktraten. Auch die Sender in Spanien, Irland und Slowenien weigerten sich, die Fernsehübertragung von 2026 auszustrahlen. Der Widerstand gegen die Veranstaltung umfasste einen offenen Brief, der von mehr als 1.000 Musikern unterzeichnet wurde, sowie die Rückgabe seiner Trophäe durch den ehemaligen Gewinner Charlie McGettigan.
In Irland erklärte RTÉ-Generaldirektor Kevin Bakhurst im Mai 2026, es gebe keinen unmittelbaren Grund, die irische Nichtteilnahmehaltung zu ändern, obwohl die Position weiterhin überprüft werde. Die Europäische Rundfunkunion wird voraussichtlich bis Ende 2026 die vollständige Liste der teilnehmenden Länder veröffentlichen, vor dem 71. Eurovision-Finale am 15. Mai 2027 in Burgas, Bulgarien.

