Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa haben in Berlin einen gemeinsamen Aktionsplan zur bilateralen Zusammenarbeit beschlossen. Laut Merz strebt al-Scharaa an, dass etwa 80 Prozent der über 900.000 in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren. Außenminister Johann Wadephul bestätigte am Dienstag während eines Besuchs in Kiew, dass diese Zielmarke der offiziellen Regierungslinie entspricht.

80-Prozent-Ziel

Präsident al-Scharaa strebt die Rückkehr von rund 740.000 Syrern aus Deutschland innerhalb von drei Jahren an.

Gemeinsamer Aktionsplan

Berlin und Damaskus vereinbaren eine verstärkte Zusammenarbeit bei Rückführungen und der Förderung freiwilliger Ausreisen.

Kurswechsel im Außenministerium

Johann Wadephul stützt das Rückkehrziel, nachdem er Ende 2025 noch Skepsis gegenüber einer Rückkehrwelle geäußert hatte.

Unverbindlichkeit der Quote

Die genannte Zahl von 80 Prozent ist nicht als rechtlich bindendes Ziel im offiziellen Aktionsplan verankert.

Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa haben bei einem Treffen in Berlin am Montag, den 30. März 2026, einen gemeinsamen Aktionsplan für die bilaterale Zusammenarbeit vereinbart. Dabei gab Merz das von al-Scharaa formulierte Ziel öffentlich wieder, wonach rund 80 Prozent der mehr als 900.000 derzeit in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren sollen. Bundesaußenminister Johann Wadephul bestätigte am Dienstag bei einem Besuch in Kiew, dass diese Zahl die offizielle Regierungspolitik widerspiegle, und stützte damit die Position von Merz. Der am Dienstag veröffentlichte gemeinsame Aktionsplan enthält zwar keine spezifischen Rückkehrzahlen, verpflichtet aber beide Regierungen dazu, Rückführungsverfahren zu stärken und die freiwillige Rückkehr zu fördern. Nach Daten aus dem Ausländerzentralregister leben derzeit etwa 930.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland.

Wadephul bestätigt 80-Prozent-Ziel von Kiew aus Wadephul ließ am Dienstag in Kiew auf direkte Nachfrage, ob es das Ziel der Bundesregierung sei, dass 80 Prozent der Syrer zurückkehren, keine Zweifel an der Position der Regierung aufkommen. „Was der Bundeskanzler sagt, ist selbstverständlich das Ziel der Bundesregierung” — Johann Wadephul via N-tv Wadephul betonte zudem, dass die Regierung entschlossen sei, jene Personen abzuschieben, die, wie er es ausdrückte, ihr Gastrecht in Deutschland verwirkt hätten; dies sei die Kernbotschaft des Treffens mit al-Scharaa am Montag gewesen. Er fügte hinzu, dass daran gearbeitet werde, Syrien zu einem Land zu machen, in dem Menschen sicher und mit wirtschaftlichen Perspektiven leben könnten. Dies solle Syrer natürlicherweise dazu ermutigen, zurückzukehren und am Wiederaufbau ihres Landes mitzuwirken. Die Erklärung des Außenministers am Dienstag markiert einen bemerkenswerten Wandel gegenüber einer Position, die er noch im November 2025 vertreten hatte. Damals hatte er nach einem Besuch in Syrien eine großangelegte Rückkehr angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen im Land als kaum erwartbar bezeichnet. Diese frühere Äußerung hatte seinerzeit Debatten innerhalb der Union ausgelöst.

Merz stellt klar: Die 80-Prozent-Quote stammt von al-Scharaa Angesichts der Kritik an seiner ersten Mitteilung stellte Merz am Dienstag explizit klar, dass die 80-Prozent-Zahl vom syrischen Interimspräsidenten stamme und nicht von Berlin ausginge. „Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst” — Friedrich Merz via stern.de Aus Regierungskreisen hieß es am Dienstag, es sei „grundsätzlich eine gute Nachricht“, wenn Syrer, die vor dem Bürgerkrieg geflohen waren, zurückkehrten und mit dem Wiederaufbau begännen. Das Treffen am Montag wurde als „wichtiges Signal“ bezeichnet. Beamte unterschieden dabei zwischen zwei parallelen Strängen: der zügigen und kontinuierlichen Abschiebung syrischer Straftäter und der umfassenderen Frage des Wiederaufbaus und der freiwilligen Rückkehr. Der gemeinsame Aktionsplan verpflichtet beide Seiten, „zuverlässige und wirksame Rückführungsverfahren“ für syrische Staatsangehörige ohne Bleiberecht in Deutschland zu stärken und gleichzeitig eine „freiwillige und schrittweise Rückkehr“ zu fördern. Die syrische Regierung nutzte das Treffen am Montag ihrerseits, um für Investitionen in den Wiederaufbau des Landes zu werben.

Aktionsplan setzt Rahmen ohne verbindliche Zielvorgaben Der während al-Scharaas Berlin-Besuchs vereinbarte Aktionsplan schafft einen Rahmen für die künftige Zusammenarbeit, vermeidet jedoch bewusst verbindliche numerische Rückkehrziele. Der syrische Bürgerkrieg, der 2011 begann, löste eine der größten Vertreibungskrisen der modernen Geschichte aus. Die Regierung von Baschar al-Assad wurde im Dezember 2024 gestürzt, und Ahmed al-Scharaa – zuvor bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Mohammad al-Julani – leitet seit Anfang 2025 die syrische Übergangsregierung. Deutschland wurde während der Hochphase der Fluchtbewegung zu einem der Hauptzielländer für syrische Flüchtlinge; die Frage der Rückkehr bleibt ein politisch hochsensibles Thema in der deutschen Innenpolitik. Das Dokument konzentriert sich auf zwei Säulen: die Stärkung der Verfahren zur Ausreise von Syrern ohne Bleiberecht sowie die Ermutigung zur schrittweisen freiwilligen Rückkehr. Im veröffentlichten Text finden sich weder ein Zeitplan noch Durchsetzungsmechanismen für die 80-Prozent-Quote. Regierungskreise in Berlin waren am Dienstag bemüht, das Ziel eher als erstrebenswertes Leitbild denn als verbindliche Vorgabe darzustellen. Die Übergangsregierung in Damaskus hat ein klares Interesse daran, sowohl Rückkehrer als auch ausländische Investitionen für den Wiederaufbau zu gewinnen, was al-Scharaa einen politischen Anreiz gibt, Optimismus hinsichtlich des Rückkehrtempos zu verbreiten. Die Diskrepanz zwischen der Ambition in der Pressekonferenz am Montag und der vorsichtigeren Sprache des Aktionsplans spiegelt die Komplexität wider, Erwartungshaltungen auf beiden Seiten zu steuern.

Mentioned People

  • Friedrich Merz — 10. Kanclerz Republiki Federalnej Niemiec
  • Ahmed al-Szara — Prezydent Syrii od 2025 roku
  • Johann Wadephul — Federalny Minister Spraw Zagranicznych w gabinecie Merza

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