
Deutsche Bahn verbietet Alkohol an allen 5.400 Bahnhöfen bis Mitte Oktober nach Angriff auf Sicherheitsmitarbeiter
Die Deutsche Bahn verbietet den Alkoholkonsum an allen 5.400 deutschen Bahnhöfen bis zum 15. Oktober, ausgelöst durch einen beinahe tödlichen Angriff auf einen Sicherheitsmitarbeiter und zunehmende Gewaltkriminalität.
Sicherheitskrise an deutschen Bahnhöfen
Laut der Gewerkschaft der Bundespolizei verzeichnete die Deutsche Bahn im Jahr 2025 28.000 Gewalttaten an Bahnhöfen und in Zügen. In mindestens einem Drittel der Vorfälle stand der Täter unter Alkoholeinfluss, berichtete die Bundespolizei. Der jüngste Auslöser war der Abend des 17. Juli bei Offenburg, als ein 26-jähriger Sicherheitsmitarbeiter Fahrkarten in einem Regionalzug kontrollierte. Ein Fahrgast, der sich weigerte, seinen Ausweis zu zeigen, wurde gewalttätig, und der Sicherheitsmitarbeiter wurde aus dem fahrenden Zug gestoßen und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Der Angreifer stand unter Alkoholeinfluss, so die Behörden. DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla sagte, der Angriff sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. „Wir haben gesehen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, die Gewalt zunimmt“, sagte sie und fügte hinzu, dass das Unternehmen nun handle, um Mitarbeiter und Fahrgäste zu schützen.
Bundesweite Einführung des Verbots
Ab dem 1. September werden der Berliner Hauptbahnhof, Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig den Alkoholkonsum auf den Bahnsteigen und in den Bahnhofshallen verbieten. Bis zum 15. Oktober sollen alle 5.400 Bahnhöfe in Deutschland nach den DB-Hausregeln alkoholfrei sein. Das Verbot gilt für den Konsum von Bier, Wein und Spirituosen auf Bahnsteigen und in Gebäuden. Bahnhofsrestaurants und -cafés können weiterhin Alkohol ausschenken, und Fahrgäste dürfen weiterhin versiegelte Flaschen mitführen. Mehr als 30 große Bahnhöfe, darunter Hamburg, Köln, München und Frankfurt, haben bereits solche Verbote. Das Hamburger Verbot, das seit April 2024 in Kraft ist, hat zu weniger Konflikten und weniger Müll geführt, so Palla. Das Unternehmen nannte „positive Erfahrungen“ als Motivation für die Ausweitung. Für Fernverkehrszüge ist kein allgemeines Alkoholverbot geplant, da die Bordbistros Alkohol verkaufen. Einige Regionalnetze, wie Hamburg, Köln, München und Nürnberg, verbieten bereits den Alkoholkonsum in S-Bahnen. Die DB erklärte, dass Fahrgäste weiterhin mitgebrachten Alkohol konsumieren dürfen, solange sie andere respektieren.
Berlins fragmentiertes Netz
In der Hauptstadt umfasst das Verbot alle 168 S-Bahn-Stationen, aber das U-Bahn-Netz der Stadt bleibt ausgenommen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) teilten dem Tagesspiegel mit, dass sie keine Pläne haben, ein Alkoholverbot auf ihren Geländen einzuführen. Der Flickenteppich sorgt an über 20 Stationen, an denen S-Bahn und U-Bahn einen gemeinsamen Knotenpunkt haben, für Kuriositäten: Fahrgäste dürfen auf dem U-Bahn-Bahnsteig legal trinken, aber mit einer offenen Flasche auf den S-Bahn-Bahnsteig zu treten, würde gegen die DB-Regeln verstoßen. An den Berliner Bahnhöfen Zoo und Ostbahnhof traten die Verbote am 1. Mai in Kraft, und die Ausweitung im September wird weitere große Umsteigebahnhöfe hinzufügen. Eine DB-Sprecherin bestätigte, dass das Verbot nur in Bereichen unter DB-Zuständigkeit gilt, nicht in den von der BVG betriebenen Teilen der Bahnhöfe.
Zweifel an der Durchsetzung
Polizeigewerkschaften und Fahrgastverbände haben das Ziel begrüßt, aber seine Umsetzbarkeit in Frage gestellt. Thomas Wulff, der Bundespolizeichef der GdP in Schleswig-Holstein, sagte dem NDR, dass er das Verbot zwar unterstütze, es aber „einfach zu wenig Personal“ gebe, um es bundesweit durchzusetzen. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn sagte, das Verbot werde Bahnhöfe sicherer und sauberer machen, da „weniger betrunkene Menschen, die Flaschen verschütten, den Schmutz reduzieren“. Er warnte jedoch, dass die Regel ohne Kontrollen an Glaubwürdigkeit verlieren könnte. Die DB erklärte, sie werde die Hausregeln in den kommenden Wochen in Abstimmung mit den lokalen Behörden aktualisieren und „Standardstreifen“ einsetzen, um Reisende zu informieren. Verstöße werden mit Verweis und bei wiederholten Verstößen mit einem Bahnhofsverbot geahndet. Ein Kommentar der Frankfurter Allgemeinen nannte den Plan „theoretisch gut, praktisch schlecht“ und argumentierte, dass Investitionen in mehr Sicherheitspersonal und bauliche Veränderungen effektiver wären.
- Hamburg Hauptbahnhof verbietet Alkohol (Pilotprojekt)
- Köln Hauptbahnhof schließt sich dem Verbot an
- Verbote am Berliner Zoo und Ostbahnhof treten in Kraft
- Berlin Hbf, Gesundbrunnen, Kiel, Braunschweig kommen hinzu
- Alle 5.400 Bahnhöfe bundesweit werden alkoholfrei
Stimmen vom Bahnhof
Wir verbieten den Alkoholkonsum an Bahnhöfen. Zu oft haben wir gesehen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, die Gewalt zunimmt. Der brutale und sinnlose Angriff letzten Freitag bestätigt dies.
Wenn Menschen nicht betrunken mit einer Flasche in der Hand sind, können sie sie nicht verschütten oder fallen lassen. Das allein macht Bahnhöfe sauberer und sicherer, besonders für Frauen.


