Deutschland treibt erste Nordsee-Wasserstoffpipeline Aquaductus voran, Baugrunduntersuchungen beginnen vor Norderney
Die Baugrunduntersuchungen für die 400 km lange Offshore-Pipeline starten diese Woche auf der Insel Norderney und an der Küste von Aurich, mit einer bevorzugten Route, die nahe Hilgenriedersiel an Land geht, um die Auswirkungen auf das Wattenmeer zu minimieren.
Die Aquaductus-Pipeline, entwickelt vom Fernleitungsnetzbetreiber Gascade über seine Tochtergesellschaft Aquaductus Pipeline GmbH, soll Wasserstoff transportieren, der von Offshore-Elektrolyseuren erzeugt wird, die mit Windenergie in der Deutschen Bucht betrieben werden, zum Festland. Die gesamte Offshore-Länge beträgt rund 400 Kilometer. In einem ersten Ausbauschritt wird eine etwa 200 Kilometer lange Strecke bis 2030 einen Windpark nordwestlich von Helgoland mit der Küste verbinden. Eine zweite Phase wird die Pipeline bis zum Rand der ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands, dem sogenannten „Entenschnabel“, verlängern, wo weitere geplante Wasserstoff-Windparks angebunden und Verbindungen zu benachbarten Offshore-Wasserstoffpipelines aus Dänemark und dem Vereinigten Königreich hergestellt werden.
- Baugrunduntersuchungen beginnen vor Norderney und an der Küste von Aurich.
- Erstes 200-km-Segment verbindet Windpark nordwestlich von Helgoland mit dem Festland.
- Pipeline zum Entenschnabel verlängert, Verbindung zu dänischen und britischen Wasserstoffnetzen.
Routenwahl und Umweltaspekte
Gascade untersuchte die gesamte niedersächsische Küste von Emden bis Wilhelmshaven auf mögliche Routen und Landepunkte. Die bevorzugte Option verläuft nun über die Insel Norderney mit einem Landfall nahe Hilgenriedersiel im Landkreis Aurich. Ein Gascade-Sprecher erklärte, dass diese Kombination die geringsten zu erwartenden Auswirkungen auf den Nationalpark Wattenmeer biete. Die regionale Entwicklungsbehörde Weser-Ems in Oldenburg pflichtete dem bei und stellte fest, dass alternative Routen durch die Außenems oder das Jade-Fahrwasser „erhebliche Konflikte“ verursacht hätten, darunter Baggerarbeiten im Nationalpark oder Beeinträchtigungen der Schifffahrt. Die Behörde verzichtete auf eine formelle Raumverträglichkeitsprüfung für den Korridor.
Insbesondere in Kombination mit einer Route über Norderney ist hier die geringste Beeinträchtigung des Nationalparks Wattenmeer zu erwarten.
Baugrunduntersuchungen beginnen
Ab dieser Woche finden an einigen gezielten Punkten auf und vor Norderney sowie entlang der Küste in Aurich Baugrunduntersuchungen statt. Sven Becker, Geschäftsführer der Aquaductus Pipeline GmbH, bezeichnete die Arbeiten als den nächsten wichtigen Schritt zur Verwirklichung des Projekts. Die Untersuchungen sollen die Boden- und Untergrundverhältnisse ermitteln, um die Tragfähigkeit zu bewerten, wobei das Unternehmen verspricht, „so schonend und effizient wie möglich“ vorzugehen. Die Daten werden die endgültige Trassenführung, die Wahl der Bauverfahren und die sichere und umweltverträgliche Umsetzung der Pipeline bestimmen.
Mit der Durchführung der Baugrunduntersuchungen machen wir den nächsten wichtigen Schritt zur Realisierung von Aquaductus.
Die gewonnenen Daten sind eine wesentliche Grundlage für die Bestimmung des Trassenverlaufs, die Auswahl geeigneter Bauverfahren und die sichere und umweltverträgliche Umsetzung des Pipeline-Projekts.
Lokale Bedenken auf Norderney
Die Pläne haben bei den Bewohnern Norderneys Unruhe ausgelöst, wo bereits mehrere Stromkabel für Offshore-Windparkverbindungen unter der Insel verlaufen und in diesem Sommer Bauarbeiten stattfinden. Bürgermeister Frank Ulrichs schrieb im März in einem Bürgerbrief, dass sich viele Inselbewohner mit Fragen und Sorgen zum Pipeline-Projekt an ihn gewandt hätten. Zu ihren Bedenken gehören mögliche Eingriffe in die Natur, Auswirkungen auf Tourismus und Campingplätze durch Baustellen und Lärm sowie zusätzliche Belastungen durch den Baustellenverkehr.
Das Projekt zeigt sehr deutlich ein Spannungsfeld auf, das uns alle betrifft. Auf der einen Seite steht die Energiewende und der notwendige Ausbau klimafreundlicher Infrastruktur. Auf der anderen Seite steht der Schutz unserer einzigartigen Natur.
Nächste Schritte
Der genaue Trassenverlauf muss noch in einem formellen Planfeststellungsverfahren festgelegt werden. Die aktuellen Baugrunduntersuchungen sind eine Voraussetzung für dieses Verfahren. Gascade strebt an, das erste 200-Kilometer-Segment bis 2030 fertigzustellen, die vollständige Verlängerung zum Entenschnabel soll später folgen und eine Verbindung mit der internationalen Wasserstoff-Infrastruktur herstellen.


