
Deutschland gedenkt 65. Jahrestag des Mauerbaus – Klöckner warnt vor anhaltenden Spaltungen
Deutsche Spitzenpolitiker gedachten am 65. Jahrestag des Mauerbaus bei einer Zeremonie an der Bernauer Straße. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner warnte, die Mauer bestehe in den Köpfen fort, und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer rief dazu auf, die DDR-Diktatur nicht zu verharmlosen.
Gedenkfeier an der Bernauer Straße
Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus versammelten sich rund 120 Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße in Berlin-Mitte, um der Opfer der deutschen Teilung zu gedenken. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) legten Kränze an der Gedenkstätte nieder. Während der Zeremonie wurden Auszüge aus der Biografie eines Opfers verlesen. Die Mauer, deren Bau am 13. August 1961 begann, erstreckte sich schließlich über 155 Kilometer und trennte Berlin mehr als 28 Jahre lang, trennte Familien, Freunde und den Westteil der Stadt von seinem Umland.
„Mauern in den Köpfen“
Klöckner nutzte ihre Rede, um auf anhaltende Spaltungen zwischen Ost- und Westdeutschland aufmerksam zu machen. Sie stellte fest, dass politische Fragen zu Migration, Corona-Maßnahmen und im Umgang mit Russland auf beiden Seiten mitunter sehr unterschiedlich beantwortet würden. Sie wies auf unterschiedliche Lebenserfahrungen hin: Für Westdeutsche habe die Wiedervereinigung wenig verändert, für Ostdeutsche alles. Junge Menschen, so sagte sie, fühlten sich häufig als Ostdeutsche, nur weil sie auf einer bestimmten Seite des Landes geboren seien.
Die frühere Grenze ist fast unsichtbar geworden. Und doch ist sie da. Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen.
Klöckner warnte, die Freiheitsbewegung von 1989 stehe vor einer neuen Bedrohung, diesmal durch Gleichgültigkeit und Desinteresse. Sie rief die Deutschen auf, einander zuzuhören und den Mut zu fassen, wieder aufeinander zuzugehen, denn Mut habe die Mauer 1989 zu Fall gebracht.
Warnungen vor Verharmlosung der DDR
Kulturstaatsminister Weimer warnte, dass sowohl linke als auch rechte Extremisten derzeit versuchten, die DDR zu verharmlosen. Er nannte namentlich AfD und Linke, die in Ostdeutschland „positive Zerrbilder der DDR“ produzierten, und verwies auf eine AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau im Juli, bei der Kabarettist Uwe Steimle die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ sang und AfD-Politiker einstimmten. Weimer schlug in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor, Straßen und Plätze nach Menschen zu benennen, die sich dem Unrechtssystem der DDR widersetzt hatten, inhaftiert oder getötet worden waren.
Das kollektive Vergessen, Verdrängen und Verharmlosen der DDR sei die größte Herausforderung für die Erinnerung an die SED-Diktatur.
Kanzler und Bildungslücken
Bundeskanzler Friedrich Merz postete auf der Plattform X, Deutschland sei nun länger vereint als geteilt, und Freiheit und Demokratie seien nicht selbstverständlich. Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, sagte dem RBB-Inforadio, die DDR-Geschichte sei in den Lehrplänen viel zu wenig vertreten und komme oft erst spät in der Oberstufe vor. Er betonte, die DDR sei autokratisch und ohne freie Wahlen regiert worden. An der Stiftung Berliner Mauer wurden 2025 mehr als 200 Zeitzeugeninterviews geführt. Einer Umfrage zufolge können nicht einmal 20 Prozent der Deutschen persönliche Erinnerungen mit dem Mauerbau verbinden, und etwa ein Drittel hat den Mauerfall nicht erlebt.
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Wie die Mauer entstand
Die DDR-Führung unter Walter Ulbricht ließ die Mauer bauen, um die Massenflucht zu stoppen. Zwischen der Staatsgründung 1949 und August 1961 hatten bis zu vier Millionen Menschen die DDR verlassen. Die Grenze zur Bundesrepublik wurde 1952 abgeriegelt, aber die Übergänge zwischen den vier Berliner Sektoren blieben eine Lücke. Im Juni 1961 sagte Ulbricht einem Journalisten der Frankfurter Rundschau: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Zwei Monate später, am Morgen des 13. August, begannen Soldaten und Baukolonnen, die Grenze des Sowjetsektors mit Asphalt, Pflastersteinen und Betonsperren zu blockieren. Allein zwischen dem 1. und 13. August 1961 hatten 47.000 Ostdeutsche die DDR über Berlin verlassen. Günter Litfin gilt als erstes Opfer des Schießbefehls. Nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer wurden mindestens 915 Menschen an der Mauer getötet.
- DDR-Verluste 1949–1961 (bis zu)
- 4000000 Menschen
- Flucht über Berlin, 1.–13. August 1961
- 47000 Menschen
- Getötete an der Mauer (mindestens)
- 915 Menschen


