
AfD startet Berliner Wahlkampf mit Angriffen auf Bürgermeister wegen 'Tennisgate'
Berlins AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker hat den Wahlkampf ihrer Partei für die Landtagswahl im September mit scharfen persönlichen Angriffen auf Regierenden Bürgermeister Kai Wegner gestartet und dabei auf den Stromausfall im Januar sowie sein Tennisspiel, das als 'Tennisgate' bekannt wurde, Bezug genommen.
Scharfe Angriffe auf den Amtsinhaber
AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker eröffnete die Kundgebung mit einem direkten Angriff auf den CDU-Bürgermeister Kai Wegner und warf ihm Inkompetenz und Unehrlichkeit vor. Sie sagte zu den Unterstützern: „Die politischen Fehler der vergangenen Jahre sind nicht mehr verzeihbar. Und Kai Wegner, der immer noch im Rathaus hinter uns sitzt, ist das Paradebeispiel für diesen (politischen und menschlichen) Verfall.“ Brinker verwies ausdrücklich auf den Stromausfall im Januar im Südwesten Berlins, als Wegner eine Stunde Tennis spielte, anstatt betroffene Bürger zu besuchen, und die Tatsache zunächst verschwieg. „Das ganze Land lacht über Tennisgate“, sagte sie.
Das ganze Land lacht über Tennisgate.
Der Bundesvorsitzende der AfD, Tino Chrupalla, schloss sich der Kritik an, bezeichnete Wegner als Pfuscher und forderte seinen Rücktritt. „Wir werden dieses Rote Rathaus zum ersten Mal blau machen“, sagte Chrupalla der Menge und griff damit den Anspruch der Partei auf das Bürgermeisteramt auf.
Wir werden dieses Rote Rathaus zum ersten Mal blau machen.
Der Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, zeigte sich zuversichtlich über den Kurs der Partei und sagte, ein Erfolg in Berlin würde signalisieren, dass die AfD überall gewinnen könne.
Kundgebungsbeteiligung und Sicherheit
Die Berliner Polizei zählte etwa 600 AfD-Anhänger bei der Kundgebung, deutlich weniger als die 1.000 Teilnehmer, die die Partei angemeldet hatte. Viele schwenkten Deutschlandflaggen. Die Veranstaltung verlief weitgehend friedlich, aber etwa 200 Gegendemonstranten versammelten sich in der Nähe, darunter Gruppen von Antifa bis 'Omas gegen Rechts'. Die Polizei setzte rund 540 Beamte ein und trennte die gegnerischen Seiten mit Absperrungen. Zu den Gegenprotesten gehörte eine Mobilisierung der Grünen unter dem Motto 'Berlin, bunt, stark' sowie eine propalästinensische Gruppe, die ein sofortiges AfD-Verbot forderte. Von der Gegenseite waren Rufe wie 'Nazis raus!' zu hören.
- AfD-Anhänger
- 600 Personen
- Gegendemonstranten
- 200 Personen
- Polizeibeamte
- 540 Personen
Positionen und erhitzte Rhetorik
Brinker kritisierte die Bilanz der CDU in der Wirtschaftspolitik und die Zahl der Einbürgerungen, die sie als viel zu hoch bezeichnete. Mit Blick auf die innere Sicherheit verwies sie auf Messer- und Schusswaffenangriffe in Berlin und forderte ein Ende der langen Gerichtsstaus und dessen, was sie als 'kuschelige Justiz' bezeichnete. Sie sagte auch, dass nichtdeutsche Straftäter das Land so schnell wie möglich verlassen müssten.
Die radikalste Sprache kam von Dennis Hohloch, dem parlamentarischen Geschäftsführer der Brandenburger AfD-Fraktion. „Wir müssen Millionen abschieben“, rief er von der Bühne, obwohl offizielle Daten die Zahl der Menschen, die Deutschland rechtmäßig verlassen müssen, auf etwa 230.000 beziffern.
Wir müssen Millionen abschieben.
Wahlrisiken
Berlin hält am 20. September 2026 die nächste Wahl zum Abgeordnetenhaus ab. Bei der Wahl 2023 erreichte die AfD 9,1%. Aktuelle Umfragen sehen die Partei bei 17 oder 18 Prozent, was sie hinter der CDU (19-22%) und vor Grünen, Linken und SPD platziert. Chrupalla sagte, die 20-Prozent-Marke sei in Reichweite, während Brinker den Unterstützern sagte: „Hier in Berlin wollen wir die stärkste Kraft werden (und wir werden es schaffen).“ Die Mischung aus persönlichen Angriffen, Anti-Einwanderungs-Appellen und Versprechen, die von der CDU geführte Stadtregierung rückgängig zu machen, gab den Ton für einen Wahlkampf vor, der die politische Landschaft der Hauptstadt auf die Probe stellen wird.

