
AfD stellt 100-Tage-Plan für Sachsen-Anhalt vor – Kürzungen beim Rundfunk und schärfere Asylregeln geplant
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund legte auf einem Parteitag in Magdeburg zehn Sofortmaßnahmen vor, während Landeschef Martin Reichardt CDU-Ministerpräsident Sven Schulze vorwarf, auf linke Stimmen angewiesen zu sein.
Wahlkampfauftakt in Magdeburg
Neun Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt präsentierte die AfD ein 100-Tage-Programm für eine mögliche Alleinregierung. Auf einem Parteitag in der Magdeburger Hyparschale versammelten sich am Samstag rund 250 Mitglieder vor einer Bühne, flankiert von acht Deutschlandflaggen und zwei Flaggen Sachsen-Anhalts. Landeschef Martin Reichardt rief zu „donnerndem Applaus“ für Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf und bezeichnete die Versammlung als „den Parteitag vor unserer Regierungsübernahme“.
Unsere historische Aufgabe ist es, diese Mehrheit von Deutschlandhassern und machthungrigen Unionsspießern zu verhindern.
Die AfD liegt in Umfragen bei über 40 Prozent und könnte eine absolute Mehrheit der Sitze gewinnen. Sollte keine Partei eine eigene Mehrheit erreichen, gilt eine von der CDU geführte Minderheitsregierung, die auf gelegentliche Zusammenarbeit mit der Linken angewiesen ist, als ein in der Berichterstattung genanntes Alternativszenario.
Das Zehn-Punkte-Programm
Siegmund sagte, die Partei habe „konkrete Lösungen“ auf rund 150 Seiten skizziert, zusammengefasst in einem Flyer mit zehn Sofortmaßnahmen. Er sagte zu den Delegierten: „Ganz Deutschland schaut positiv auf diese Wahl“ und warf anderen Parteien vor, keine eigenen Positionen zu haben.
Die Menschen wollen politischen Wandel. Alle anderen Parteien beschäftigen sich nur mit uns, sie haben keine eigenen Positionen.
Die zehn Punkte umfassen die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, die Schaffung weiterer Abschiebehaftplätze, die Einrichtung einer neuen Arbeitsgruppe von Landes- und Kommunalbehörden zur Beschleunigung von Abschiebungen sowie die Einführung einer allgemeinen Arbeitspflicht für Asylbewerber. Der Plan sieht außerdem vor, die Mittel für parteinahe Stiftungen und Demokratieförderprogramme zu kürzen und gleichzeitig eine Führerscheinförderung insbesondere für Auszubildende aufzulegen.
Schulen, Symbole und Ministerien
Drei der zehn Maßnahmen konzentrieren sich auf Bildung und Symbole. Die AfD würde eigene Klassen für Kinder von Asylbewerbern einrichten und Sicherheitskräfte an Problemschulen einsetzen. Regenbogenflaggen wären in Schulgebäuden verboten; stattdessen sollte an jedem Schultag die deutsche Bundesflagge wehen. Der bisherige Landesslogan „#moderndenken“ würde durch „#deutschdenken“ ersetzt. Zur Regierungsstruktur sagte Siegmund, er würde ein bis zwei Ministerien abschaffen. Zudem solle im Landtag ein Corona-Untersuchungsausschuss eingerichtet werden, um die Pandemiebekämpfung zu überprüfen.
Reichardts Angriff auf die CDU
Reichardt eröffnete den Parteitag mit einem scharfen Angriff auf Ministerpräsident Sven Schulze. Er warf dem CDU-Chef vor zu lügen, wenn dieser eine Zusammenarbeit mit der Linken ausschließt, und argumentierte, Schulze „habe ohne die Linke überhaupt keine Chance auf eine Mehrheit“. Reichardt bezeichnete Schulzes Regierung als „pseudokonservatives Regime, das an den Fäden linker Extremisten hängt“. Er beschrieb die CDU-Mitglieder als „machthungrige Unionsspießer“ und stellte die Verhinderung einer erneuten Koalition aus CDU, SPD und FDP als historische Aufgabe dar.
Wahlkontext
Die Landtagswahl findet am 6. September 2026 statt. Die derzeitige Koalition aus CDU, SPD und FDP könnte ihre Mehrheit verlieren. Die AfD, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, hat in Sachsen-Anhalt rund 3.500 Mitglieder. Der 35-jährige Siegmund führt die Partei mit dem erklärten Ziel in die Wahl, allein zu regieren. Siegmund griff auch die Medien an, sprach von einer „abgehobenen Medienlandschaft“ und stellte mit Genugtuung fest, dass das investigative Portal Correctiv erstmals auf dem Parteitag vertreten war.
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