Das Bundesministerium der Verteidigung hat eine Bestimmung im neuen Wehrdienstmodernisierungsgesetz präzisiert, die Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren zur Genehmigung längerer Auslandsaufenthalte verpflichtet. Laut Gesetz bedürfen Aufenthalte von mehr als drei Monaten einer vorherigen Zustimmung durch die Bundeswehr. Die Regelung, die bereits seit Januar 2026 in Kraft ist, löste nach Medienberichten über die Osterfeiertage eine politische Debatte aus.
Genehmigungspflicht für Auslandsaufenthalte
Männer zwischen 17 und 45 Jahren müssen Reisen von über drei Monaten Dauer formal von der Bundeswehr genehmigen lassen.
Keine Sanktionen bei Verstößen
Laut Verteidigungsministerium ist die Regelung logistisch motiviert und zieht bei Nichtbeachtung derzeit keine rechtlichen Strafen nach sich.
Widerstand aus Politik und Studierendenschaft
Oppositionsparteien und Studierendenvertreter kritisieren die Bürokratie und befürchten eine schleichende Rückkehr zur Wehrpflicht.
Das Bundesverteidigungsministerium hat eine Bestimmung im neuen Wehrdienstgesetz präzisiert, die alle Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren formal dazu verpflichtet, vor Auslandsaufenthalten von mehr als drei Monaten die Genehmigung der Bundeswehr einzuholen. Diese Vorschrift blieb weitgehend unbemerkt, seit das Gesetz im Januar 2026 in Kraft trat, bis Medienberichte über das Osterwochenende eine Welle öffentlicher Kritik auslösten. Die Bestimmung ist Teil des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes, das 2025 verabschiedet wurde, um die militärischen Kapazitäten Deutschlands auszuweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass die Regelung grundsätzlich auch außerhalb von Spannungs- oder Verteidigungsfällen gelte und damit eine Anforderung aus der Ära des Kalten Krieges auf Friedenszeiten ausweite. Das Ministerium betonte jedoch, dass der Wehrdienst in Deutschland freiwillig bleibe und man davon ausgehe, dass die Genehmigungen in allen Fällen erteilt würden. Beamte erklärten, man arbeite an Verwaltungsvorschriften, um klarzustellen, dass die Zustimmung als automatisch erteilt gilt, solange die Wehrpflicht ausgesetzt ist.
Deutschland hat die allgemeine Wehrpflicht im Jahr 2011 ausgesetzt. Seither setzt das Land auf eine Freiwilligenarmee, wobei der Druck zum Wiederaufbau militärischer Kapazitäten nach der großangelegten Invasion Russlands in der Ukraine im Februar 2022 deutlich zunahm. Eine vergleichbare Genehmigungspflicht für Reisen existierte bereits während des Kalten Krieges, hatte jedoch unter dem Modell des Freiwilligendienstes keine praktische Relevanz mehr. Das neue Gesetz führte zudem weitere Maßnahmen ein, darunter eine Musterungspflicht für Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008.
Der Ministeriumssprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, der Kern der Regelung sei eher logistischer als restriktiver Natur. „Im Ernstfall müssen wir wissen, wer sich für längere Zeit im Ausland aufhält” — Sprecher des Verteidigungsministeriums via Reuters Der Sprecher fügte hinzu, dass das Ministerium derzeit spezifische Vorschriften für die Erteilung von Ausnahmen entwerfe, auch um unnötige Bürokratie zu vermeiden. Gegenüber Politico hieß es, da der Wehrdienst freiwillig sei, müssten Genehmigungen prinzipiell immer gewährt werden; eine Verwaltungsvorschrift solle dieses Verständnis formalisieren. Das Ministerium wies zudem darauf hin, dass die Regelung keine Sanktionen bei Verstößen vorsieht, was bedeutet, dass Männern ohne Genehmigung unter den derzeitigen Bedingungen keine rechtlichen Konsequenzen drohen. Trotz dieser Zusicherungen sorgte die Diskrepanz zwischen dem Gesetzestext und der erklärten Absicht der Regierung am Osterwochenende für politische Kritik.
Opposition fordert schnelle Korrektur, Rücktrittsforderungen gegen Minister laut Die politischen Reaktionen folgten unmittelbar, nachdem die Bestimmung die öffentliche Aufmerksamkeit erreicht hatte. Oppositionspolitiker richteten ihre Kritik gegen Verteidigungsminister Boris Pistorius und die Koalitionsparteien, die das Gesetz verabschiedet hatten. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann erklärte, die Regierung habe für Verunsicherung gesorgt, und forderte eine zügige Korrektur. „Verteidigungsminister Boris Pistorius, das Ministerium, SPD und Union stehen jetzt blamiert und entlarvt da” — Britta Haßelmann via POLITICO Die BSW-Politikerin Sahra Wagenknecht kritisierte die Regelung laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als erinnernd an Praktiken der DDR und forderte den Rücktritt von Pistorius. Die Bestimmung war von Beginn an im Reformtext enthalten, wurde aber erst zum politischen Thema, nachdem die Frankfurter Rundschau eine Anfrage an das Ministerium gestellt und die Ergebnisse veröffentlicht hatte. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Bild-Zeitung griffen das Thema anschließend auf, woraufhin es auch internationale Medien wie die BBC erreichte.
Studierende besorgen wegen Auslandssemestern, Ziel von 260.000 Soldaten im Fokus Die Kontroverse erreichte auch die Universitäten, wo Studierende Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf Auslandsprogramme äußerten. Paul Veit, Präsident des Studierendenparlaments der Universität Hamburg, sagte dem Sender NDR 90,3, dass einige Studiengänge Auslandssemester zwingend vorschreiben und die Studierenden schnell Rechtssicherheit bräuchten. Elias Gerstner vom AStA der Universität Hamburg ging weiter und argumentierte, die neue Regelung signalisiere einen breiteren Kurswechsel. „Wir lehnen die Wehrpflicht insgesamt ab – die Neuregelung zeigt uns, dass die Freiwilligkeit des Wehrdienstes zunehmend ausgehöhlt werden soll” — Elias Gerstner via Norddeutscher Rundfunk Hinter dem Gesetz steht das Ziel, das aktive Personal der Bundeswehr im kommenden Jahrzehnt signifikant zu vergrößern. Ende 2025 verzeichnete Deutschland laut Reuters rund 183.000 aktive Soldaten. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte vor Militärvertretern im vergangenen Jahr erklärt, Deutschland müsse so schnell wie möglich verteidigungsfähig werden und benötige dafür mehr Personal.
Mentioned People
- Boris Pistorius — Federalny Minister Obrony w gabinecie kanclerza Friedricha Merza od maja 2025 roku
- Friedrich Merz — Dziesiąty kanclerz Republiki Federalnej Niemiec od 6 maja 2025 roku
- Britta Haßelmann — Współprzewodnicząca grupy parlamentarnej Sojuszu 90/Zielonych w Bundestagu
- Paul Veit — Przewodniczący Parlamentu Studentów Uniwersytetu w Hamburgu
Sources: 39 articles
- Indignación en Alemania por polémica disposición de la nueva ley de servicio militar (France 24)
- Germany looks to soften controversial military registration law (POLITICO)
- Auslandssemester in Gefahr? Studierende kritisieren neue Regeln des Wehrdienstgesetzes (Norddeutscher Rundfunk)
- Hombres alemanes entre 17 y 45 años deberán informar si salen del país por más de tres meses: ABC de la medida (France 24)
- Lei na Alemanha dá que falar: homens vão ter de pedir autorização para estadias prolongadas no estrangeiro (SAPO)
- Verteidigungsministerium: Auslandsreisen vorerst genehmigt (Frankfurter Allgemeine)
- Wehrfähige Männer in Deutschland: Aufregung über Reiseauflagen (newsORF.at)
- Scandal în Germania după adoptarea unei legi care obligă bărbații să ceară aprobarea armatei pentru șederi mai lungi în străinătate (Ziare.com)
- CDU-Politiker verteidigt Wehrdienst-Regel zu Auslandsaufenthalten: "Nicht so dramatisch": (Berliner Zeitung)
- Homens alemães entre 17 e 45 anos precisam de autorização militar para sair do país por mais de três meses (Observador)