
Mutmaßliche Sabotage am Umspannwerk Bergheim legt 4.200 MW RWE-Strom lahm
Die deutsche Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher gezielter Sabotage, nachdem ein Kurzschluss an einem Umspannwerk in Bergheim fünf RWE-Kohlekraftwerksblöcke mit einer Kapazität von 4.200 Megawatt vom Netz getrennt hat.
Störung im Umspannwerk Bergheim
Gegen 20:00 Uhr am Dienstagabend rückten Rettungskräfte zu einem Umspannwerk im Rheidter Bezirk von Bergheim nahe Köln aus, nachdem ein Kurzschluss gemeldet worden war. Mehrere Hochspannungsleitungen fielen an der Anlage aus, die vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion im Rhein-Erft-Kreis betrieben wird. Anwohner berichteten von hellen Lichtblitzen und Explosionen, bevor ein Polizeihubschrauber das Gebiet überflog. Die Polizei Essen übernahm die Leitung des Einsatzes und sicherte einen weiträumigen Sperrkreis, während sie auf Tageslicht wartete, um forensische Durchsuchungen nach Werkzeugen und Geräten durchzuführen.
- Täter feuern selbstgebaute Geschosse auf Stromleitungen nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg
- Polizei reagiert auf Kurzschluss und durchtrennte Leitungen am Umspannwerk Bergheim-Rheidt
- RWE schaltet Block H des Kraftwerks Niederaußem wieder ans Netz
- Zwei weitere Kraftwerksblöcke sollen wieder in Betrieb gehen
- Die letzten beiden RWE-Kraftwerksblöcke sollen den Betrieb wieder aufnehmen
Auswirkungen auf das Netz und Kraftwerksabschaltungen
Die Übertragungsstörung betraf direkt die Kraftwerkseinspeiseleitungen im Rheinischen Revier und zwang das Energieunternehmen RWE Power, fünf Braunkohleblöcke an zwei Kraftwerksstandorten vom Netz zu nehmen. Im Kraftwerk Niederaußem in Bergheim wurden die Blöcke H, G und K abgeschaltet. Im Kraftwerk Neurath in Grevenbroich stellten die Blöcke G und F den Betrieb ein. Die abgeschalteten Einheiten repräsentieren eine Gesamtkapazität von rund 4.200 Megawatt und speisten zum Zeitpunkt des Vorfalls aktiv etwa 3.000 Megawatt ins Netz ein.
- Gesamte abgeschaltete Kapazität
- 4200 MW
- Aktive Einspeisung zum Zeitpunkt des Vorfalls
- 3000 MW
Amprion hielt die Netzstabilität während der gesamten Störung durch den Bezug von Regelenergie aus anderen Regionen aufrecht und verhinderte so Stromausfälle in den umliegenden Städten und Gemeinden. RWE-Sprecher Matthias Beigel teilte am Mittwochmorgen mit, dass Block H des Kraftwerks Niederaußem bereits wieder ans Netz gegangen sei. Zwei weitere Blöcke sollen noch am Mittwoch wieder in Betrieb gehen, während die verbleibenden zwei Einheiten voraussichtlich bis zum Wochenende außer Betrieb bleiben.
Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt, und die Systemstabilität war stets gewährleistet.
Strafrechtliche Ermittlungen der Polizei
Ermittler des Essener Polizeipräsidiums schlossen schnell einen technischen Defekt aus und leiteten ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Sabotage ein. Die Essener Polizei übernahm die Führung, da die Behörde als spezialisiertes Regionalpräsidium für die Bearbeitung potentieller Angriffsszenarien ausgewiesen ist. Forensische Spezialisten analysierten am Mittwochmorgen physische Spuren an der Anlage in Rommerskirchen, um die verwendeten Werkzeuge und Zugangswege zu ermitteln.
Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gehen wir nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Handlung, einer Straftat, aus.
Abfolge der Vorfälle an der Infrastruktur
Der Vorfall in Bergheim ereignete sich weniger als einen Tag nach einem Angriff auf die Strominfrastruktur in Ostdeutschland. Am Dienstagmorgen hatten unbekannte Täter selbstgebaute Geschosse in der Art kommerzieller Feuerwerkskörper auf Hochspannungsleitungen nahe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in Brandenburg abgefeuert und dabei in zwei Fällen Kurzschlüsse ausgelöst. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz entdeckte weitere nicht gezündete Vorrichtungen am Tatort, und die Brandenburger Landesregierung erklärte, der Versuch habe auf einen großflächigen Stromausfall abgezielt. Die Essener Polizei wies darauf hin, dass es noch zu früh sei, um einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen herzustellen. Die Vorfälle folgen auf einen früheren Angriff im Januar, bei dem mutmaßliche Linksextremisten in der Nähe eines Kraftwerks im Südwesten Berlins Hochspannungskabel in Brand gesetzt hatten.


