
Französischer Abgeordneter Sébastien Delogu nach Auseinandersetzung mit Polizei in Marseille aus Gewahrsam entlassen
Der französische Abgeordnete Sébastien Delogu wurde am späten Donnerstagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen, nachdem er zu einer Auseinandersetzung mit drei Zivilbeamten der Polizei in seinem Wohnhaus in Marseille befragt worden war.
Gewahrsam und Freilassung in Marseille
Am 27. August 2026 wurde der französische Abgeordnete Sébastien Delogu von La France Insoumise im Rahmen einer von der Staatsanwaltschaft Marseille angeordneten Untersuchung in Polizeigewahrsam genommen. Delogu, der als Abgeordneter der Nationalversammlung das Département Bouches-du-Rhône vertritt, traf um 14:00 Uhr zusammen mit seinem Verteidiger Yones Taguelmint am Hauptkommissariat Évêché in Marseille ein. Die Justizbehörden befragten den Abgeordneten zu einer körperlichen und verbalen Auseinandersetzung mit drei Polizeibeamten, die sich Anfang der Woche ereignet hatte. Die Staatsanwaltschaft Marseille bestätigte, dass die Festnahme im Rahmen einer flagranti-Untersuchung wegen Verächtlichmachung von Amtsträgern erfolgte. Kurz vor 23:00 Uhr am Donnerstag wurde der Polizeigewahrsam aufgehoben. Delogu und Taguelmint verließen das Polizeigebäude durch einen Seiteneingang und stiegen in ein Taxi, ohne vor den wartenden Reportern eine Stellungnahme abzugeben.
Der Polizeigewahrsam ist aufgehoben. Wir werden heute Abend keine Stellungnahme abgeben.
Ursprung des Streits im Treppenhaus
Die strafrechtlichen Ermittlungen gehen auf eine Auseinandersetzung am Montag, den 24. August 2026, in dem Wohnhaus zurück, in dem Delogu in Marseille lebt. Drei Zivilbeamte der Polizei waren zu dem Grundstück gekommen, um einen Verdächtigen festzunehmen, der im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Uhrendiebstahl gesucht wurde. Die Beamten führten die Aktion durch und nahmen den Gesuchten in einer Wohnung fest, die sich gegenüber von Delogus Privatwohnung im selben Treppenhaus befindet. Die französische Verfassung sieht vor, dass Abgeordnete ohne vorherige Genehmigung des Büros ihrer Kammer weder in Haft genommen noch mit freiheitsentziehenden Maßnahmen belegt werden dürfen; gesetzliche Ausnahmen bestehen für rechtskräftige Verurteilungen und flagrante Straftaten.
- Auseinandersetzung zwischen Delogu und Zivilbeamten an seiner Wohnadresse in Marseille
- Innenminister Laurent Nuñez bekundet auf X Unterstützung für die Polizei
- Delogu trifft am Hauptkommissariat Évêché ein und wird in Gewahrsam genommen
- Polizeigewahrsam wird aufgehoben, Delogu verlässt das Kommissariat mit dem Taxi
Schilderung des Abgeordneten
Die Darstellungen der Auseinandersetzung zwischen dem Abgeordneten und den Beamten vor Ort gehen auseinander. Delogu erklärte gegenüber Reportern, er sei nach Hause zurückgekehrt und habe im Begriff gewesen, eine Wohnungstür zu schließen, die offen gestanden hatte, als eine ihm unbekannte Person in Zivilkleidung verlangte, sie offen zu lassen. Delogu sagte, er habe die Aufforderung abgelehnt, weil er zuvor Drohungen erhalten hatte und die Person nicht erkannte.
Diese Leute sind mir bis nach Hause gefolgt, ich habe sie nach ihren Polizeimarken gefragt. Sie sind auf mich losgegangen und haben mich Taugenichts genannt.
Delogu erklärte, die drei Zivilbeamten hätten auf Aufforderung hin ihre Dienstmarken nicht gezeigt. Er beschuldigte die Beamten, ihn beleidigt, ihm gesagt zu haben, dass sein Atem rieche, und ihm gegen die Brust geschlagen zu haben. Nach dem Vorfall reichte Taguelmint namens Delogu Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Beleidigung und Körperverletzung ein, während der Abgeordnete Nachrichtenorganisationen teilweise Videoaufnahmen des Vorfalls im Treppenhaus zur Verfügung stellte.
Polizeiliche Anzeige und politische Reaktionen
In schriftlichen Polizeiberichten gaben die drei Beamten eine gegensätzliche Darstellung der Auseinandersetzung am Eingang. Die Beamten berichteten, Delogu habe ihnen während ihres Polizeieinsatzes körperlich den Zutritt zum Gebäude versperrt. Weiterhin behaupteten sie, der Abgeordnete habe sie auf dem Treppenabsatz verbal beleidigt, sie als erschöpft bezeichnet und einen einzelnen Beamten beschimpft. Die drei Beamten erstatteten Strafanzeige wegen Verächtlichmachung der Staatsgewalt. Am Mittwoch, den 26. August 2026, äußerte sich Innenminister Laurent Nuñez in einem Beitrag auf X zu dem Fall. Er drückte seine Unterstützung für die Polizeibeamten aus, merkte jedoch an, dass die laufenden Ermittlungen die genauen Umstände der Auseinandersetzung klären müssten.


