Nach einer Zuständigkeitsentscheidung eines Gerichts in Palma de Mallorca hat die Staatsanwaltschaft Potsdam das Ermittlungsverfahren gegen den Entertainer Christian Ulmen übernommen. Die Behörde prüft Vorwürfe der sexualisierten digitalen Gewalt, die dessen Ex-Frau Collien Fernandes erhoben hat. Ulmen bestreitet die Anschuldigungen vollumfänglich, es gilt die Unschuldsvermutung.

Zuständigkeit geklärt

Die Staatsanwaltschaft Potsdam übernimmt den Fall, nachdem ein spanisches Gericht die eigene Zuständigkeit verneint hat.

Schwere Vorwürfe

Collien Fernandes wirft Christian Ulmen die Erstellung pornografischer Deepfakes und Identitätsdiebstahl vor.

Verfahrenshistorie

Nach einer ersten Einstellung in Itzehoe führten neue Veröffentlichungen im März 2026 zur Wiederaufnahme des Verfahrens.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat die strafrechtlichen Ermittlungen zu den Vorwürfen der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Entertainer Christian Ulmen, offiziell übernommen. Zuvor hatte ein Gericht in Palma de Mallorca entschieden, dass die spanische Justiz für den Fall nicht zuständig sei. Eine Sprecherin der Potsdamer Behörde bestätigte diesen Schritt am Dienstag gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und erklärte, man habe das Verfahren übernommen, da Ulmen im dortigen Zuständigkeitsbereich gelebt habe. Die Übertragung markiert die neueste Entwicklung in einem Fall, der in Deutschland eine breite Debatte über sexualisierte digitale Gewalt gegen Frauen ausgelöst hat. Fernandes, 44, wirft dem 50-jährigen Ulmen vor, gefälschte Profile in sozialen Netzwerken unter ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Fotos und Videos an Kontaktpersonen aus ihrem beruflichen Umfeld versendet zu haben. Ulmen weist alle Vorwürfe zurück.

Fernandes hatte im November 2024 zunächst Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Berliner Polizei erstattet, nachdem gefälschte Profile und pornografische Inhalte aufgetaucht waren. Die Staatsanwaltschaft Berlin gab das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Itzehoe in Schleswig-Holstein ab. Diese stellte das Verfahren im Juni 2025 mit Verweis auf fehlende Unterlagen seitens Fernandes ein. Ende März 2026 erreichte der Fall durch eine Recherche des Spiegel erneut die Öffentlichkeit. Darin nannte Fernandes Ulmen erstmals namentlich, woraufhin die Staatsanwaltschaft Itzehoe die Ermittlungen – nun konkret gegen Ulmen wegen des Verdachts des Nachstellens – wieder aufnahm.

Wichtige Ereignisse im Fall Fernandes-Ulmen: — ; — ; — ; — ; — ; —

Spanisches Gericht verweist auf deutschen Bezug Die Richterin der Kammer für Gewalt gegen Frauen am erstinstanzlichen Gericht in Palma de Mallorca erließ ein Dekret, wonach keine spanische Zuständigkeit vorliege. Sie folgte damit einer Empfehlung der Staatsanwaltschaft von Palma. In der Begründung hieß es, die wesentlichen Taten seien mutmaßlich auf deutschem Hoheitsgebiet oder über deutschsprachige digitale Plattformen begangen worden. Zudem seien alle Zeugen deutsche Staatsbürger mit Wohnsitz in Deutschland, und die Kommunikation müsse erst aus dem Deutschen übersetzt werden. Die Richterin betonte zudem, dass Fernandes in Deutschland eine prominente Persönlichkeit sei, während sie in Spanien kaum öffentliche Relevanz besitze; ein Reputationsschaden sei daher primär in Deutschland eingetreten. Das Argument der Anwälte von Fernandes, die digitale Kampagne betreffe aufgrund der großen deutschsprachigen Gemeinschaft auch Mallorca, wurde als nicht ausreichend zurückgewiesen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Beide Seiten halten sich rechtliche Schritte vor einem höheren spanischen Gericht offen.

„„Unser Mandant hat zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Frau Fernandes oder anderen Personen hergestellt und/oder verbreitet. Entsprechende Darstellungen sind unwahr.“” — Christian Schertz via newsORF.at

Staatsanwaltschaft prüft Anfangsverdacht Kern der Vorwürfe sind sogenannte Deepfakes. Ulmen soll unter dem Namen von Fernandes Profile erstellt und Nacktaufnahmen sowie Sex-Videos an Männer aus ihrem Arbeitsumfeld geschickt haben. Fernandes gab auf Instagram an, Ulmen habe ihr gegenüber die Taten gestanden, nachdem sie Anzeige gegen Unbekannt erstattet hatte. Die Staatsanwaltschaft Potsdam bestätigte den Erhalt der Akten aus Itzehoe und wird nun zeitnah entscheiden, ob die Ermittlungen fortgeführt werden. Dabei wird geprüft, ob sich ein hinreichender Anfangsverdacht gegen Ulmen erhärten lässt. Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow aus Itzehoe erklärte, die Abgabe nach Potsdam sei erfolgt, da dort mögliche Tatorte liegen könnten. Das Paar lebte gemeinsam in Potsdam, bevor es 2023 nach Mallorca zog.

Rechtsstreit um Spiegel-Berichterstattung dauert an Parallel zum Strafverfahren läuft eine juristische Auseinandersetzung um die Medienberichterstattung. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen den Spiegel an. Am 1. April bestätigte das Landgericht Hamburg, dass ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung vorliegt. Ulmens Rechtsvertreter bezeichneten die Berichte als einseitige Darstellung falscher Tatsachen. Der Fall hat unterdessen Proteste in mehreren deutschen Städten ausgelöst und die Debatte über die Wirksamkeit deutscher Gesetze gegen digitale Gewalt befeuert. Ein separates Verfahren auf Mallorca wegen eines mutmaßlichen Vorfalls häuslicher Gewalt wurde bereits zuvor eingestellt.

Mentioned People

  • Christian Ulmen — Niemiecki aktor, komik i producent, znany z ról w serialach „Jerks” i „Tatort”
  • Collien Fernandes — Niemiecka prezenterka telewizyjna, aktorka i autorka
  • Christian Schertz — Niemiecki prawnik specjalizujący się w prawie mediów, reprezentujący Christiana Ulmena
  • Peter Müller-Rakow — Starszy prokurator z prokuratury w Itzehoe

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