
Tausende protestieren in Erfurt gegen AfD-Parteitag am Jahrestag der NSDAP-Versammlung
Tausende Demonstranten blockierten am Samstag Straßen und Autobahnen in Erfurt, während die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) ihren jährlichen Bundesparteitag begann, der auf den 100. Jahrestag einer NSDAP-Kundgebung in der Nähe fällt.
Proteste und Blockaden
Tausende Demonstranten versammelten sich in Erfurt, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 15.000 bis 20.000. Über 200 Busse brachten Demonstranten aus ganz Deutschland. Die Protestierenden blockierten die A71 in der Nähe des Erfurter Kreuzes und zeigten Transparente mit der Aufschrift „Keinen Frieden mit der AfD“. Die Autobahnblockade führte zu vorübergehenden Einschränkungen zwischen Halle und Suhl, die A4 blieb jedoch unbeeinträchtigt. Die Marschierenden besetzten auch wichtige Straßen und Plätze, darunter den Gothaer Platz, wo sich mehr als 1.000 Menschen versammelten. Die Polizei meldete kleinere Zwischenfälle, darunter Pyrotechnik und Farbangriffe auf ein AfD-Büro und Beamte auf einer südlichen Allee, die Demonstrationen verliefen jedoch weitgehend friedlich.
Rechtsstreit um Demonstrationsverbote
Die Polizei hatte Demonstrationen auf mehreren Zufahrtswegen zum Tagungsort verboten, nachdem die Stadt Erfurt gegen eine gerichtliche Aufhebung der Beschränkungen Berufung eingelegt hatte. Das Verwaltungsgericht Weimar gab zunächst einem lokalen Grünen-Politiker Recht, der das Verbot angefochten hatte, doch das Oberverwaltungsgericht verhandelt nun die Berufung. Die Behörden erklären, das Verbot bleibe bis zur Entscheidung in Kraft. Trotz der rechtlichen Unsicherheit führten die Demonstranten ihre Blockaden durch, und die Polizei setzte das Verbot gegenüber den versammelten Menschenmengen nicht sofort durch.
AfD-Parteitag findet statt
Der AfD-Bundesparteitag begann planmäßig um 10:00 Uhr Ortszeit. Bis 7:30 Uhr waren bereits 540 der rund 600 Delegierten in der Messehalle eingetroffen, viele von ihnen von Polizeibussen durch die Proteste eskortiert. Die Partei will die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla für weitere zwei Jahre wiederwählen und Geschlossenheit vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt in diesem Herbst demonstrieren, bei denen die AfD erstmals eine Landesregierung anführen möchte.
Sie protestieren gegen den demokratischen Entscheidungsprozess. Ich denke, sie sind die Einzigen, die die Demokratie für sich beanspruchen.
Kontroverse um NS-Jahrestag
Der Parteitag steht wegen seines Datums unter besonderer Beobachtung: Er fällt auf den 100. Jahrestag einer NSDAP-Versammlung bei Weimar, die Adolf Hitlers Macht festigte. Historiker und politische Gegner bezeichnen den Zeitpunkt als stark symbolträchtig, ein Vorwurf, den die AfD als Zufall zurückweist. Oberbürgermeister Andreas Horn rief zur Besonnenheit auf und erklärte, dass die Meinungsäußerung zwar legitim sei, Gewalt und Vandalismus jedoch nicht.
Die Meinungsäußerung ist legitim … Gewalt und Vandalismus sind es nicht.
Politischer Kontext
Die AfD ist nach ihrem besten Nachkriegsergebnis bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr zur größten Oppositionspartei Deutschlands geworden. Sie führt nun die nationalen Umfragen an, angetrieben von der Unzufriedenheit der Wähler über wirtschaftliche Stagnation und Migration. Die Partei konzentriert sich auf die Landtagswahl im Herbst in Sachsen-Anhalt, wo sie möglicherweise eine Landesregierung bilden könnte. Die Proteste spiegeln die tiefe Polarisierung wider, die die Partei weiterhin erzeugt, auch wenn ihr politischer Einfluss wächst.
- 540 von 600 Delegierten bereits am Veranstaltungsort
- Demonstranten blockieren Autobahn A71
- 15.000 marschieren durch Erfurt
- Parteitag beginnt planmäßig
- Kleinere Zwischenfälle gemeldet, darunter Farbangriffe auf AfD-Büro


