Alpenhütten schließen Waschräume und fliegen Wasser per Helikopter ein – zwei schneearme Winter lassen Quellen versiegen
Helikopter fliegen Trinkwasser zu Alpenhütten, Waschräume wurden geschlossen: Zwei schneearme Winter und eine anhaltende Trockenperiode lassen Quellen in den deutschen und österreichischen Alpen versiegen.
Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) in den Alpen kämpfen mit schwerem Wassermangel. Betreiber müssen Trinkwasser per Helikopter einfliegen und Waschräume schließen. Zwei aufeinanderfolgende schneearme Winter und eine lange Trockenperiode ohne Niederschlag haben die oberflächennahen Wasserreserven aus Regen und Gletscherschmelze gefährlich schrumpfen lassen.
Quellen versiegen
Erstmals seit Menschengedenken sind die Quellen, die die Hütten der Sektion Berchtesgaden versorgen, vollständig versiegt.
Wir hatten noch nie den Fall, dass die Quellen nicht geflossen sind. Dieses Jahr ist es das erste Mal.
Schieder-Moderegger, die Sektionsvorsitzende, erklärte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe nach dem Entdecken von Rinnsalen statt reißender Bäche im Frühjahr einen Notfallplan erstellt. Doch die Geschwindigkeit des Zusammenbruchs habe sie überrascht. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht, innerhalb einer Woche“, sagte sie.
Wasserlieferungen per Helikopter
Die auffälligste Maßnahme ist an der Blaueishütte nahe Berchtesgaden zu beobachten, wo Trinkwasser nun per Helikopter eingeflogen wird. Der Flug kostet 31 Euro pro Minute zuzüglich einer Anflugpauschale von 600 Euro. Die Hüttenbetreiber teilten auf Facebook mit, dass die Waschräume geschlossen sind und Trinkwasser gegen Gebühr nur in PET-Flaschen erhältlich ist.
Auf anderen Hütten wurden baustellengerechte mobile Toiletten eingeflogen, die ohne Wasser auskommen. Regenwasser, das bei Gewittern von Dächern gesammelt wird, wird mit UV-Anlagen behandelt und als Trinkwasser genutzt.
Weitreichende Einschränkungen
DAV-Sprecher Julian Rohn bezeichnete die Engpässe als neue Dimension, die nahezu alle der rund 320 Hütten des Vereins betreffe. Der DAV unterhält etwa zwei Drittel dieser Hütten in den deutschen und österreichischen Alpen.
Im Moment betrifft es alle gleichermaßen. Das hängt natürlich immer etwas vom lokalen Wetter ab.
Wassersparmaßnahmen sind inzwischen Standard: Waschräume sind nicht zugänglich, Spültoiletten werden durch Trockentoiletten ersetzt, und Duschen sind nur gegen Gebühr verfügbar. Das Watzmannhaus hat den Zugang zu den Waschräumen auf zwei Stunden morgens und abends beschränkt, während die Wasserhähne an den Toiletten abgestellt und durch Desinfektionsspender ersetzt wurden. Selbst kleine Schritte wie der Verzicht auf Untertassen und kleine Schälchen für Marmelade beim Frühstück helfen, unnötigen Abwasch zu vermeiden.
- Neue Prager Hütte musste im August zweimal wegen Wassermangels vorzeitig schließen
- Nur Rinnsale fließen die Hänge hinab statt reißender Bäche; Notfallplan erstellt
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- DAV meldet flächendeckende Engpässe auf fast allen Hütten; drastische Sparmaßnahmen in Kraft
Klimabedingter Trend
Rohn nannte die Situation bittere Realität und wies darauf hin, dass die Sommersaison noch relativ jung sei. Der zugrundeliegende Trend ist klar: Der Klimawandel reduziert Jahr für Jahr die Wassermenge aus Schneefeldern und Gletschern. Hochalpine Hütten sind besonders anfällig, und wenn eine wichtige Wasserquelle versiegt, erzwingt dies oft eine Komplettsanierung der Hütte. Die Neue Prager Hütte in den Hohen Tauern musste in den Vorjahren bereits zweimal im August vorzeitig schließen. An der Blaueishütte haben die Gäste die Einschränkungen weitgehend akzeptiert.
Die meisten sind wirklich verständnisvoll.


