
AfD präsentiert 100-Tage-Plan für Sachsen-Anhalt: Ausstieg aus öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Abschiebe-Offensive und Streben nach absoluter Mehrheit
Zwei Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September hat die rechtsextreme AfD zehn Sofortmaßnahmen für den Fall einer Machtübernahme aufgelistet, darunter den Ausstieg aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Hochskalierung von Abschiebungen.
Der 100-Tage-Fahrplan
Auf einem Parteitag in der Magdeburger Hyparschale präsentierte der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund am Samstag ein 100-Tage-Programm und versprach, dass ein Sieg bei der Landtagswahl am 6. September der Partei ermöglichen werde, „Geschichte zu schreiben“ und „das Land auf den Kopf zu stellen“. Der Zehn-Punkte-Plan, den der Verfassungsschutz als die verdichtete Version eines völkisch-autoritären Programms beschreibt, würde Sachsen-Anhalt aus dem deutschen Staatsvertrag über den Rundfunk herausführen, den Abschiebegewahrsam drastisch ausweiten, eine Arbeitspflicht für alle Asylbewerber einführen und Regenbogenflaggen durch tägliches Hissen der Bundesflagge an Schulen ersetzen. Auch die Umbenennung der Landeskampagne von „#moderndenken“ in „#deutschdenken“ steht auf der Liste.
Die Menschen wollen einen politischen Wechsel. Alle anderen Parteien beschäftigen sich nur mit uns und haben keine eigenen Positionen. Wir geben den Ton an.
- Der AfD-Landesverband verabschiedet ein vollständiges Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt.
- AfD präsentiert 100-Tage-Plan und wählt Führungsspitze beim Magdeburger Parteitag wieder.
- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt; AfD strebt absolute Mehrheit an.
Umfragen und die Arithmetik der Macht
Eine MDR-Umfrage vom Mai sah die AfD bei 41 Prozent, weit vor CDU-Ministerpräsident Sven Schulze mit 26 Prozent. Die derzeitige Dreierkoalition aus CDU, SPD und FDP könnte ihre Mehrheit verlieren, und die AfD strebt explizit eine absolute Mehrheit an. Sollte dies scheitern, gilt eine von der CDU geführte Minderheitsregierung, die bei einzelnen Abstimmungen mit der Linken zusammenarbeitet, als die einzig andere realistische Option.
- CDU
- 26 %
- AfD
- 41 %
Verfassungsrechtliche rote Linien
Mehrere Vorschläge stoßen auf rechtliche Hürden. Der Ausstieg aus dem Rundfunkstaatsvertrag unterliegt einer zweijährigen Kündigungsfrist und kann die verfassungsrechtliche Verpflichtung zur Bereitstellung öffentlich-rechtlicher Programme nicht außer Kraft setzen. Dauerhafte getrennte Schulklassen für Kinder von Asylbewerbern wären nach einem kürzlich veröffentlichten Rechtsgutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte verfassungswidrig. Das eigene Programm der Partei räumt ein, dass die Rundfunkgebühren nicht über Nacht verschwinden würden.
Eine eingeschworene Partei
Die AfD Sachsen-Anhalt, von den Landesbehörden als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft, nutzte den Parteitag, um ihre Führung wiederzuwählen. Landeschef Martin Reichardt erhielt 89 Prozent der Delegiertenstimmen, seine Stellvertreter Hans-Thomas Tillschneider und Oliver Kirchner 86 bzw. 90 Prozent, während der neue Generalsekretär Tobias Rausch 80 Prozent erreichte (175 Ja, 44 Nein, 4 Enthaltungen). Mit rund 3.500 Mitgliedern sieht sich der Landesverband nun als „gut geölte Hochleistungsmaschine“.
Wir sind eine gut geölte Hochleistungsmaschine.
Angriffe auf die CDU
Zum Auftakt der Versammlung warf Reichardt Schulze vor, jedes Mal zu lügen, wenn er eine Zusammenarbeit mit der Linken ausschließe. „Ohne die Linke hat Herr Schulze überhaupt keine Chance auf eine Mehrheit“, sagte er und nannte den Amtsinhaber eine Galionsfigur einer „pseudokonservativen Regierung, die an den Strippen linker Extremisten tanzt“. Diese Konstellation zu verhindern, so Reichardt, sei die historische Aufgabe der AfD.


