
Antisemitische Vorfälle in Deutschland bleiben 2025 auf Rekordniveau von 8.725 – mit Warnung vor Normalisierung
Das RIAS-Monitoring verzeichnete 2025 in Deutschland 8.725 antisemitische Vorfälle – nahezu unverändert zum Vorjahr und mehr als dreimal so viele wie vor dem Gaza-Krieg.
Die Zahlen
Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) dokumentierte im vergangenen Jahr 8.725 antisemitische Vorfälle. Diese Zahl liegt 12 höher als die 8.713 aus dem Jahr 2024 und lässt den Anstieg nach dem 7. Oktober unverändert bestehen: 2022, vor dem Hamas-Angriff und dem Gaza-Krieg, lag die Zahl bei 2.610; 2023 stieg sie auf 4.886. Die Vorfälle umfassen vier Fälle extremer Gewalt, 178 tätliche Angriffe, 257 Bedrohungen, 413 Sachbeschädigungen und eine große Mehrheit dessen, was RIAS als „verletzendes Verhalten“ bezeichnet. Im Durchschnitt ereigneten sich 24 antisemitische Taten pro Tag.
- 2022
- 2610
- 2023
- 4886
- 2024
- 8713
- 2025
- 8725
Befürchtungen einer Normalisierung
Benjamin Steinitz, Geschäftsführer von RIAS, sagte gegenüber Journalisten in Berlin, der Antisemitismus drohe, normal zu werden. „Ich habe den Eindruck, dass sich die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft an das erschreckende Ausmaß des Antisemitismus gewöhnt hat“, erklärte er. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, nannte die Zahlen „bitteren Alltag für viele Jüdinnen und Juden“. Die Studien-Mitautorin Bianca Loy stellte fest, dass antiisraelische Positionen eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz gewinnen.
Die fortschreitende Normalisierung des Antisemitismus bedroht die demokratische Kultur als Ganzes.
Angriffe online und offline
Mehr als ein Viertel aller Vorfälle ereignete sich online, und soziale Medienplattformen machten 43 % der dokumentierten Bedrohungen aus. Jüdische Menschen erhielten auf Facebook Todesdrohungen; einer Frau wurde ein Bild einer Zyklon-B-Dose mit der Bildunterschrift „Noch auf Lager“ geschickt. Im westlichen Bundesland Hessen wurde ein Rabbiner im Supermarkt gestoßen, während seine Kinder zusahen; die Angreifer machten ihn für die Handlungen der israelischen Regierung verantwortlich. Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft wurden mit antisemitischen Bewertungen und Parolen aus der NS-Zeit angegriffen.
Israelbezogener und rechtsextremer Antisemitismus
Rund 68 % der dokumentierten Vorfälle – 5.916 Fälle – wurden als israelbezogener Antisemitismus eingestuft, der häufig bei Demonstrationen mit Rufen nach der Vernichtung des Staates Israel auftrat. Rechtsextreme Vorfälle erreichten 807 – der höchste Wert seit RIAS 2020 mit seiner bundesweiten Erhebung begann, ein Anstieg von 562 im Vorjahr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte, dass die Gesellschaft statt einer Beruhigung „eine Verfestigung des Antisemitismus auf Rekordniveau“ erlebe.
Politische Reaktion
Felix Klein forderte schärferes Strafrecht gegen Aufrufe zur Zerstörung von Staaten, während Politiker der unionsgeführten Mitte-Rechts-Parteien schärfere rechtliche Maßnahmen verlangten. Der Bericht selbst räumt ein, dass nicht jeder Eintrag die Schwelle einer Straftat erreicht; RIAS betont, dass Antisemitismus beginne, bevor er strafrechtlich verfolgt werden könne.

