
Argentinien hat leichten Weg ins Halbfinale, Deutschland droht ein K.-o.-Marathon bei der WM 2026
Titelverteidiger Argentinien hat einen günstigen Weg ins Halbfinale, während Deutschland eine Reihe von Schwergewichten – darunter Frankreich, die Niederlande und Spanien – überwinden muss, um die Titelhoffnungen am Leben zu halten.
Die Gruppenphase der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika ist abgeschlossen, und das erweiterte K.-o.-System nimmt Form an. Mit 32 Mannschaften, die in die neue Runde der letzten 32 einziehen, teilt sich der Turnierbaum in zwei scharf kontrastierende Hälften. Auf der einen Seite genießt Titelverteidiger Argentinien einen Weg, der bis zum Halbfinale jeden Gegner aus den Top Acht der Weltrangliste vermeidet. Auf der anderen Seite könnte Deutschland – bereits nach einer wackligen Gruppenphase unter Druck – auf eine ganze Reihe ehemaliger Weltmeister treffen, noch bevor es das Halbfinale erreicht.
Argentiniens leichter Weg ins Halbfinale
Argentiniens Auslosung wird weithin als Traumweg beschrieben. Lionel Messi, der im Turnier bereits sechs Tore erzielt hat, trifft zunächst auf Kap Verde, den kleinen Inselstaat auf Platz 64 der Weltrangliste. Kap Verde qualifizierte sich mit drei Unentschieden für die K.-o.-Runde, darunter ein überraschendes 0:0 gegen Europameister Spanien, und Torhüter Vozinha hielt zweimal die Null. Die persönliche Geschichte des Torwarts – seine Mutter konnte dank Fan-Spenden zum Turnier reisen – hat ihn zum Publikumsliebling gemacht.
Es ist der Traum eines jeden Fußballers, gegen Argentinien und Lionel Messi zu spielen.
Doch der Klassenunterschied bleibt eklatant. Sollte Argentinien wie erwartet weiterkommen, träfe es im Achtelfinale auf den Sieger der Partie Australien gegen Ägypten und im Viertelfinale auf die Schweiz, Algerien, Kolumbien oder Ghana. Kein Gegner vor dem Halbfinale ist unter den Top 20 der Welt platziert. Cheftrainer Lionel Scaloni mahnte zur Vorsicht:
Es gibt keine leichten Spiele.
Deutschlands Albtraum-Bracket
Für Deutschland ist die K.-o.-Phase eine Strafe. Das DFB-Team unter Trainer Julian Nagelsmann kam mit einem 7:1-Sieg gegen Curaçao, einem knappen 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste und einer 1:2-Niederlage gegen Ecuador, die heimische Kritik auslöste, nur mühevoll durch die Gruppe. Die Niederlage kostete zudem Verteidiger Nico Schlotterbeck, der verletzungsbedingt für den Rest des Turniers ausfällt. Kapitän Joshua Kimmich hatte nach der Gruppenphase Klarheit versprochen, doch das Team bleibt rätselhaft.
An einem guten Tag könnte diese Mannschaft vielleicht jeden schlagen.
Deutschland trifft zunächst am Montagabend in Boston auf Paraguay. Bei einem Sieg wartet im Achtelfinale wohl Frankreich – die Mannschaft mit dem wohl tiefsten Kader des Turniers, angeführt von Kylian Mbappé (4 Tore) und Ousmane Dembélé (4 Tore). Ein Sieg dort würde den Weg für ein Viertelfinale gegen die Niederlande oder die Halbfinalisten von 2022, Marokko, ebnen, gefolgt von einem möglichen Halbfinale gegen Spanien. Alle vier dieser potentiellen Gegner sind ehemalige Welt- oder Europameister.
Das große Ganze
Andernorts gehören Frankreich und Brasilien weiterhin zu den Favoriten, auch wenn beide in der Gruppenphase nicht fehlerfrei waren. Brasilien trifft in der Runde der letzten 32 auf Japan, mit Norwegen oder der Elfenbeinküste als nächstem Gegner. England könnte im Achtelfinale auf Mexiko und im Viertelfinale auf Brasilien treffen, doch die Form ist durchwachsen. Gastgeber Kanada eröffnet die K.-o.-Phase gegen Südafrika, während Cristiano Ronaldos Portugal Luka Modrićs Kroatien überwinden muss – ein Duell zweier Veteranen, das für einen der größten Stars des Fußballs ein frühes Aus bedeuten könnte.
Marokko, vor vier Jahren Halbfinalist, wirkt jetzt noch stärker und trifft in einem der ausgeglichensten Duelle der Runde der letzten 32 auf die Niederlande. Der Sieger dieses Duells könnte Deutschlands Weg weiter erschweren.
- Anpfiff: Südafrika gegen Kanada eröffnet die K.-o.-Phase in Los Angeles
- Brasilien gegen Japan – zwei Schwergewichte treffen in der frühen Session aufeinander
- Deutschland gegen Paraguay in Boston – ein Muss-Sieg für das angeschlagene DFB-Team
- Niederlande gegen Marokko – Halbfinalisten von 2022 treffen in einer engen Partie aufeinander
Ein neues Format und größere Gefahr
Das Turnier 2026 ist das erste mit 48 Mannschaften und einer Runde der letzten 32 – eine strukturelle Änderung, die für jeden Anwärter eine zusätzliche K.-o.-Hürde darstellt. Es schafft auch längere Wartezeiten für Gruppensieger wie die Schweiz, die ihren Gegner erst wenige Stunden vor der Auslosung erfuhren. Die Einführung einer ersten K.-o.-Runde vor dem traditionellen Achtelfinale bedeutet, dass mehr Favoriten frühen Schrecken ausgesetzt sein werden und der Weg ins Finale länger und weniger nachsichtig ist als je zuvor.


