Gelsenkirchener Stadtrat setzt AfD-Bürgermeister nach rassistischem „Putz-Video“ ab
Norbert Emmerich verlor sein Amt als zweiter Bürgermeister am Donnerstag in einer geheimen Abstimmung, wobei 47 Ratsmitglieder seine Abwahl wegen seiner Beteiligung an einer entwürdigenden Straßenreinigungsaktion gegen Migranten unterstützten.
Die Abstimmung
Der Gelsenkirchener Stadtrat stimmte mit 47 zu 18 in geheimer Wahl für die Abwahl von Norbert Emmerich (AfD) als zweitem Bürgermeister. Der Antrag wurde von SPD, CDU, Grünen und FDP eingebracht und ohne Aussprache angenommen. Ein Stadtsprecher bestätigte das Ergebnis und wies darauf hin, dass zwei AfD-Ratsmitglieder abwesend waren. Der Vier-Parteien-Block verfügte über 37 Sitze, weit unter der erforderlichen Mehrheit von 45 Stimmen, doch die endgültige Zahl übertraf die Schwelle.
Mit dieser Abwahl ziehen wir die notwendigen politischen Konsequenzen und machen deutlich, dass wir unmenschliche Übergriffe nicht akzeptieren.
Hintergrund: das „Putz-Video“
Emmerichs Abwahl geht auf eine AfD-Kampagne zurück, bei der ein weibliches Parteimitglied Bewohner eines Stadtteils mit hohem Migrantenanteil aggressiv aufforderte, die Straße und den Gehweg zu reinigen. Die Partei filmte die Aktion und veröffentlichte das Material in den sozialen Medien, begleitet von Beschwerden über Schmutz in der Stadt. Ein breites Bündnis von Bürgern, darunter der frühere Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) und Kirchenvertreter, verurteilte die Aktion als entwürdigend und rassistisch und forderte Emmerich zum Rücktritt von seinem repräsentativen Amt auf.
Politischer Kontext
Die AfD hat 20 Sitze im 66-köpfigen Rat. Die drei anderen Parteien hatten Emmerichs Abwahl öffentlich unterstützt, doch die geheime Abstimmung erlaubte es Mitgliedern anderer Gruppen, aus der Reihe zu tanzen. Die endgültigen 47 Stimmen deuten darauf hin, dass einige AfD-Ratsmitglieder übergewechselt sein könnten oder dass Unabhängige sich der Mehrheit anschlossen.
Reaktion des Bürgerbündnisses
Frank Baranowski, Gelsenkirchens früherer Oberbürgermeister und eine führende Stimme in der Protestgruppe, hatte ursprünglich Emmerichs Rücktritt gefordert. Nach der Abstimmung begrüßte das Bürgerbündnis die Entscheidung und wertete sie als Ablehnung rassistischer Mobilisierung in den Reihen der Stadt. Emmerich hat sich bisher nicht zu dem Ergebnis geäußert.


