Über 200.000 Evakuierte: Waldbrände bei Bordeaux zwingen Frankreich zum Einsatz von Militärflugzeugen und Masken
Die Behörden im Département Gironde ordneten am Samstag die Evakuierung von weiteren 55.000 Menschen an, während die Mitte der Woche ausgebrochenen Waldbrände weiter auf die Stadt Bordeaux und die touristisch stark frequentierte Küste von Arcachon vorrückten.
Massenevakuierungen, da das Feuer wieder an Stärke gewinnt
Die Behörden im französischen Département Gironde ordneten am Samstag die Evakuierung von weiteren 55.000 Menschen an, da ein am 22. Juli ausgebrochener Waldbrand wieder an Intensität gewann und auf die Stadt Bordeaux und das Küstenerholungsgebiet des Bassin d'Arcachon zusteuerte. Durch die zusätzliche Evakuierungsanordnung stieg die Gesamtzahl der aus ihren Häusern in der Gironde vertriebenen Menschen auf weit über 200.000, was die Behörden als eine der größten Umsiedlungsaktionen in der jüngeren Geschichte Frankreichs bezeichneten. Zuvor waren 8.000 Einwohner aus mehreren Stadtteilen der Gemeinden Marcheprime und Cestas, weniger als 30 Kilometer südwestlich von Bordeaux, evakuiert worden. Unter den Fliehenden waren viele Urlauber aus dem touristisch stark frequentierten Arcachon-Becken, wobei Fähren eingesetzt wurden, um Menschen von der Halbinsel Cap Ferret in Sicherheit zu bringen.
- Großer Waldbrand bricht im Département Gironde aus
- 55.000 zusätzliche Evakuierungen angeordnet, Gesamtzahl über 200.000
Militärische und logistische Reaktion
Als Reaktion auf die eskalierende Krise verstärkte die französische Regierung ihre Unterstützung für die Feuerwehr. Verteidigungsminister Sébastien Lecornu gab nach einer interministeriellen Krisensitzung bekannt, dass die Zahl der Soldaten, die die Feuerwehrleute unterstützen, von 500 auf 1.000 verdoppelt werde. Zudem wurde ein militärisches Transportflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen System, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann, bereitgestellt, um sich den 18 bereits im Einsatz befindlichen Löschflugzeugen anzuschließen. Innenminister Laurent Nuñez erklärte, mehrere Brände in ganz Frankreich seien noch nicht unter Kontrolle, wobei der Südwesten die am stärksten betroffene Zone sei, obwohl auch im Département Var im Südosten Flammen wüteten.
Reisebehinderungen und Gesundheitsschutz
Verkehrsminister Philippe Tabarot erklärte, die staatliche Bahngesellschaft SNCF habe eine Sonderregelung für Reisen in die betroffene Region eingeführt: Tickets für Fahrten nach Bordeaux und in andere Brandzonen könnten kostenlos storniert oder verschoben werden. Im Gesundheitsbereich wurden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Gironde geliefert, um sowohl Einsatzkräfte als auch Anwohner vor schädlichem Rauch zu schützen. Die Präfektur hatte zuvor erklärt, die Evakuierung am Samstag sei „angesichts des Wiederaufflammens des Feuers“ angeordnet worden.
Brände breiten sich in der Var aus und Evakuierungen in Spanien
Die Brände beschränken sich nicht auf den Südwesten Frankreichs. Auch im Département Var im Südosten wurden Flammen gemeldet, und jenseits der Grenze in Spanien verschlechterte sich die Lage. Die spanischen Behörden teilten mit, dass inzwischen etwa 73.000 Menschen evakuiert worden seien, und es wurden neue Evakuierungsaufrufe für die Provinz Toledo südwestlich von Madrid erlassen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte gegenüber Reportern, die Aussichten hätten sich verschlechtert.
Die Lage ist komplex. Heute sind wir etwas pessimistischer als gestern. Die Wetterbedingungen haben überhaupt nicht geholfen. Die kommende Nacht wird nicht einfach.
- Gironde (Frankreich)
- 200000 Menschen
- Spanien
- 73000 Menschen
Internationales Hilfsangebot
Der Innenminister von Baden-Württemberg, Manuel Hagel, bot Frankreich konkrete Hilfe bei der Bekämpfung der Brände an. In einem Brief an den Präfekten der benachbarten Region Grand Est schlug Hagel die Entsendung von zwei Polizeihubschraubern vor, die mit Außenlastbehältern von je 900 Litern zur Brandbekämpfung ausgestattet sind. Er betonte, dass sein Land mit allen verfügbaren Ressourcen bereitstehe.
Freundschaft zeigt sich nicht in schönen Worten, sondern in entschlossenem Handeln. Wenn unsere französischen Freunde unsere Hilfe brauchen, stehen die Einsatzkräfte aus Baden-Württemberg bereit – Seite an Seite, grenzüberschreitend.


