
EU verhängt Rekordstrafe von 550 Millionen Euro gegen AliExpress wegen illegaler Produkte
Die Europäische Kommission verhängte die bislang höchste Strafe im Rahmen der Digitaldiensteverordnung des Blocks und verwies auf ein systematisches Versagen bei der Blockierung von Fälschungen und unsicheren Waren.
Die Strafe
Am 20. Juli 2026 verhängte die Europäische Kommission eine Geldstrafe von 550 Millionen Euro gegen den chinesischen Online-Marktplatz AliExpress wegen Verstoßes gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA). Es ist die höchste bisher verhängte Strafe im Rahmen der 2022 erlassenen Verordnung und übertrifft die Geldstrafe von 200 Millionen Euro gegen Temu und die 120 Millionen Euro gegen X. Die Höhe der Strafe bemisst sich nach Art und Dauer des Verstoßes, der die Jahre 2023 bis 2025 umfasst. Die im Juni 2025 abgeschlossene Untersuchung ergab, dass Millionen illegaler Produkte – von gefälschter Kleidung und unsicheren Spielzeugen bis hin zu gefährlichen Kosmetika – wiederholt wieder auf der Plattform auftauchen durften.
- X
- 120 Mio. EUR
- Temu
- 200 Mio. EUR
- AliExpress
- 550 Mio. EUR
Wie es zu den Verstößen kam
Die Kommission stellte fest, dass AliExpress nicht genügend Personal einsetzte, um illegale Angebote zu identifizieren und zu entfernen. Moderatoren hatten nur wenige Dutzend Sekunden Zeit, um jedes Produkt zu bewerten, und die Algorithmen des Unternehmens empfahlen den Verbrauchern aktiv rechtswidrige Waren, bevor diese entfernt wurden. Verkäufer von Fälschungen nutzten die schwache Durchsetzung aus, indem sie ihre Produkte in Kategorien einordneten, die einer geringeren Kontrolle unterlagen. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen erklärte, das Verhalten von AliExpress gefährde europäische Verbraucher und sei unfair gegenüber Unternehmen, die sich an das Gesetz halten.
Die Verbreitung von gefälschter Kleidung, unsicheren Spielzeugen, gefährlichen Kosmetika und anderen illegalen und schädlichen Produkten ist keine unvermeidliche Folge des Online-Shoppings. Es ist ein Versagen von AliExpress, die europäischen Regeln einzuhalten.
Reaktion von AliExpress
AliExpress, eine Tochtergesellschaft der Alibaba Group, wies die Entscheidung zurück. Das Unternehmen erklärte, die Strafe sei unverhältnismäßig und spiegele die proaktiven Verbesserungen, die es vorgenommen habe, nicht wider.
Wir stimmen mit der heutigen Entscheidung und der unverhältnismäßigen Geldstrafe nicht überein. Wir prüfen die Entscheidung sorgfältig und erwägen alle verfügbaren Optionen.
Weiterer regulatorischer Druck auf chinesische Plattformen
Die Geldstrafe ist Teil eines umfassenderen EU-Vorgehens gegen kostengünstige chinesische E-Commerce-Plattformen. Zwischen 2023 und 2025 hat sich die Zahl der aus China in die EU eingehenden Sendungen mit einem Wert unter 150 Euro mehr als verdoppelt. Seit diesem Monat wird für jedes importierte Produkt ein Zoll von 3 Euro erhoben, weitere Verwaltungsgebühren werden bis November erwartet. Die Kommission ermittelt außerdem gegen AliExpress wegen weiterer möglicher DSA-Verstöße, darunter die Bearbeitung von Beschwerden, die Transparenz von Werbung und die Rückverfolgbarkeit von Verkäufern.
Was als Nächstes passiert
AliExpress muss der Kommission bis zum 20. Oktober 2026 einen Verbesserungsplan vorlegen. Wird der Plan als unzureichend erachtet, könnten weitere Geldstrafen folgen. Die Höchststrafe im Rahmen des DSA beträgt 6 Prozent des jährlichen weltweiten Umsatzes. Für Alibaba, das zum Zeitpunkt des Verstoßes Einnahmen von rund 130 Milliarden Euro erzielte, hätte die Obergrenze bei fast 8 Milliarden Euro gelegen, was bedeutet, dass die 550-Millionen-Euro-Strafe etwa 0,4 Prozent dieser Obergrenze ausmacht.
- Gesetz über digitale Dienste verabschiedet
- Untersuchung gegen AliExpress abgeschlossen
- Geldstrafe von 550 Millionen Euro verhängt
- Frist für die Vorlage des Verbesserungsplans
