
Erdbeben in Kolumbien: Zahl der Toten steigt auf 132 – Rettungskräfte durchsuchen eingestürzte Gebäude
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am 10. August Westkolumbien erschüttert. Mindestens 132 Menschen kamen ums Leben, 570 wurden verletzt. Rettungskräfte durchsuchen noch immer eingestürzte Gebäude nach Überlebenden.
Das Erdbeben
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 erschütterte am Montag, dem 10. August 2026, Westkolumbien. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar in der Provinz Chocó, etwa 400 Kilometer westlich von Bogotá. Die Herdtiefe betrug nach Angaben des US Geological Survey und des kolumbianischen Geologischen Dienstes rund 107 Kilometer. Das Beben war in Bogotá, Venezuela, Ecuador und Panama zu spüren. Der USGS schätzte, dass etwa 1,5 Millionen Menschen „sehr starke Erschütterungen“ erlebten. Der kolumbianische Geologische Dienst bezeichnete es als das stärkste Erdbeben im Land seit mehr als einem Jahrzehnt. Das Beben ereignete sich nur wenige Tage nach der Amtseinführung von Präsident Abelardo de La Espriella, der am Freitag in Cali vereidigt wurde – die erste Krise für seine neue Regierung.
Steigende Opferzahlen
Die Zahl der Toten stieg im Laufe des Tages stetig an. Reuters meldete unter Berufung auf örtliche Behörden am frühen Montagabend mindestens 77 Tote. Präsident de La Espriella gab in einer landesweiten Ansprache später 111 Tote und 87 Verletzte bekannt. Bis zum frühen Dienstagmorgen war die Zahl nach den neuesten verfügbaren Angaben auf mindestens 132 Tote und 570 Verletzte gestiegen. Die Zahl der eingestürzten Gebäude stieg von 61, die der Präsident genannt hatte, auf 86 nach der jüngsten Zählung des kolumbianischen Hauptstadtverbandes. Der Präsident verhängte den nationalen Notstand, um die Rettungsarbeiten zu beschleunigen und staatliche Ressourcen zu mobilisieren.
- Reuters meldet mindestens 77 Tote unter Berufung auf örtliche Behörden
- Präsident gibt in einer landesweiten Ansprache 111 Tote und 87 Verletzte bekannt
- Zahl der Toten erreicht 132, Zahl der Verletzten steigt auf 570
Regionale Verteilung
Die Provinz Risaralda, im kolumbianischen Kaffeeanbaugebiet gelegen, verzeichnete zunächst die schwersten Verluste. Gouverneur Juan Diego Patiño berichtete in einem Telefoninterview mit Caracol Television von 42 Toten. Nach der jüngsten Zählung wurden allein in Pereira, der Hauptstadt von Risaralda, 60 Todesfälle gemeldet. Im Valle del Cauca bestätigte Gouverneurin Dillian Francisca Toro gegenüber der Zeitung El Tiempo 27 Tote, darunter mindestens drei Kinder. In der Provinz Chocó wurden vier Todesfälle gemeldet, drei in der Stadt Manizales und einer in Antioquia. Die vollständige Aufschlüsselung nach Provinzen lag nur zum Zeitpunkt von 77 Toten vor.
- Risaralda
- 42 Tote
- Valle del Cauca
- 27 Tote
- Chocó
- 4 Tote
- Manizales
- 3 Tote
- Antioquia
- 1 Tote
Zerstörung in den Städten
Cali, eine der größten Städte Kolumbiens, wurde schwer getroffen. Bürgermeister Alejandro Eder erklärte, mindestens 30 Gebäude seien eingestürzt, Rettungskräfte seien an zehn davon im Einsatz. Teile eines Kinder- und Neugeborenenkrankenhauses in Cali stürzten ein, wie CNN berichtete. Die Stadt forderte zusätzliche Rettungsteams aus Bogotá und Medellín an. In Pereira teilte Polizeidirektor Óscar Leonel Ochoa Radio Caracol mit, dass mehr als 60 oder 70 Gebäude eingestürzt seien. Ein vom Guardian veröffentlichtes Video zeigt den Einsturz eines Gebäudes in Pereira, während Menschen um ihr Leben rennen. Sieben Flughäfen in Westkolumbien stellten den Betrieb bis zur Überprüfung der Infrastruktur ein, und fünf Departementshauptstädte wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
Vor Ort
Anwohner schilderten Szenen der Panik und der Abgeschiedenheit. Jaime Zuluaga, ein 50-jähriger Anwohner, sagte der Agence France-Presse, der Verkehr sei zum Erliegen gekommen und die Menschen weigerten sich, aus Angst vor Nachbeben nach Hause zurückzukehren. Martha Estrada, 66 Jahre alt, berichtete, es gebe weder Strom noch Mobilfunknetz in der Kaffeeregion, und fügte hinzu, das Beben sei „sehr stark“ gewesen und in ihrem Haus seien Dinge umgefallen.
Es gibt auch viele Verletzte und andere, die noch unter den Trümmern eingeschlossen sind. Die Lage ist kritisch.
Präsident de La Espriella schrieb auf X, er reise nach Bogotá, um sich auf die Bewältigung des Notstands zu konzentrieren, und versicherte den Kolumbianern, sie seien nicht allein. Soldaten wurden zur Unterstützung der Rettungsarbeiten in den betroffenen Gebieten eingesetzt. Einige Regionen blieben aufgrund von Straßenschäden abgeschnitten, und die Behörden warnten davor, dass die Zahl der Opfer im Zuge der Sucharbeiten weiter steigen werde.


