DLRG verzeichnet 99 Ertrinkungstote im Juni 2026, höchste Zahl seit Hitzesommer 2003
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zählte im Juni 2026 bundesweit 99 Ertrinkungsopfer, was dem Höchststand des extremen Sommers 2003 entspricht, als eine Hitzewelle die Menschen an Seen und Flüsse lockte.
Juni-Bilanz höchste seit 2003
Deutschland verzeichnete im Juni 2026 99 tödliche Ertrinkungsfälle, die höchste Zahl für diesen Monat seit mehr als zwei Jahrzehnten, wie die DLRG mitteilte. Das letzte Mal, dass der Juni mehr Todesfälle verzeichnete, war im extremen Hitzesommer 2003, als 107 Menschen ertranken. Die Bilanz von 2026 folgt auf einen ungewöhnlich heißen Juni, der die Menschen in Scharen an Seen, Flüsse und Schwimmbäder im ganzen Land lockte.
DLRG-Präsidentin Ute Vogt bezeichnete den Beginn der Badesaison als tragisch.
Der tragische Beginn der Badesaison gibt Anlass zur Befürchtung, dass weitere Hitzewellen im Hochsommer erneut vielen Menschen das Leben im Wasser kosten könnten.
Nordrhein-Westfalen und Bayern am stärksten betroffen
Zwei westliche Bundesländer waren für fast die Hälfte der Opfer verantwortlich. Nordrhein-Westfalen meldete 22 Ertrinkungsfälle, ein Anstieg von über 80 % gegenüber 12 im Juni 2025. Bayern folgte mit 21, nahezu unverändert gegenüber 22 im Vorjahr. Jeweils sechs Todesfälle gab es in Mecklenburg-Vorpommern (gegenüber zwei im Vorjahresjuni), Hessen (gegenüber vier) und Berlin (gegenüber drei). Sachsen verzeichnete drei, Brandenburg drei, Sachsen-Anhalt einen und Thüringen keinen.
- Nordrhein-Westfalen
- 22
- Bayern
- 21
- Berlin
- 6
- Mecklenburg-Vorpommern
- 6
- Hessen
- 6
- Sachsen
- 3
- Brandenburg
- 3
- Sachsen-Anhalt
- 1
- Thüringen
- 0
In NRW birgt der Rhein seit langem Risiken durch starke Strömungen und Sogwirkungen von Frachtschiffen. Nachdem 2024 zwölf Menschen im Fluss ums Leben kamen, verhängten mehrere Städte ab Mitte August 2025 ein Badeverbot. Verstöße werden mit Bußgeldern von bis zu 1.000 Euro geahndet. Ein Sprecher der DLRG Nordrhein sagte, es sei zu früh, um die Wirkung des Verbots zu beurteilen, da einige Schwimmer möglicherweise einfach auf unbewachte Seen ausweichen.
Junge Männer stellen fast alle Opfer
Die Demografie war deutlich: Über 90 % der Toten waren männlich, und bei den jüngeren Opfern waren alle männlich. Vierzig der Ertrunkenen waren 30 Jahre oder jünger, während 35 über 50 Jahre alt waren. In Berlin waren vier der sechs Opfer Teenager oder junge Erwachsene.
Wir appellieren insbesondere an Jungen und Männer, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und auf riskante Aktionen zu verzichten. Es gibt keinen Preis zu gewinnen in einem Badesee – aber Ihr Leben zu verlieren.
Seen und Flüsse fordern die meisten Todesopfer
Seen waren der tödlichste Ort mit 55 Todesfällen. Auf Flüsse entfielen 21 Todesfälle, während Schwimmbäder, das Meer und Kanäle jeweils sechs verzeichneten.
- Seen
- 55
- Flüsse
- 21
- Schwimmbäder
- 6
- Meer
- 6
- Kanäle
- 6
Übermut, Strömungen und Alkohol
Die Analyse der DLRG weist auf bekannte Muster hin: Schwimmer unterschätzen die Kraft der Strömungen und den Schock der Temperaturunterschiede, wenn sie überhitzt in kaltes Wasser springen. Schlechte Schwimmfähigkeiten, Übermut, Sprünge in flaches oder trübes Wasser sowie Vorerkrankungen spielten ebenfalls eine Rolle. Alkohol war in vielen Fällen ein Faktor, so die Organisation. In Brandenburg berichteten DLRG-Ehrenamtliche nach dem Hitzewochenende Ende Juni von zahlreichen hitzebedingten Kreislaufproblemen an Badeplätzen, obwohl es an diesen Tagen keine Ertrinkungsfälle gab.
DLRG mahnt zur Sicherheit, während der Sommer weitergeht
Mit Beginn der Schulferien in mehreren Bundesländern wiederholte die DLRG ihre wichtigsten Sicherheitshinweise: nur an bewachten Stellen baden, vor dem Eintauchen abkühlen, auf Alkohol und Drogen verzichten, Kinder beaufsichtigen, beim Paddeln oder Surfen eine Schwimmweste tragen, ausreichend Wasser trinken und unbekannte Strömungen meiden. Die Organisation hat rund 630.000 Mitglieder und betreibt in Berlin 26 Rettungswachen entlang der Havel und am Müggelsee, die von Mai bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen von Freiwilligen besetzt sind. Sie warnte, dass weitere Hitzewellen im Hochsommer die Zahl der Todesfälle in die Höhe treiben könnten, wenn die Vorsichtsmaßnahmen ignoriert werden.


