
Deutschland verzeichnet fast 10.000 hitzebedingte Todesfälle im Jahr 2026 und übertrifft damit jedes volle Jahr seit 2016
Das Robert Koch-Institut schätzt, dass bis zum 19. Juli 9.800 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben sind, wobei die Zahl der Todesfälle bereits jedes einzelne Jahr seit 2016 übersteigt und mehr als die Hälfte der Todesfälle mit einer Hitzewelle Ende Juni in Verbindung gebracht wird.
Deutschland hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in seinem am 30. Juli veröffentlichten Wochenbericht bisher im Jahr 2026 schätzungsweise 9.800 hitzebedingte Todesfälle verzeichnet. Die bis zum 19. Juli gezählte Zahl übersteigt bereits die Zahl der Todesfälle eines jeden vollen Kalenderjahres seit 2016. Der bisherige Höchststand war 2018, als das Institut zwischen 8.700 und 9.000 hitzebedingte Todesfälle über das gesamte Jahr schätzte. Erst vor wenigen Wochen hatte das Statistische Bundesamt 7.100 Hitzetote gemeldet, was zeigt, wie schnell die Zahl gestiegen ist.
Eine tödliche Hitzewelle im Juni
Mehr als die Hälfte der diesjährigen Todesfälle, über 5.000, werden auf eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte zurückgeführt, als die Temperaturen in weiten Teilen des Landes 40°C erreichten und einige Städte mit 41°C einen nationalen Rekord verzeichneten. Von Anfang April bis zum 12. Juli zählte das RKI 7.900 hitzebedingte Todesfälle. Allein in der Woche vom 13. bis 19. Juli kamen weitere 1.900 hinzu. Das Land erlebte zudem innerhalb weniger Wochen mehr als zehn Tropennächte, was gefährdeten Bevölkerungsgruppen kaum nächtliche Erholung brachte.
Folglich gehen wir davon aus, dass die in diesem Sommer auftretenden Hitzewellen ebenfalls zu einer erhöhten Sterblichkeit führen werden.
Wie die Zahl berechnet wird
Hitze wird selten als direkte Todesursache aufgeführt. Stattdessen verschlimmert sie bestehende Herz-Kreislauf-, Lungen- und Nierenerkrankungen und führt oft Tage nach den heißesten Temperaturen zum Tod. Das RKI schätzt die hitzebedingte Sterblichkeit daher, indem es die Todeszahlen in heißen Wochen mit denen in kühleren Sommerperioden vergleicht und dabei Temperaturdaten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verwendet. In Wochen, in denen die Durchschnittstemperatur 20°C übersteigt, steigt die Sterblichkeit stark an. Die Woche vom 13. bis 19. Juli hatte einen Durchschnitt von 20,9°C, wobei 12 der 16 Bundesländer Durchschnittswerte über 20°C verzeichneten. In der letzten Juniwoche, als die wöchentliche Durchschnittstemperatur 26°C erreichte, starben rund 23.600 Menschen, etwa 30 % mehr als die üblichen 18.200 in diesem Zeitraum.
Dies ist ein statistischer Zusammenhang.
Alexandra Schneider, stellvertretende Leiterin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, erklärte, dass die Zahlen des RKI aus diesem statistischen Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterblichkeit abgeleitet werden, nicht aus Totenscheinen. Das Institut wies auch darauf hin, dass die Übersterblichkeit in diesem Jahr auf fast 16.000 geschätzt wird, was darauf hindeutet, dass die Zahl der Hitzetoten sogar noch höher sein könnte, als das Modell angibt.
- Über 5.000 Todesfälle durch Hitzewelle im Juni
- 7.900 hitzebedingte Todesfälle seit Anfang April
- 9.800 hitzebedingte Todesfälle seit Jahresbeginn
Ältere Menschen tragen die Hauptlast
Ältere Menschen sind überwiegend die Opfer. Von den 9.800 Todesfällen waren 5.420 85 Jahre und älter, 2.460 in der Gruppe der 75- bis 84-Jährigen, 1.260 im Alter von 65 bis 74 Jahren und 630 unter 65 Jahren. Es starben mehr Frauen als Männer, eine Diskrepanz, die das RKI auf den höheren Frauenanteil in den älteren Altersgruppen zurückführt. Die historischen Daten des Instituts zeigen, dass nach den schweren Hitzejahren 2018 (8.700 Todesfälle) und 2019 (6.900) die jährlichen hitzebedingten Todesfälle von 2022 bis 2025 auf 2.600 bis 4.900 zurückgingen, was die Hoffnung nährte, dass Warnsysteme und Hitzeschutzpläne wirkten. Der Anstieg im Jahr 2026 hat diese Hoffnungen zunichte gemacht.
- 2018
- 8700 Todesfälle
- 2019
- 6900 Todesfälle
Forderungen nach besserem Schutz
Die extreme Hitze hat eine politische Debatte über Hitzeschutz neu entfacht. Oppositionsparteien im Bundestag fordern mehr Investitionen in gekühlte Krankenhäuser, Pflegeheime und öffentliche Kühlzentren. Die Diskussion dreht sich auch um die Frage, wer die Kosten tragen soll. Da für den 30. Juli bei einer erneuten Hitzewelle Temperaturen von bis zu 39°C erwartet werden, steigt der Handlungsdruck.
Eine anhaltende Krise
Die Zählung des RKI endet am 19. Juli, was bedeutet, dass die endgültige Zahl für 2026 mit ziemlicher Sicherheit höher sein wird. Der nationale Temperaturrekord wurde Ende Juni gebrochen, und die Wetterdienste warnen vor weiterer extremer Hitze. Die Warnung des Instituts, dass künftige Hitzewellen mehr Todesfälle bringen werden, hat die Forderungen nach Anpassungsmaßnahmen verstärkt.


