Die SPD hat sich bei einem Krisentreffen am 27. März 2026 demonstrativ hinter ihre Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas gestellt. Zugleich zeigt eine neue Umfrage, dass eine Mehrheit der Deutschen und auch viele SPD-Anhänger daran zweifeln, ob das Duo die Partei aus ihrer tiefsten Wahlschwäche seit Jahren führen kann.
SPD stellt sich hinter Klingbeil und Bas
Bei einem Krisentreffen am 27. März 2026 rückte die Parteispitze demonstrativ zusammen, obwohl die Niederlagenserie den Druck auf die Vorsitzenden erhöht.
Niederlagen auf Landes- und Kommunalebene
Die SPD verlor in Rheinland-Pfalz das Ministerpräsidentenamt, zog in Baden-Württemberg nur knapp in den Landtag ein und büßte auch das Münchner Rathaus ein.
Umfrage sieht große Skepsis
Im ZDF-Politbarometer zweifelten 75 Prozent der Befragten daran, dass Klingbeil und Bas die SPD aus der Krise führen können.
Reformkurs mit Fokus auf Energiepreise
Klingbeil und Bas setzen auf höhere Pendlerpauschale, eine Übergewinnsteuer und einen Spritpreisdeckel nach luxemburgischem Vorbild.
Breiteres Reformpaket geplant
Zum Programm gehören auch Arbeitszeitreformen, Änderungen bei der Rente, der Abbau von Teilzeit und neue Bündnisse mit Arbeitgebern und Gewerkschaften.
Die SPD hat sich bei einem Krisentreffen am 27. März 2026 demonstrativ hinter ihre angeschlagenen Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas gestellt. Das geschah, obwohl eine neue Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen und auch SPD-Anhänger daran zweifeln, dass das Duo die Partei aus ihrer tiefsten Wahlschwäche seit Jahren führen kann. Zu dem Treffen kamen die Führung der Bundestagsfraktion, SPD-Ministerpräsidenten und SPD-Oberbürgermeister zusammen, um den Zustand der Partei zu bewerten und eine Reformagenda für die kommenden Wochen festzulegen. Klingbeil, der im Merz-Kabinett auch Vizekanzler und Bundesfinanzminister ist, dankte den Parteifreunden für das, wie er sagte, „große Unterstützung“ und Rückenwind für seine jüngsten Vorschläge. Andere Parteiführer positionierten sich bei dem Pressetermin sichtbar hinter dem Spitzenduo. Das war ein bewusstes Zeichen der Geschlossenheit. Das Treffen fand nach einer Reihe von Niederlagen auf Landesebene statt, die die Partei in ihren Grundfesten erschüttert haben.
Drei Niederlagen binnen Wochen setzen die Spitze unter Druck Das Krisentreffen war eine direkte Reaktion auf eine Serie belastender Wahlniederlagen im März 2026. In Rheinland-Pfalz verlor die SPD nach 35 Jahren das Amt des Ministerpräsidenten, nachdem die CDU dort die Landtagswahl gewonnen hatte, wie Suchergebnisse von DW zeigen. In Baden-Württemberg schaffte die SPD den Wiedereinzug in den Landtag nur knapp und entging damit einem peinlichen Ausschluss. Die Partei verlor außerdem das Münchner Rathaus, was die Niederlagenserie um einen weiteren symbolischen Rückschlag erweiterte. Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte, das Treffen solle der Partei ein klares Bild davon geben, wofür sie tatsächlich kämpfe. Der Fokus solle auf wenige Themen gelegt werden, die als SPD-Prioritäten klar erkennbar seien: Arbeitsschutz, wirtschaftliche Dynamik und bezahlbares Leben. Das Ausmaß der Verluste hat den innerparteilichen Druck auf Klingbeil und Bas erhöht, auch wenn sich die Landesspitzen öffentlich hinter ihnen versammelt haben.
„Wir wollen, dass die SPD bei Veränderung die treibende Kraft ist.” — Lars Klingbeil via ZEIT ONLINE
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nannte Klingbeils Vorschläge „wichtige Impulse“, während Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies den Kurs als „sehr ausgewogen“ bezeichnete. Er wies jede Debatte über Personal zurück und sagte, das helfe den Menschen nicht.
Übergewinnsteuer und Spritpreisdeckel stehen im Mittelpunkt Angesichts der hohen Kraftstoffpreise, die die öffentliche Debatte prägen, stellten Klingbeil und Bas die Energiekosten in den Mittelpunkt ihrer Reformoffensive. Klingbeil hatte schon in der Vorwoche vorgeschlagen, die Pendlerpauschale anzuheben und die Kosten über eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen zu finanzieren. Kanzler Friedrich Merz äußerte sich im Bundestag skeptisch, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft. Bas unterstützte Klingbeils Vorschlag und sprach sich zusätzlich für einen Spritpreisdeckel nach luxemburgischem Vorbild aus. Dort legt das Wirtschaftsministerium Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl fest.
„Für uns ist hier ganz klar, dass wir die Menschen entlasten müssen. Die SPD muss hier wieder stark sein.” — Lars Klingbeil via ZEIT ONLINE
Zu Klingbeils weiterem Reformprogramm gehören außerdem längere Arbeitszeiten, die Kopplung der Renten an Beitragsjahre, ein Wechsel von Teilzeit zu Vollzeit sowie die Abschaffung des Ehegattensplittings für künftige Ehen. Vorgesehen sind zudem steuerliche Entlastungen für Beschäftigte. Die Sozialdemokraten fordern außerdem eine „neue Allianz für Arbeit“, an der Arbeitgeber, Gewerkschaften und Wissenschaft gemeinsam mit der Regierung prüfen sollen, was zur Stabilisierung des Landes nötig ist. Nach Darstellung der Partei sollen künftig auch Oberbürgermeister, Landräte und kommunale Vertreter stärker an der Ausarbeitung von SPD-Positionen beteiligt werden.
Die SPD gehört zu Deutschlands ältesten Parteien und hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Sie regierte mehrere Jahre auf Bundesebene, bevor sie in die aktuelle Koalition unter Kanzler Friedrich Merz eintrat, der im Mai 2025 sein Amt antrat. Klingbeil ist seit Dezember 2021 Co-Vorsitzender der SPD und wurde im Mai 2025 Vizekanzler sowie Finanzminister. Bas führt die Partei seit Juni 2025 gemeinsam mit Klingbeil und ist im Merz-Kabinett Bundesministerin für Arbeit und Soziales.
Umfrage: 75 Prozent der Deutschen misstrauen der Doppelspitze Der demonstrative Schulterschluss beim Krisentreffen stand in deutlichem Kontrast zu den Ergebnissen einer am selben Tag veröffentlichten neuen ZDF-Umfrage. Im ZDF Politbarometer sagten 75 (%) — Prozent der Befragten, die zweifeln, dass Klingbeil und Bas die SPD aus der Krise führen, Klingbeil und Bas würden die SPD nach den Wahlniederlagen nicht aus der Krise führen. Unter SPD-Anhängern teilten 56 Prozent diese Einschätzung, während nur 29 Prozent der SPD-Anhänger Hoffnungen in das Führungsduo setzten. In der Gesamtbevölkerung glaubten lediglich 17 Prozent, dass das Paar die Lage der Partei drehen könne. Dieselbe Umfrage sah die SPD in der Sonntagsfrage bei 13 Prozent, also der hypothetischen Frage nach dem Wahlergebnis am Sonntag, und damit zwei Prozentpunkte niedriger als zuvor.
Alle Befragten: 75, SPD-Anhänger: 56
Trotz der schwachen Werte verzichteten führende SPD-Politiker aus den Ländern auf Forderungen nach einem Wechsel an der Spitze. Lies warnte ausdrücklich davor, Personaldiskussionen seien für normale Wähler nicht hilfreich. Klingbeil räumte die schwierige Lage ein, sagte aber, die Partei werde ihre Ziele „mit Kraft und Leidenschaft“ verfolgen. Ob aus der demonstrativen Geschlossenheit beim Treffen am 27. März in den kommenden Wochen tatsächlich eine Erholung in den Umfragen wird, bleibt offen.
Mentioned People
- Lars Klingbeil — Wicekanclerz, federalny minister finansów i współprzewodniczący SPD
- Bärbel Bas — Federalna minister pracy i spraw społecznych oraz współprzewodnicząca SPD
- Tim Klüssendorf — Sekretarz generalny SPD
- Friedrich Merz — Kanclerz Niemiec
Sources: 4 articles
- SPD versammelt sich hinter angeschlagener Spitze - WELT (DIE WELT)
- SPD: Die Genossen und ihr Reform-Trauma (Handelsblatt)
- SPD versammelt sich hinter angeschlagener Spitze (stern.de)
- Reformagenda: SPD versammelt sich hinter angeschlagener Spitze (ZEIT ONLINE)
- Wenig Vertrauen in SPD-Führung (Süddeutsche Zeitung)
- ZDF-"Politbarometer": SPD aus der Krise führen? Wenig Vertrauen in Parteichefs (Handelsblatt)
- ZDF-"Politbarometer": SPD aus der Krise führen? Wenig Vertrauen in Parteichefs (ZEIT ONLINE)