
Angst vor Lebenshaltungskosten in Deutschland steigt auf 59 Prozent – Jahresstudie 2026 zeigt breite wirtschaftliche Verunsicherung
Die 35. Jahresstudie der R+V Versicherung in Berlin zeigt, dass 59 Prozent der Deutschen steigende Lebenshaltungskosten fürchten, während Friedrich Merz die schlechteste Bewertung aller Kanzler in der Geschichte der Studie erhielt.
Inflation und Lebenshaltungskosten an der Spitze der nationalen Ängste
Steigende Lebenshaltungskosten sind zum fünften Mal in Folge die größte Angst der Deutschen – das geht aus der 35. Jahresstudie der R+V Versicherung hervor. Die Umfrage ergab, dass 59 Prozent der Befragten große Angst davor haben, dass ihr Einkommen für den laufenden täglichen Bedarf nicht ausreicht – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte gegenüber 52 Prozent im Jahr 2025. Diese Sorge um die Lebenshaltungskosten steht nun in 16 der 35 seit 1992 durchgeführten Jahresumfragen an der Spitze. Die Sorgen sind ungleich über das Land verteilt: 60 Prozent der Einwohner Westdeutschlands fürchten steigende Ausgaben, gegenüber 53 Prozent in den östlichen Bundesländern. Auch weibliche Befragte berichteten häufiger von finanziellen Sorgen als männliche Teilnehmer. Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch erläuterte bei der Vorstellung in Berlin den Hauptgrund.
Die Menschen spüren jeden Tag, wie teuer das Alltagsleben geworden ist. Insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung fürchten, dass ihr Geld auf Dauer nicht zum Leben reicht.
- Steigende Lebenshaltungskosten
- 59 %
- Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen
- 53 %
- Staat durch Flüchtlinge überfordert
- 52 %
- Schlechtere Wirtschaftslage
- 51 %
- Unbezahlbares Wohnen
- 50 %
- Spannungen durch Zuwanderung
- 47 %
- Arbeitsplatzverlust bei Erwerbstätigen
- 20 %
Konjunkturaussichten und Sorgen um die soziale Sicherung
Finanzielle Sorgen dominieren die oberen Ränge der Studie und belegen vier der fünf drängendsten Ängste, die 2026 gemessen wurden. Die zweithäufigste Sorge ist die Aussicht auf Steuererhöhungen und Kürzungen staatlicher Sozialleistungen, die 53 Prozent der Teilnehmer nannten, gegenüber 49 Prozent im Jahr 2025. Eine allgemeine wirtschaftliche Verschlechterung verzeichnete den stärksten Zuwachs aller abgefragten Themen: Sie stieg um zehn Prozentpunkte von 41 auf 51 Prozent und kletterte von Platz zehn auf Platz vier. Genau die Hälfte aller Befragten äußerte die Angst, dass Wohnen völlig unbezahlbar wird. Die Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki von der Philipps-Universität Marburg wies darauf hin, dass die zentralen Preise für Energie, Wohnen und Lebensmittel einen anhaltenden finanziellen Druck erzeugten, der Haushalte dazu bringe, größere Anschaffungen wie Autos und Eigenheime zu überdenken und aufzuschieben.
Hinter der Angst vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen steht die Frage nach der Gerechtigkeit: Wer muss die Reformen bezahlen, und können sich die Menschen weiterhin auf die vom Staat versprochenen Leistungen verlassen?
Politische Unzufriedenheit und Migrationsdruck
Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die politischen Institutionen schwand sowohl bei den Regierungs- als auch bei den Oppositionskräften. Mehr als die Hälfte der Befragten gab der aktuellen Bundesregierung und der parlamentarischen Opposition die Noten vier, fünf oder sechs auf der deutschen Schulnotenskala – die schlechteste Durchschnittsbewertung seit 2018. Bundeskanzler Friedrich Merz erhielt die schlechteste Einzelbewertung, die je ein Bundeskanzler in der Geschichte der Studie erhalten hat. Jenseits der direkten wirtschaftlichen Sorgen fürchten 52 Prozent der Teilnehmer, dass der deutsche Staat durch die Aufnahme von Flüchtlingen überfordert ist – die drittgrößte Sorge insgesamt. Darüber hinaus äußerten 47 Prozent Sorge über gesellschaftliche Spannungen infolge der Zuwanderung aus dem Ausland, obwohl die Gesamtzahl der Grenzankünfte zuletzt zurückging.
Methodik der Umfrage und psychologische Verunsicherung
Die Untersuchung wurde zwischen dem 11. Mai und dem 29. Juli 2026 in persönlichen Face-to-Face-Interviews mit rund 2.400 deutschsprachigen Einwohnern ab 14 Jahren durchgeführt. Die Teilnehmer bewerteten mögliche Bedrohungen auf einer Skala von eins bis sieben, wobei die Werte fünf, sechs und sieben als akute Angst eingestuft wurden. Während 51 Prozent einen gesamtwirtschaftlichen Abschwung fürchten, befürchten nur 20 Prozent der erwerbstätigen Befragten, ihren eigenen Arbeitsplatz zu verlieren – ein deutliches Auseinanderklaffen zwischen persönlicher Beschäftigungssicherheit und kollektiven Wirtschaftserwartungen. Der Wirtschaftspsychologe Burkhard Schmidt von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen erklärte, dass allgemeine Unvorhersehbarkeit die öffentliche Angst verstärke, selbst wenn die persönlichen Verhältnisse intakt blieben.
Die Menschen wissen einfach nicht mehr, was als Nächstes teurer wird. Und sie wissen nicht mehr, worauf sie sich verlassen können.
- Beginn der Feldarbeit in ganz Deutschland mit 2.400 Face-to-Face-Interviews
- Ende des Erhebungszeitraums
- R+V Versicherung stellt die Ergebnisse der 35. Jahresstudie in Berlin vor

