Polens Präsident Andrzej Duda hat das SAFE-Gesetz mit einem Veto gestoppt und damit umgehend Kritik aus Regierung und Medien ausgelöst. Finanz- und Wirtschaftsminister Andrzej Domański verwies auf die wirtschaftlichen Folgen der Entscheidung. Zugleich verlangte die Gewerkschaft NSZZ Solidarność, die an dem Programm beteiligten Unternehmen offenzulegen.
Präsident stoppt SAFE-Gesetz
Andrzej Duda legte gegen das SAFE-Gesetz ein Veto ein. Die Regierung reagierte mit Kritik, Finanz- und Wirtschaftsminister Andrzej Domański verwies auf wirtschaftliche Kosten.
Solidarność verlangt Offenlegung
Die Gewerkschaft NSZZ Solidarność fordert, die am SAFE-Programm beteiligten Unternehmen öffentlich zu benennen, und kritisiert angeblich „geheime Details“ des Gesetzes.
Fitch äußert sich ohne bekannte Details
Die Ratingagentur Fitch nahm zu dem Veto Stellung. Bestätigte Angaben zum genauen Inhalt dieser Äußerungen liegen jedoch nicht vor.
Immunitätsverfahren gegen Lasota vertagt
Der Oberste Gerichtshof verschob die Anhörung zur möglichen Aufhebung der Immunität von Michał Lasota wegen Zweifeln im Zusammenhang mit dem beteiligten Staatsanwalt.
Debatte über Verfassungsgericht hält an
Kommentare von Antymatrix und oko.press thematisieren, ob die Besetzung und Vereidigung von Richtern des Verfassungsgerichts noch rechtlich oder bereits vor allem politisch geprägt ist.
Polens Präsident Andrzej Duda hat das SAFE-Gesetz per Veto gestoppt. Das löste scharfe Kritik aus der Regierung aus und veranlasste auch eine Reaktion der Ratingagentur Fitch. Zugleich forderte die Gewerkschaft NSZZ Solidarność die Offenlegung jener Unternehmen, die an dem Programm beteiligt sind. Sie verwies dabei auf Bedenken wegen aus ihrer Sicht „geheimer Details“. Darüber berichtete wnp.pl. Das präsidiale Veto führte umgehend zu politischen Angriffen. Finanz- und Wirtschaftsminister Andrzej Domański verwies laut wnp.pl auf die wirtschaftlichen Kosten der Entscheidung des Präsidenten. Auch die Ratingagentur Fitch äußerte sich zu dem Veto. Bestätigte Informationen zum genauen Inhalt der Stellungnahme von Fitch liegen jedoch nicht vor; bekannt ist lediglich, dass es eine allgemeine Einordnung der Lage gab. Gazeta Polska bezeichnete das Veto als „einen Schlag gegen das Bündnis mit den USA“ und deutete die Entscheidung damit als möglichen Belastungsfaktor für Polens strategische Beziehungen zu Washington. Insgesamt löste die Entscheidung eine neue Welle politischer Debatten in polnischen Medien aus, darunter auch einen heftigen Schlagabtausch in der von Agnieszka Gozdyra moderierten Sendung von Polsat News.
Solidarność drängt auf Liste der SAFE-Unternehmen Die Gewerkschaft NSZZ Solidarność verlangte, dass die an dem SAFE-Programm beteiligten Unternehmen öffentlich benannt werden. Nach Angaben von wpolityce.pl wandte sie sich gegen das, was sie als „geheime Details“ des Gesetzes bezeichnete. Damit erhielt die Kontroverse zusätzlich eine gewerkschaftspolitische Dimension. Der Druck auf die Regierung kam nun nicht nur aus der üblichen parlamentarischen Opposition, sondern auch aus einer anderen politischen Richtung. Bestätigte Informationen dazu, welche konkreten Unternehmen die Gewerkschaft genannt haben wollte oder auf welcher rechtlichen Grundlage ihre Einstufung als vertraulich beruhte, liegen nicht vor. Die Forderung spiegelte eine breitere öffentliche Verunsicherung über die Transparenz eines Programms wider, das bereits zuvor zu einem Konfliktpunkt zwischen dem Präsidenten und der Regierungskoalition geworden war. Das Zusammenspiel aus dem präsidialen Veto und der Forderung der Gewerkschaft nach Offenlegung deutete darauf hin, dass das SAFE-Gesetz gleichzeitig aus mehreren politischen Richtungen unter Druck geraten war.
Oberstes Gericht verschiebt Immunitätsanhörung wegen Zweifeln an Staatsanwalt In einer davon getrennten juristischen Entwicklung verschob der Oberste Gerichtshof nach Angaben von Niezalezna.pl die Anhörung über die Aufhebung der Immunität des Richters Michał Lasota. Als Grund wurden Zweifel im Zusammenhang mit dem in dem Verfahren beteiligten Staatsanwalt genannt. Lasota ist ein polnischer Jurist und Richter. Er war von 2018 bis 2022 Präsident des Bezirksgerichts in Nowe Miasto Lubawskie und von 2022 bis 2024 Präsident des Regionalgerichts in Olsztyn. Außerdem war er vom 18. Juni 2018 bis zum 31. Juli 2025 stellvertretender Disziplinarbeauftragter für Richter der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Durch die Vertagung blieb die Frage der Immunität vorerst offen. Die Vorbehalte des Gerichts gegenüber der staatsanwaltschaftlichen Seite des Verfahrens führten zu zusätzlicher verfahrensrechtlicher Unsicherheit. Bestätigte Informationen zur genauen Art der Zweifel, die das Oberste Gericht hinsichtlich des Staatsanwalts geäußert haben soll, liegen nicht vor. Der Fall fügte sich damit in ein breiteres Muster rechtlicher und institutioneller Auseinandersetzungen ein, das die polnische Justizpolitik in den vergangenen Jahren geprägt hat.
Vereidigung am Verfassungsgericht wirft Frage nach Recht und Politik auf Unabhängig davon setzte sich in der polnischen Öffentlichkeit die Debatte über die Besetzung des Verfassungsgerichts und die Vereidigung seiner Richter fort. Beiträge von Antymatrix und oko.press stellten die Frage, ob das Verfahren noch im rechtlichen Rahmen liege oder bereits in einen rein politischen Bereich übergegangen sei. Das Portal oko.press veröffentlichte einen erläuternden Beitrag zum Verfahren der Vereidigung von Richtern des Verfassungsgerichts. Daraus wurde deutlich, dass bereits der Ablauf selbst Gegenstand öffentlicher Unklarheit und Kontroverse ist. Der Beitrag von Antymatrix formulierte die Frage zugespitzt: Gehe es bei der Besetzung des Gerichts noch um Recht oder bereits um politisches Taktieren? Bestätigte Informationen über konkrete Namen von Richtern, deren Vereidigung zur Debatte stand, liegen nicht vor. Die Auseinandersetzung um das Tribunal ist Teil eines breiteren Geflechts institutioneller Spannungen in der polnischen Politik, zu dem auch das SAFE-Veto und die Verschiebung durch das Oberste Gericht gehören.
Die Auseinandersetzungen um den Rechtsstaat sind in Polen seit 2015 eine anhaltende Quelle politischer Konflikte. Damals riefen Änderungen an der Zusammensetzung des Verfassungsgerichts erstmals Kritik der Europäischen Kommission und der innenpolitischen Opposition hervor. Die 1980 gegründete Gewerkschaft NSZZ Solidarność hat historisch eine politisch ambivalente Rolle eingenommen und aufeinanderfolgende Regierungen teils unterstützt, teils kritisiert. Auch die Rolle des Obersten Gerichts in Disziplinarverfahren gegen Richter ist umstritten; Reformen nach 2015 wurden wiederholt vor polnischen und europäischen Gerichten angefochten. Die Frage der richterlichen Immunität und ihrer Aufhebung ist zu einem wiederkehrenden verfahrensrechtlichen Konfliktfeld in Fällen geworden, die Richter betreffen, die in der Zeit nach 2015 ernannt oder befördert wurden.
Mentioned People
- Andrzej Duda — Prezydent Rzeczypospolitej Polskiej
- Andrzej Domański — Polski ekonomista i polityk, poseł na Sejm X kadencji, minister finansów w latach 2023–2025 oraz minister finansów i gospodarki w trzecim rządzie Donalda Tuska od 2025 roku.
- Michał Lasota — Polski prawnik i sędzia, prezes Sądu Rejonowego w Nowym Mieście Lubawskim w latach 2018–2022, prezes Sądu Okręgowego w Olsztynie w latach 2022–2024 oraz zastępca rzecznika dyscyplinarnego sędziów sądów powszechnych w latach 2018–2025.