KI-generiert·Mehr erfahren
© Publico
Diplomatie·vor 3 Std.

Albaniens Premier trotzt den ‚Flamingo-Revolution‘-Protesten und treibt Kushner-verknüpftes Luxusresort voran

Ministerpräsident Edi Rama wies Umweltproteste als ‚Fehlinformation‘ zurück und bestätigte, dass die Regierung an einem mit Jared Kushner verbundenen Luxusprojekt festhält – trotz einer Warnung der Europäischen Kommission und einer sich ausweitenden Anti-Korruptionsermittlung.

Der albanische Ministerpräsident Edi Rama hat angekündigt, ein umstrittenes Luxusresortprojekt, das mit Jared Kushner und Ivanka Trump verbunden ist, voranzutreiben. Dabei ignoriert er zunehmende Proteste und eine formelle Warnung der Europäischen Kommission. Das Bauvorhaben, das für ein sensibles Küstengebiet und eine ehemalige Militärinsel geplant ist, hat die ‚Flamingo-Revolution‘-Demonstrationen ausgelöst und wirft Fragen zu Tiranas EU-Beitrittsweg auf.

Umfang und Ursprung des Projekts

Die Initiative umfasst zwei groß angelegte Tourismusentwicklungen in Südalbanien. Die erste ist ein Resort auf der unbewohnten Insel Sazan, einem ehemaligen Militärstützpunkt aus kommunistischer Zeit, mit einem geschätzten Wert von rund 1,4 Milliarden Euro. Das zweite, wesentlich größere Projekt betrifft die Urbanisierung eines Gebiets nahe der Vjosa-Narta-Lagune, einem geschützten Naturgebiet in der Nähe der Stadt Zvernec. Diese Entwicklung umfasst geplante Investitionen von über 4 Milliarden Euro und beinhaltet Hotels, Villen, Luxusapartments und einen Yachthafen. Die Projekte sind mit Affinity Partners verbunden, der Investmentfirma von Jared Kushner, sowie mit katarischen Geschäftspartnern.

Rama schilderte die Entstehung des Projekts als glücklichen Zufall. Er beschrieb ein Abendessen in Südalbanien mit Kushner, Ivanka Trump und Freunden, die auf dem Weg nach Montenegro in Durres Halt gemacht hatten. Monate später sprach Kushner ihn Berichten zufolge bei einem Treffen in Davos, Schweiz, an. Rama erinnerte sich, dass Kushner ihm sagte: ‚Ihr Land ist absolut atemberaubend, und wir würden gerne nach einer Investitionsmöglichkeit suchen.‘ Ivanka Trump erzählte unabhängig davon, dass die Familie die Insel Sazan zufällig bei einem Bootsausflug entdeckte, an Land schwamm und zu einem ihrer höchsten Punkte wanderte.

Umweltproteste und die ‚Flamingo-Revolution‘

Die Proteste werden als ‚Flamingo-Revolution‘ bezeichnet, da der betreffende Küstenabschnitt ein Zwischenstopp für ziehende Flamingos ist. Die Vjosa-Narta-Lagune ist eines der artenreichsten Gebiete Albaniens und Teil einer wichtigen Vogelzugroute in der Adria. Umweltgruppen schlagen Alarm wegen der Zerstörung lange erhaltener Lebensräume, insbesondere da seit Ende Mai Bagger und schwere Maschinen beobachtet wurden, die Land unter Kiefern roden und Zäune im Naturschutzgebiet installieren. Kritiker weisen darauf hin, dass die Rodung bereits innerhalb eines Naturschutzgebiets begonnen hat, obwohl der Premierminister einräumt, dass eine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung noch nicht begonnen hat.

Auf die Frage, ob er möglicherweise von dem Projekt zurücktreten würde, antwortete Rama trotzig: ‚Zurücktreten wovon?‘ Er charakterisierte Umweltbedenken als ‚Fehlinformation‘ und behauptete, die Entwicklung werde Albanien von einem übersehenen Land zu einem Land machen, das ‚großes Kapital‘ und bedeutende Investitionen anzieht.

Brüssel spricht eine Warnung aus

Die Europäische Kommission hat Albanien aufgefordert, unverzüglich zu handeln, um die Übereinstimmung mit EU-Umweltgesetzen sicherzustellen, wenn Tirana seinen Beitrittsprozess fortsetzen möchte. Ein Kommissionssprecher, Guillaume Mercier, erklärte, Albanien müsse Maßnahmen unterlassen, die die Erfüllung der abschließenden Benchmark gefährden könnten. ‚Wir stehen zu diesem Thema im Kontakt mit den albanischen Behörden‘, fügte Mercier hinzu. Die EU hat angedeutet, dass sie bis 2030 neue Mitglieder, darunter Montenegro, Albanien und die Ukraine, aufnehmen könnte, dies hängt jedoch von der Übereinstimmung mit dem aktuellen EU-Recht ab, auch in Umweltfragen.

Rama wies die Bedenken der Kommission zurück. ‚Wir sind sehr stolz auf das, was wir für die Tierwelt in Albanien getan haben. Die Europäische Kommission hat keinen Grund, an unserem festen Willen zu zweifeln, das zu schützen, was in Bezug auf Tierwelt und Natur geschützt werden muss‘, sagte er. Der Premierminister merkte auch an, dass die Änderungen der Regierung von 2024 am Gesetz über Schutzgebiete und am Gesetz über strategische Investitionen unter die Lupe der EU genommen wurden. Er erklärte, das Gesetz über strategische Investitionen werde auslaufen, da es ‚seine Mission erfüllt‘ habe, während er seine Rolle bei der Anziehung von Kapital verteidigte.

Ermittlungen und politische Folgen

Die albanische Anti-Korruptionsbehörde hat eine Untersuchung des Projekts eingeleitet, wobei widersprüchliche Behauptungen über die Privatisierung des Landes aufkamen, das die Regierung als in Privatbesitz befindlich bezeichnet. Die Proteste haben sich zu einer breiteren Demonstration gegen Ramas 13-jährige Amtszeit entwickelt. In einem angespannten zweistündigen Austausch mit einer Gruppe europäischer Medienjournalisten verteidigte der Premierminister seine Bilanz und äußerte ‚Frustration‘ über die vorherrschende Erzählung, die ihm vorwirft, Umweltstandards zu opfern, um ausländische Investitionen anzuziehen.

Schlüsselereignisse in der Kontroverse um das Kushner-verknüpfte Albanien-Resort
  1. Die albanische Regierung ändert das Gesetz über Schutzgebiete und das Gesetz über strategische Investitionen, die später von der EU geprüft werden.
  2. Jared Kushner spricht Edi Rama bei einem Treffen in Davos an und bekundet Interesse an einer Investition in Albanien.
  3. Bagger und schwere Maschinen werden beim Roden von Land und Installieren von Zäunen im Naturschutzgebiet Vjosa-Narta beobachtet.
  4. Premierminister Edi Rama teilt Reuters mit, dass Albanien trotz Protesten grünes Licht für das Luxusresort geben wird.
  5. Die Europäische Kommission fordert Albanien auf, sich an EU-Umweltrecht anzupassen; die Anti-Korruptionsbehörde leitet eine Untersuchung ein.

Rama bestand darauf, dass keine umweltschädigende Operation durchgeführt werden könne, da sie europäische Standards respektieren müsse. ‚Heute im Tourismussektor kann man nicht wettbewerbsfähig sein, wenn man die Natur vernachlässigt. Deshalb werde ich wütend, wenn ich Leute sehe, die nicht verstehen, dass es eine positive Sache ist, 4 Milliarden Euro nach Albanien zu bringen und etwas Außergewöhnliches zu schaffen, das genau auf der Natur als Grundelement basiert‘, argumentierte er. Affinity Partners reagierte nicht auf Anfragen von Reuters um Stellungnahme.

Tirana · Insel Sazan · Zvernec

5 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Bandar Abbas · Sirik · Qeschm · Maskat