
AfD-Abgeordneter Reichardt bestreitet Hitlergruß: Foto von 2020 erschüttert Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
Ein Foto aus dem Jahr 2020, das den AfD-Abgeordneten Martin Reichardt mit erhobenem linken Arm zeigt, hat Vorwürfe eines Hitlergrußes ausgelöst. Er bestreitet dies und spricht von einer „humorvollen Ritter-Schläger-Zeremonie“.
Das Foto und die Vorwürfe
Ein bisher unveröffentlichtes Foto vom 7. Juni 2020, das der POLITICO-Podcast „Inside AfD“ erhalten hat, zeigt Martin Reichardt, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt und Mitglied des Bundestages, mit erhobenem linken Arm und ausgestreckter Hand, während er lächelt. Das Bild entstand bei einem Grillfest auf dem Grundstück des AfD-Politikers Jan Wenzel Schmidt. Zwei anonyme Zeugen sagten dem Podcast, die Geste sei als Hitlergruß gemeint gewesen, und der kniende Mann auf dem Foto, der Arzt und Verschwörungstheoretiker Markus Motschmann, habe Reichardt mit „Mein Führer“ angesprochen, während er ihm seinen AfD-Mitgliedsantrag überreichte. Motschmann bestreitet, diese Formulierung verwendet zu haben, bestätigt aber die Echtheit des Fotos.
Es war kein Hitlergruß. Es war eine humorvolle Ritter-Schläger-Zeremonie, die wir für Kollegen Motschmann durchgeführt haben.
Reichardt besteht darauf, dass die Geste Teil einer scherzhaften Ritterschlag-Zeremonie war, da Motschmanns Parteimitgliedsantrag abgelehnt worden war. Die Recherchen des Podcasts weisen jedoch darauf hin, dass das Foto am Tag der Antragstellung aufgenommen wurde, während die Ablehnungen Monate später erfolgten. Der Hitlergruß ist in Deutschland illegal, selbst wenn er mit der linken Hand ausgeführt wird.
Politische Folgen und Rücktrittsforderungen
Die Veröffentlichung des Fotos, zehn Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026, hat scharfe Reaktionen anderer Parteien hervorgerufen. Der CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsident Sven Schulze forderte den Spitzenkandidaten der AfD, Ulrich Siegmund, zum Eingreifen auf und erklärte, Reichardt und der Landesvize Hans-Thomas Tillschneider, der ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist, müssten ausgeschlossen werden.
Ein Hitlergruß ist ein Bekenntnis, kein Ausrutscher. Tillschneider und Reichardt müssen als unerträglich ausgeschlossen werden. Alles andere ist nicht nur Duldung, sondern Zustimmung und ein Nazi-Bekenntnis.
Auch die grüne Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz forderte Reichardts Rücktritt und bezeichnete die Geste als „keinen Ausrutscher und keinen schlechten Scherz“. Die AfD hat die Kontroverse jedoch als Kampagne gegen die Partei abgetan und bestätigt, dass Reichardt auf dem Parteitag im Juli in Magdeburg erneut für den Landesvorsitz kandidieren wird.
Reichardts Rolle und die rechtsextremen Verbindungen der Partei
Der 56-jährige Martin Reichardt führt die AfD in Sachsen-Anhalt seit 2018, einen Landesverband, der vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird. Der ehemalige Bundeswehroffizier und frühere Anhänger der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Strömung „Der Flügel“ um Björn Höcke ist für scharfe Rhetorik bekannt und bezeichnete Journalisten einst als „linksgerichtete Lohndrohnen“. Anfang des Jahres sah er sich einem Vetternwirtschaftsskandal ausgesetzt, bei dem Familienangehörige in seinem Parlamentsbüro beschäftigt waren. Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne sagte dem Tagesspiegel, dass AfD-Figuren „Signale ins rechtsextreme Lager senden und sich distanzieren, wenn sie kritisiert werden“, und fügte hinzu, dass die ostdeutschen Landesverbände der Partei deren Radikalisierung vorangetrieben hätten.
- Foto aufgenommen bei einem Grillfest auf dem Grundstück des AfD-Politikers Jan Wenzel Schmidt in Sachsen-Anhalt.
- POLITICO-Podcast „Inside AfD“ veröffentlicht das Foto; Reichardt bestreitet Hitlergruß; CDU und Grüne fordern Rücktritt.
- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Wahlkontext
Der Skandal trifft die AfD in einer Phase, in der sie in Umfragen zur Sachsen-Anhalt-Wahl weit vorne liegt. Die Partei plant, auf dem Juli-Parteitag ihr 100-Tage-Programm zu verabschieden und strebt eine Alleinregierung an. Ob das Foto dieser Ambition schadet, bleibt unklar, doch die äußerliche Gelassenheit der Partei deutet darauf hin, dass sie damit rechnet, dass die Kontroverse bald abklingen wird.


