
Ärzte fordern Bundesrat zur Blockade des Krankenkassen-Sparpakets auf – Bundestag bereitet Abstimmung vor
Während der Bundestag die Abstimmung über ein umstrittenes Krankenkassen-Sparpaket vorbereitet, fordert der Deutsche Hausärzteverband den Bundesrat auf, das Gesetz zu stoppen, und warnt vor einem „Fiasko“ für die Patientenversorgung.
Gesetzgebungsverfahren und die Reform
Der Bundestag stimmt am Freitag über das Krankenkassen-Sparpaket der schwarz-roten Koalition ab. Die Reform soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 von stark steigenden Kosten entlasten und neue Beitragserhöhungen verhindern. Sie sieht Ausgabenbegrenzungen für Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und die Pharmaindustrie vor, erhöht gleichzeitig die Zuzahlungen für Arzneimittel und schränkt die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern ein. Das Paket wurde beschlossen, nachdem das Bundesverfassungsgericht am Donnerstag Eilanträge zweier Oppositionsabgeordneter gegen das Gesetzgebungsverfahren abgelehnt hatte.
Heftiger Widerstand der Ärzteschaft
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat den Plan scharf verurteilt. Seine Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth rief die Länder zum Eingreifen auf: „Spätestens der Bundesrat muss diese Irrfahrt stoppen.“
Wenn das Spargesetz wie geplant kommt, ist das ein glattes Fiasko für die Hausarztpraxen und ihre Patienten.
Sie warnte, die Reform werde die „Patientenversorgung spürbar verschlechtern“, und sagte längere Wartezeiten, weniger Behandlungszeit und den Abbau der wohnortnahen Versorgung voraus. Der Verband bezeichnete die Maßnahmen als „Kahlschlag“ der hausärztlichen Infrastruktur.
Verfassungsgericht räumt Weg frei
Am Donnerstag (9. Juli) wies das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Eilanträge des grünen Gesundheitsexperten Janosch Dahmen und des Linken-Politikers Ates Gürpinar ab. Sie hatten das Gesetzgebungsverfahren angefochten, nachdem die Regierungsfraktionen in letzter Minute weitreichende Änderungen auf 278 Seiten eingebracht hatten. Dahmen erklärte, er respektiere das Urteil, während Gürpinar meinte, die „katastrophale Gesundheitsreform“ bleibe schlecht gemacht. Die Entscheidung räumte das letzte rechtliche Hindernis vor der Bundestagsabstimmung aus dem Weg.
- Bundesverfassungsgericht weist Eilanträge gegen das Gesetzgebungsverfahren zurück.
- Bundestag stimmt über das Krankenkassen-Sparpaket ab.
- Bundesrat kann das Gesetz prüfen; er könnte es blockieren oder den Vermittlungsausschuss anrufen.
Maßnahmen mit Auswirkungen auf Patienten und Ärzte
Das Paket begrenzt Honorarsteigerungen im gesamten Gesundheitswesen und erhöht den Herstellerabschlag für Pharmaunternehmen auf 15,5 Prozent. Für Patienten steigen die Zuzahlungen für Arzneimittel, und die bisher beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern wird nun beitragspflichtig – reduziert von ursprünglich 3,5 auf 2,5 Prozent. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat zugesagt, einen Milliardenbeitrag von einer Milliarde Euro (statt bisher 250 Millionen Euro) zur Deckung der Kosten für Grundsicherungsempfänger zu leisten.
Ein weiterer Streitpunkt ist die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang nannte die Regelung eine „Schnapsidee“ und argumentierte, die Praktiker erwarteten, dass sie die Krankheitstage eher erhöhen als senken werde.
Zugeständnisse und ungewisses Schicksal im Bundesrat
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) räumte die Belastung ein, die die Reform für die Beteiligten darstellt, und sagte: „Ja, es ist eine Zumutung.“ Sie betonte jedoch, dass das System ohne das Paket vor dem Zusammenbruch stünde. Während eine Mehrheit im Bundestag als sicher gilt, erhöhen Gegner nun den Druck auf die Länder. Nach der Bundestagsabstimmung könnte der Bundesrat das Gesetz entweder direkt blockieren oder an den Vermittlungsausschuss verweisen. Es bleibt unklar, ob die Länder den Gesetzentwurf überhaupt auf die Tagesordnung ihrer abschließenden Beratung am Freitag setzen werden.
Ja, es ist eine Zumutung. Aber wenn wir die derzeitige Ausgabendynamik beibehalten, steuern wir früher oder später auf einen Systemkollaps zu.

