
Berliner Elektriker nach Betäubung und Filmen von 58 Frauen per Dating-App wegen 22-facher Vergewaltigung angeklagt
Ein 68-jähriger Elektriker aus Berlin ist formell wegen 22-facher schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt worden, nachdem Ermittler Videoaufnahmen bewusstloser Frauen entdeckt hatten. Die Staatsanwaltschaft identifizierte 58 mutmaßliche Opfer über einen Zeitraum von sechs Jahren.
Die Anklage
Die Berliner Staatsanwaltschaft gab am Dienstag die Anklageerhebung gegen einen 68-jährigen Elektriker bekannt, der beschuldigt wird, Dutzende von Frauen, die er über Online-Dating-Plattformen kennengelernt hatte, betäubt, vergewaltigt und gefilmt zu haben. Dem Mann werden 22 Fälle schwerer Vergewaltigung sowie weitere Anklagepunkte wegen gefährlicher Körperverletzung und Verletzung des Rechts am eigenen Bild vorgeworfen, wie aus einer Mitteilung der Berliner Staatsanwaltschaft hervorgeht.
Der Angeschuldigte soll die Frauen mit Schlafmitteln und Alkohol betäubt und dann vergewaltigt haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Verdächtigen vor, seinen Opfern eine Mischung aus Schlafmitteln und Alkohol verabreicht zu haben, bevor er sie im bewusstlosen Zustand sexuell missbrauchte. Keine der Frauen erinnerte sich an die Übergriffe; sie erfuhren von den Verbrechen erst, als die Ermittler sie über das Videomaterial informierten.
Wie die Ermittlungen begannen
Der Fall geht auf einen Hinweis der Polizei in Verden an der Aller zurück, einer Stadt mit rund 30.000 Einwohnern in Niedersachsen in der Nähe von Hamburg. Die dortigen Behörden ermittelten seit Anfang 2025 gegen einen anderen Mann wegen ähnlicher Straftaten, ein Verdächtiger, der inzwischen verstorben ist.
Bei der Durchsuchung des Telefons dieses Verdächtigen entdeckten die Ermittler Online-Gespräche mit dem Berliner Elektriker. Dies veranlasste die Staatsanwaltschaft, Anfang März 2025 ein Verfahren gegen ihn einzuleiten. Noch im selben Monat folgte eine erste Durchsuchung seiner Wohnung, bei der die Polizei Computerausrüstung beschlagnahmte. Zu diesem Zeitpunkt fehlten jedoch Beweise für schwerwiegendere Straftaten.
Entdeckung der Videos
Ein forensischer Experte, der eine anschließende Analyse der beschlagnahmten Festplatten durchführte, erzielte im Februar 2026 den Durchbruch und entdeckte zahlreiche Videos, die sexuelle Übergriffe zeigen, die angeblich vom Verdächtigen begangen wurden. Das Material wurde von den Ermittlern als verstörende Videoaufzeichnungen von Sexualverbrechen beschrieben.
Erst bei dieser späteren Analyse entdeckten die Ermittler das Ausmaß der aufgezeichneten Übergriffe, was zu einer zweiten Razzia und der Festnahme des Verdächtigen führte.
Die Polizei führte eine zweite Durchsuchung durch und nahm den Mann am 3. März 2026 fest. Seit diesem Datum befindet er sich in Untersuchungshaft. Seine Wohnung im Berliner Ortsteil Friedrichsfelde war Schauplatz der Durchsuchungen.
Anzahl der Opfer und Umfang
Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt 58 mutmaßliche Opfer erfasst. Die aktuelle Anklage umfasst jedoch 22 Vorfälle mit 14 Frauen. Zehn weitere mutmaßliche Opfer konnten noch nicht identifiziert werden. Die Ermittlungen zu weiteren 30 Frauen dauern an, während in drei anderen Fällen die Beweise derzeit für eine Anklageerhebung nicht ausreichen.
Weitere 36 mutmaßliche Vergewaltigungen aus dem Zeitraum 2010 bis 2014, die eine andere Frau betreffen, wurden eingestellt, weil die Verjährungsfrist nach deutschem Recht abgelaufen ist. Bei diesem speziellen Opfer konnten die Ermittler nicht mit ausreichender Sicherheit feststellen, dass die Verabreichung einer Substanz im rechtlichen Sinne Gewalt darstellte, um die entsprechende Verjährungsfrist anzuwenden.
- Mutmaßliche Vergewaltigungen beginnen; 36 spätere Verdachtsfälle datieren von 2010 bis 2014, verjähren jedoch.
- Mutmaßliche Straftaten in Berlin beginnen, so die Berichterstattung des Tagesspiegel, und dauern bis 2022 an.
- Die Polizei in Verden an der Aller, Niedersachsen, beginnt mit Ermittlungen gegen einen anderen Verdächtigen wegen ähnlicher Verbrechen; dieser Verdächtige stirbt später.
- Die Behörden entdecken Online-Chats zwischen dem verstorbenen Verdächtigen und dem Berliner Elektriker; erste Wohnungsdurchsuchung durchgeführt, Computerausrüstung beschlagnahmt.
- Ein forensischer Experte entdeckt bei einer anschließenden Analyse zahlreiche Videos, die sexuelle Übergriffe auf den beschlagnahmten Festplatten zeigen.
- Verdächtiger bei einer zweiten Wohnungsdurchsuchung festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.
- Die Berliner Staatsanwaltschaft gibt formell die Anklageerhebung wegen 22-facher schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung bekannt.
Parallelen zu anderen Fällen
Mehrere Medien haben Parallelen zum Fall von Dominique Pelicot in Frankreich gezogen. Seine Ex-Frau Gisèle Pelicot wurde zu einer globalen Symbolfigur im Kampf gegen sexualisierte Gewalt, nachdem sie öffentlich über die Vergewaltigungen durch Dutzende Männer ausgesagt hatte, die von ihrem Ex-Mann rekrutiert worden waren, der 2024 zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die Verurteilung des Angeklagten und seine weitere Inhaftierung beantragt und erklärt, dass es derzeit keine Anhaltspunkte für eine verminderte oder fehlende strafrechtliche Verantwortlichkeit gebe. Der Fall liegt nun beim Landgericht Berlin, das über die Zulassung der Anklage und die Terminierung des Hauptverfahrens entscheiden wird.


