Mit seinem Veto gegen ein Gesetz zum EU-Programm SAFE hat Polens Präsident eine bereits eingeplante Finanzierung in Höhe von 7 Milliarden Złoty vorerst gestoppt. Das Innenministerium spricht von spürbaren Folgen für die Sicherheitsdienste. Die Regierung kündigte umgehend an, nach anderen Wegen zu suchen, um dennoch an die Mittel zu gelangen.

Präsident stoppt SAFE-bezogenes Gesetz

Das Veto vom 17. März 2026 blockiert nach Darstellung des Innenministeriums geplante Mittel von 7 Milliarden Złoty für die polnischen Sicherheitsdienste.

Regierung sucht Ausweichlösung

Innenminister Marcin Kierwiński erklärte, die Regierung wolle das Veto umgehen und die SAFE-Mittel trotz der Entscheidung des Präsidenten nutzen.

Rüstungsgewerkschaft verlangt Offenlegung

Zbrojeniowa Solidarność fordert eine vollständige Liste der für das SAFE-Programm qualifizierten Unternehmen, damit die Branche Investitionen und Produktion planen kann.

Debatte über möglichen Lobbyeinfluss

In der öffentlichen Diskussion stehen Vorwürfe im Raum, amerikanische Lobbyisten könnten Einfluss auf die Ablehnung des Programms in der polnischen Rechten genommen haben.

Polens Präsident hat ein Gesetz mit Bezug zum EU-Programm SAFE program mit einem Veto belegt. Nach Angaben des Ministeriums für Inneres und Verwaltung entzieht die Entscheidung den polnischen Sicherheitsdiensten damit geplante Mittel in Höhe von 7 Milliarden Złoty. Das Veto wurde am 17. März 2026 bekanntgegeben. Die Regierung reagierte umgehend und erklärte, sie werde nach alternativen Wegen suchen, um auf die Mittel zuzugreifen. In die Auseinandersetzung eingeschaltet haben sich inzwischen auch Gewerkschaften der Rüstungsindustrie, außenpolitische Analysten und Stimmen, die ausländischen Lobbyeinfluss auf die polnische Rechte vermuten. Sichtbar wird damit ein deutlicher Konflikt zwischen dem Präsidentenamt und der regierenden Koalition über die Frage, wie Polen seinen Sicherheitsapparat und den Verteidigungssektor finanzieren soll.

Kierwiński kündigt einen Umgehungsweg der Regierung an Marcin Kierwiński, in den zugrunde liegenden Berichten als Minister für Inneres und Verwaltung bezeichnet, sagte, die Regierung wolle das Veto umgehen und die Mittel aus dem SAFE-Programm dennoch nutzen. Nach Informationen von Interia räumte Kierwiński ein, dass der weitere Weg schwieriger werde. Er betonte jedoch, das Geld werde letztlich eingesetzt. Das Ministerium für Inneres und Verwaltung bewertete die Entscheidung des Präsidenten als unmittelbare Beeinträchtigung der Einsatzfähigkeit der polnischen Sicherheitsdienste. Als konkreten Preis des Vetos nannte das Ressort die Zahl aus dem 7 (billion zlotys) — durch das Veto verursachten Finanzierungsloch für die Sicherheitsdienste. Welchen rechtlichen oder haushaltspolitischen Mechanismus die Regierung zur Umgehung der Entscheidung des Präsidenten nutzen will, hat sie bislang nicht ausgeführt. Gazeta Prawna beschrieb die öffentliche Stellungnahme des Ministeriums als direkten Angriff auf den Schritt des Präsidenten. Daraus lässt sich ablesen, dass die Koalition das Veto in dieser Frage nicht als letztes Wort akzeptieren will.

Rüstungsgewerkschaft verlangt Transparenz bei der Liste zugelassener Firmen Die Gewerkschaft der Verteidigungsindustrie Zbrojeniowa Solidarność hat nach Berichten von Forsal und Gazeta Prawna die vollständige Offenlegung jener Unternehmen verlangt, die für eine Teilnahme am SAFE-Programm qualifiziert wurden. Vertreter der Gewerkschaft warnten, die Unsicherheit über die Zukunft des Programms stelle eine erhebliche Gefahr für die polnische Verteidigungsindustrie dar. WNP berichtete, in dem Appell sei von einer „ernsten Bedrohung“ die Rede gewesen, um die Folgen des aktuellen Stillstands für heimische Waffenhersteller zu beschreiben. Beschäftigte und Gewerkschaftsfunktionäre argumentierten, ohne Transparenz darüber, welche Firmen zugelassen worden seien, könne die Branche weder Investitionen noch Produktionspläne verlässlich vorbereiten. Die Forderung nach einer öffentlichen Liste der qualifizierten Unternehmen verweist auf eine weiter verbreitete Sorge im Sektor, ob polnische Rüstungshersteller tatsächlich Zugang zu jener Finanzierung erhalten werden, für die das Programm geschaffen wurde.

Vorwürfe über Einfluss von US-Lobbyisten belasten die politische Debatte Polityka berichtete, im öffentlichen Streit seien Vorwürfe erhoben worden, amerikanische Lobbyisten hätten bei der Ausprägung der Ablehnung des SAFE-Programms in der polnischen Rechten eine Rolle gespielt. Der in dieser Berichterstattung dargestellte Gedankengang lautet, dass ausländische kommerzielle Interessen die politischen Erwägungen hinter dem Veto und den breiteren Widerstand gegen das EU-Kreditinstrument für Verteidigung auf der rechten Seite des polnischen Parteienspektrums beeinflusst haben könnten. Das Portal wpolityce.pl veröffentlichte dagegen einen Beitrag, in dem die Berichterstattung des Nachrichtenportals Onet über das Veto des Präsidenten als „grobe Manipulation“ bezeichnet wurde. Damit wurde nahegelegt, dass regierungsnahe Medien den Vorgang irreführend dargestellt hätten. RMF24 befasste sich unmittelbar mit den sicherheitspolitischen Folgen des Vetos und fragte, was die Entscheidung des Präsidenten praktisch für die nationale Sicherheit Polens bedeutet. Das SAFE-Programm ist Teil eines umfassenderen europäischen Vorhabens, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen und die Abhängigkeit von Lieferanten außerhalb der EU zu verringern. Auslöser war Russlands großangelegte Invasion in die Ukraine im Jahr 2022. Polen gehört zu den aktivsten EU-Mitgliedstaaten beim Ausbau seines Militärhaushalts und hat große Beschaffungsverträge sowohl mit europäischen als auch mit amerikanischen Rüstungsunternehmen verfolgt. Das Zusammenspiel von EU-Instrumenten zur Verteidigungsfinanzierung und bilateralen Rüstungsgeschäften zwischen den USA und Polen hat in Warschau in den vergangenen Jahren ein komplexes Lobbyumfeld entstehen lassen. Die konkurrierenden Deutungen — Alarm aus der Regierung, Transparenzforderungen der Gewerkschaft und Vorwürfe ausländischen Einflusses — zeigen, wie tief das SAFE-Veto den polnischen Politik- und Verteidigungsapparat gespalten hat.