
Frankreich und Belgien beschlagnahmen 65,2 Mio. Euro von McKinsey in Steuerbetrugsermittlung
Die belgischen Behörden haben 65,2 Millionen Euro vom Beratungsriesen McKinsey and Company in Brüssel beschlagnahmt, nach einer Steuerbetrugsermittlung der französischen Finanzstaatsanwaltschaft (Parquet National Financier).
Grenzüberschreitende Vermögenssicherung
Die belgischen und französischen Justizbehörden gaben am Freitag, dem 4. September 2026, bekannt, dass Ermittler 65,2 Millionen Euro (etwa 75,5 Millionen Dollar) von der amerikanischen Managementberatung McKinsey and Company beschlagnahmt haben. Die Vermögenssicherung wurde am 19. August 2026 von der Brüsseler Staatsanwaltschaft über ihre Direktion für Internationale und Europäische Angelegenheiten vollstreckt. Laut einer gemeinsamen Erklärung der französischen Finanzstaatsanwaltschaft und der Brüsseler Generalstaatsanwaltschaft entspricht der sichergestellte Betrag 96 % des von den französischen Finanzrichtern geschätzten Steuerschadens. Die Finanzstaatsanwaltschaft ersuchte die belgischen Behörden im Rahmen internationaler Rechtshilfeabkommen um Unterstützung, nachdem sie Unternehmensvermögen über die Grenze hinweg verfolgt hatte. Die Operation schloss eine vierjährige grenzüberschreitende Finanzermittlung ab, die darauf abzielte, Gelder im Zusammenhang mit mutmaßlicher Steuerhinterziehung in Frankreich zu sichern.
Ursprung im Senatsuntersuchungsausschuss
Die französische Finanzstaatsanwaltschaft leitete die Vorermittlungen im März 2022 ein. Der Fall entwickelte sich im Anschluss an journalistische Recherchen und die Ergebnisse eines französischen Senatsuntersuchungsausschusses zum wachsenden Einfluss privater Beratungsfirmen auf die öffentliche Politik. Dieser parlamentarische Untersuchungsausschuss konzentrierte sich auf die Abhängigkeit der Ministerien von externen Beratern seit Emmanuel Macrons Amtsantritt als französischer Präsident im Jahr 2017. Die Finanzstaatsanwaltschaft leitete die Ermittlungen unter dem rechtlichen Vorwurf der erschwerten Geldwäsche von Steuerbetrug ein. Die Ermittler wollten prüfen, ob McKinsey and Company Inc. France über mehrere Jahre hinweg buchhalterische Unternehmensstrukturen eingerichtet hatte, um Gewinne aus Frankreich abzuziehen und die Körperschaftsteuerlast zu minimieren.
Durchsuchungen und Zeugenvernehmungen
Zwei Monate nach Einleitung der Vorermittlungen führten französische Ermittler im Mai 2022 koordinierte Durchsuchungen bei McKinsey-Einheiten durch, darunter die Pariser Büros der Firma. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte Unternehmensdokumente und -aufzeichnungen, um die finanziellen Beziehungen zwischen der französischen Tochtergesellschaft und ausländischen Verbundenen zu ermitteln. Die Ermittlungen erstreckten sich über die Jahre 2025 und 2026 mit formellen Vernehmungen mehrerer Zeugen und Beschuldigter durch die Untersuchungsrichter. Nach Abschluss dieser Ermittlungsanhörungen wandte sich die Finanzstaatsanwaltschaft formell an die Brüsseler Staatsanwaltschaft, um die grenzüberschreitende Vermögenssicherung zu vollstrecken. Die Staatsanwälte betonten in ihrer gemeinsamen Erklärung die Bedeutung der transnationalen Zusammenarbeit.
Diese Untersuchung ist auch eine Gelegenheit, daran zu erinnern, dass bei der Beschlagnahme und Einziehung krimineller Vermögenswerte eine globale Justizstrategie erforderlich ist, die von der Aufspürung bis zur Sicherstellung der Vermögenswerte reicht.
Laufende gerichtliche Überprüfung
Die Beschlagnahme von 65,2 Millionen Euro deckt den weitaus größten Teil des geschätzten Steuerschadens ab, doch McKinsey bleibt in Frankreich weiterhin rechtlicher Überprüfung ausgesetzt. Die französischen Behörden führen zudem ein zweites gerichtliches Ermittlungsverfahren zu den Verbindungen zwischen der Beratungsfirma, politischen Kampagnenaktivitäten und öffentlichen Beratungsverträgen während Macrons Präsidentschaft. Die breiteren Kontroversen um staatliche Verträge mit privaten Beratungsfirmen haben während Macrons zweiter fünfjähriger Amtszeit angehalten. Die französischen und belgischen Staatsanwaltschaften bestätigten, dass die Vorermittlungen andauern, während die Justizbehörden die Beweise und die beschlagnahmten Vermögenswerte prüfen.
- Emmanuel Macron übernimmt die französische Präsidentschaft; die Nutzung von Beratungsfirmen durch den Staat nimmt zu.
- Die Finanzstaatsanwaltschaft leitet nach einem Bericht des französischen Senats Vorermittlungen ein.
- Französische Ermittler durchsuchen die Pariser Büros von McKinsey and Company France.
- Untersuchungsrichter führen formelle Vernehmungen von Zeugen und Beschuldigten durch.
- Belgische Behörden beschlagnahmen auf Ersuchen Frankreichs 65,2 Millionen Euro in Brüssel.
- Die französischen und belgischen Staatsanwaltschaften geben die Vermögenssicherung in einer gemeinsamen Erklärung bekannt.


