Beschimpfungen und Rufe gegen die ANPI bei Gedenkfeier im römischen Ghetto zur Razzia von 1943
Mitglieder der jüdischen Gemeinde Roms haben während der Gedenkfeier zur Razzia vom 16. Oktober 1943 die Delegation des Partisanenverbands ANPI angeschrien und beschimpft. Die ANPI erklärte, sie sei angegriffen worden, während Il Giornale berichtete, die Delegation habe die Feier verlassen müssen.
Rufe bei der Gedenkfeier im Ghetto
Am Morgen des 16. Oktober 2026 wurde die jährliche Gedenkveranstaltung zur Razzia im jüdischen Ghetto von Rom angespannt, als einige Mitglieder der jüdischen Gemeinde der Stadt begannen, die Delegation der ANPI, des italienischen Partisanenverbands, anzuschreien und zu beschimpfen. Zu den überlieferten Rufen gehörten „Ihr müsst gehen“, „Raus, raus“ und „Schande über euch“, die sich gegen die Delegation richteten. Marina Pierlorenzi, die Präsidentin der ANPI in Rom, bezeichnete ihre Gruppe als Ziel eines Angriffs.
Wir wurden angegriffen. Sie wollen die ANPI nicht, sagen uns, wir seien pro-palästinensisch und könnten nicht auf diesem Platz stehen.
Il Giornale, die am Morgen am ausführlichsten berichtete, schrieb, die ANPI habe die Feier schließlich abgebrochen. Derselben Zeitung zufolge wurden die anderen anwesenden Veteranenverbände, darunter die FIAP und die ANPC, wie üblich empfangen, und nur die ANPI stieß auf Feindseligkeit.
Warum die Gemeinde protestierte
Tage zuvor hatte Victor Fadlun, Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, die ANPI gebeten, der Gedenkfeier fernzubleiben und ihre Banner zu Hause zu lassen. Il Giornale brachte diese Bitte mit ANPI-Fahnen in Verbindung, die bei Protesten gegen einen Gesetzentwurf zur Antisemitismusbekämpfung zu sehen waren, wo sie wenige Meter von Fahnen der Hisbollah und des iranischen theokratischen Regimes entfernt gezeigt wurden. Die Zeitung argumentierte, die Wut der Gemeinde spiegele die Haltung der ANPI gegenüber pro-palästinensischen Gruppen wider.
Carmen Dal Monte, die die progressive jüdische Gemeinde von Bologna leitet und dem nationalen Vorstand der FIEP angehört, sagte, die ANPI sei gebeten worden, nicht teilzunehmen, und sei trotzdem gekommen, was die Empörung der Anwesenden hervorgerufen habe. Ihre mit bitterer Ironie vorgebrachte Äußerung wurde von Il Giornale wiedergegeben.
Ich stand auf der Seite der Unruhestifter, die die ANPI beschimpfen.
Die Antwort der ANPI
In einer von Rai News wiedergegebenen schriftlichen Erklärung antwortete die ANPI auf die Bitte, fernzubleiben, sie werde teilnehmen. Der Verband erinnerte zudem an einen Vorfall am 25. April, als zwei seiner Mitglieder von Geschossen getroffen wurden, die aus einer Luftdruckwaffe von einer Person abgefeuert wurden, die sich Berichten zufolge der Jüdischen Brigade zugehörig bezeichnete. Zu diesem Angriff läuft ein Gerichtsverfahren.
Die ANPI nimmt teil mit der Kraft der Erinnerung, der Geschichte und der Werte des Antifaschismus, wie sie in der demokratischen und republikanischen Verfassung verankert sind.
Die Razzia von 1943
Im Morgengrauen des 16. Oktober 1943 überfielen SS-Truppen, die Gestapo und die deutsche Polizei, unterstützt von italienischen faschistischen Kollaborateuren der Italienischen Sozialrepublik, das römische Ghetto. Rai News berichtete, dass innerhalb weniger Stunden 1.254 Menschen festgenommen wurden und dass mehr als tausend von ihnen nach Auschwitz deportiert wurden. Il Giornale gab die Zahl der Deportierten mit 1.023 an. Nur 16 Menschen kehrten zurück, 15 Männer und eine Frau, und kein Kind kam aus der Deportation zurück.
- Festgenommen (Rai News)
- 1254 Personen
- Deportiert (Il Giornale)
- 1023 Personen
- Überlebten die Deportation (Rai News, Il Giornale)
- 16 Personen
Il Giornale wies darauf hin, dass Settimia Spizzichino, die einzige Frau unter den Überlebenden, inzwischen eine nach ihr benannte Brücke hat, die über Nacht beleuchtet wurde. Rai News berichtete, die offizielle Zeremonie habe auf dem Largo 16 Ottobre 1943 im Herzen des jüdischen Viertels stattgefunden, mit Kranzniederlegungen und der Teilnahme von städtischen und regionalen Institutionen sowie Vertretern der jüdischen Gemeinde Roms.
Ein Buch und ein Gedenken
Am selben Tag wurde der Settimia Spizzichino gewidmete Band „Anni Rubati“ in der Protomoteca des Kapitols vorgestellt. Das Buch wurde von Marco Caviglia und Miriam Spizzichino verfasst und bei Giuntina veröffentlicht. Die Ereignisse des Tages ließen die Spannung der Zeremonie bestehen, während die offizielle Gedenkfeier parallel zur öffentlichen Auseinandersetzung über die Anwesenheit der ANPI weiterging.

