18 Klagen nach Millionen-Coup bei Schließfachraub in Gelsenkirchener Sparkasse
Kunden einer Gelsenkirchener Sparkasse, die bei einem Raub Ende 2025 über 3.000 Schließfächer geplündert wurden, haben 18 Klagen auf vollständigen Schadensersatz eingereicht, während ein gerichtlich bestelltes Gutachten und ein Streit über Versicherungszahlungen andauern.
Der Einbruch
Ende 2025 drangen unbekannte Täter in eine Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen ein und öffneten über 3.000 Schließfächer. Sie gelangten über die Tiefgarage der Bank in einen Archivraum und durchbohrten dann mit einem Spezialbohrer den Tresor. Der Gesamtschaden wird auf mehrere zehn oder sogar hundert Millionen Euro geschätzt.
Klagen und vertragliche Grenzen
Bis zum 15. August 2026 wurden 18 Klagen gegen die Sparkasse eingereicht; der nächste Verhandlungstermin ist für den 10. September vor dem Landgericht Essen angesetzt. Die Kläger werfen der Bank unzureichende Sicherheitsmaßnahmen im Bankgebäude, im Tresor und in der angrenzenden Tiefgarage vor und fordern vollständigen Ersatz für den Inhalt ihrer Schließfächer. Vertraglich ist die Entschädigung auf maximal 10.300 Euro pro Schließfach begrenzt – eine Obergrenze, die die Kläger mit Verweis auf Fahrlässigkeit aufheben lassen wollen.
Die Bank weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, die Schließfächer seien nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert gewesen.
- Unbekannte Täter brechen in Gelsenkirchener Sparkasse ein und öffnen über 3.000 Schließfächer über Tiefgarage und Spezialbohrer
- Erste Zivilklagen beginnen vor dem Landgericht Essen
- Sparkasse meldet Beginn erster Versicherungsauszahlungen an betroffene Kunden
- 18 Klagen eingereicht; Gericht sucht weiterhin Sicherheitsexperten
- Nächster Zivilprozess vor dem Landgericht Essen angesetzt
Gerichtsverfahren ausgesetzt
Die ersten Zivilprozesse begannen Mitte Juni 2026 vor dem Landgericht Essen. Das Gericht setzte die Verfahren anschließend aus, um einen Sachverständigen mit der Prüfung der Banksicherheit zu beauftragen. Die Suche nach einem geeigneten Gutachter dauert nach Angaben einer Gerichtssprecherin noch an.
Streit um Versicherungszahlungen
Anfang Juli 2026 teilte die Sparkasse mit, erste Auszahlungen aus ihrer Schließfachversicherung vorgenommen zu haben. Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann, der mehrere hundert Kläger vertritt, kritisierte die Angaben der Bank scharf und erklärte, ihm sei in keinem ihm bekannten Fall tatsächlich eine Versicherungssumme ausgezahlt worden.
Ein Sparkassen-Sprecher wies Kuhlmanns Darstellung ausdrücklich zurück.
Bislang wurden weit mehr als 100 Auszahlungen vorgenommen, weitere Betroffene werden fortlaufend kontaktiert. Auch anwaltlich vertretene Betroffene wurden bereits kontaktiert und haben Entschädigungen erhalten.
Der Sprecher fügte hinzu, das Schadensmanagement der Bank habe „überwiegend positives Feedback“ erhalten. Die Diskrepanz zwischen den beiden Darstellungen verunsichert die betroffenen Kunden darüber, wann und in welcher Höhe sie entschädigt werden, während das Verfahren auf die September-Anhörung zusteuert.


