Die Italiener haben sich in einem zweitägigen Referendum am 22. und 23. März 2026 klar gegen die Justizreform von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ausgesprochen. Nach vorläufigen Auszählungen lag das „Nein“-Lager bei 53,7 Prozent vor dem „Ja“-Lager mit 46,3 Prozent. Die Beteiligung erreichte rund 59 Prozent und war damit für italienische Verhältnisse ungewöhnlich hoch.
Klare Ablehnung der Justizreform
Bei dem zweitägigen Referendum am 22. und 23. März 2026 stimmten 53,7 Prozent gegen die Reform und 46,3 Prozent dafür.
Meloni weist Rücktrittsgedanken zurück
Die Ministerpräsidentin kündigte an, ihre Regierung werde weitermachen, und sprach von einer verpassten Modernisierungschance für Italien.
Opposition sieht Verfassungsverteidigung
Partito Democratico, Five Star Movement und Giuseppe Conte werteten das Ergebnis als Sieg für die Verfassung und die Unabhängigkeit der Justiz.
Deutlicher regionaler Gegensatz
Nur Lombardei, Venetien und Friaul-Julisch Venetien stimmten mehrheitlich mit Ja; alle übrigen Regionen lehnten die Reform ab.
Politischer Spielraum schrumpft
Analysten sehen Meloni vor den Parlamentswahlen 2027 durch das Referendum und die stagnierende Wirtschaft unter zusätzlichem Druck.
Italienische Wähler haben die zentrale Justizreform von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in einem zweitägigen Referendum am 22. und 23. März 2026 mit klarer Mehrheit abgelehnt. Damit erlitt die rechtsgerichtete Regierung ihren ersten größeren politischen Rückschlag. Nach vorläufigen Ergebnissen lag das „Nein“-Lager bei 53.7 (percent) — 53,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen die Reform, während 46,3 Prozent mit „Ja“ stimmten, wie Teilauszählungen mehrerer europäischer Medien ergaben. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 59 Prozent. Das ist für Italien ein ungewöhnlich hoher Wert, da Referenden dort historisch meist nur schwach angenommen werden. Die Reform sah eine strikte Trennung der Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten sowie getrennte Selbstverwaltungsgremien für beide Berufsgruppen vor. Abgelehnt wurde sie in allen Regionen mit Ausnahme von drei norditalienischen Regionen.
Meloni kündigt an, trotz Niederlage weiterzumachen Meloni räumte das Ergebnis noch vor Abschluss aller Auszählungen in einer Videobotschaft in den sozialen Medien ein. Sie sagte, das Ergebnis sei eindeutig und ihre Regierung werde die Entscheidung des italienischen Volkes respektieren. Das gescheiterte Referendum bezeichnete sie als „verpasste Chance, Italien zu modernisieren“, wies aber jeden Rücktrittsgedanken zurück. „"Andremo avanti"” (Wir machen weiter) — Giorgia Meloni via NRC Sie stellte das Ergebnis als politischen Rückschlag dar und nicht als Urteil über ihr Regierungsmandat. Vorab hatte sie erklärt, sie betrachte das Referendum nicht als Vertrauensfrage. Damit unterscheidet sich ihre Haltung von der ihres Vorgängers Matteo Renzi, der 2016 nach einer verlorenen Verfassungsabstimmung zurücktrat. Beobachter, auf die sich die niederländische Zeitung de Volkskrant berief, sagten, die Niederlage schwäche Melonis Position dennoch im Inland wie auch in Europa.
Opposition feiert, Richter singen in Neapel „Bella Ciao“ Die Oppositionsparteien unter Führung der Mitte-links-Partei Partito Democratico und der Five Star Movement werteten das Ergebnis als Verteidigung der italienischen Verfassung. Giuseppe Conte, Vorsitzender der Five Star Movement und früherer Ministerpräsident, reagierte mit deutlichen Worten. „Wir haben es geschafft! Es lebe die Verfassung!” — Giuseppe Conte via de Volkskrant In Neapel markierten Richter das Ergebnis laut NRC mit dem Singen des italienischen Partisanenlieds „Bella Ciao“. Giovanni Orsina, Historiker und Politikwissenschaftler an der LUISS-Universität in Rom, sagte NRC, das Ergebnis sei „ein überwältigender Sieg für die Richter in Italien“. Er sagte außerdem voraus, keine Regierung werde für Jahrzehnte einen ähnlichen Reformversuch unternehmen. Orsina wies auch darauf hin, dass die 46,3 Prozent „Ja“-Stimmen ungefähr der Zustimmung zur Regierungskoalition in Umfragen entsprächen. Das spreche dafür, dass sich die Abstimmung weitgehend entlang von Parteigrenzen abgespielt habe.
Italien ringt seit Langem mit Spannungen zwischen der Exekutive und einer unabhängigen Justiz. Die Nachkriegsverfassung des Landes, die 1948 verabschiedet wurde, war mit starken Schutzmechanismen gegen den Faschismus ausgestattet, darunter der Schutz der richterlichen Unabhängigkeit. Die Partei Fratelli d'Italia von Meloni geht auf die postfaschistische Italienische Sozialbewegung zurück. Diese politische Herkunft wird von Kritikern in Debatten über Verfassungsänderungen immer wieder angeführt. Auch das Verfassungsreferendum von 2016 unter Matteo Renzi, das weitreichende Änderungen am Senat und an der regionalen Verwaltung vorsah, endete mit einer Niederlage und führte zum Rücktritt des Ministerpräsidenten. Meloni regiert Italien seit dem 22. Oktober 2022. Das Referendum im März 2026 war nach rund dreieinhalb Jahren im Amt ihre erste größere Niederlage bei einer Abstimmung.
Regionaler Bruch und weitere politische Gegenwinde verschärfen den Rückschlag Die geografische Verteilung des Votums machte das Ausmaß der Niederlage deutlich. Nur drei norditalienische Regionen — Lombardei, Venetien und Friaul-Julisch Venetien — stimmten mehrheitlich mit „Ja“, während in allen übrigen Regionen Italiens gegen die Reform votiert wurde, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtete. Mehrere Quellen verwiesen darauf, dass viele italienische Wähler die Reform als technisch kompliziert und schwer verständlich empfanden. Die de Volkskrant zitierte dabei die New York Times, der zufolge das Referendum weithin als Popularitätstest für Meloni wahrgenommen worden sei und nicht als Bewertung der konkreten Organisation der Justiz. Die NZZ verwies zudem auf den breiteren internationalen Kontext. Melonis wahrgenommene Nähe zu US-Präsident Donald Trump und die laufende US-israelische Militäroperation gegen den Iran hätten in Italien eine wachsende Anti-Trump-Stimmung ausgelöst, die womöglich zum Ausmaß des „Nein“-Votums beigetragen habe. De Volkskrant berichtete außerdem, steigende Benzinpreise im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt hätten die öffentliche Stimmung zusätzlich belastet. In Italien sind Parlamentswahlen für 2027 angesetzt. Analysten, auf die sich mehrere Medien beriefen, meinten, das Referendumsergebnis habe Melonis politischen Spielraum mit Blick auf diesen Termin zusammen mit einer stagnierenden Wirtschaft spürbar verkleinert.
Nein (Reform abgelehnt): 53,7, Ja (Reform angenommen): 46,3
Mentioned People
- Giorgia Meloni — Prezes Rady Ministrów Republiki Włoskiej od 22 października 2022 roku
- Giuseppe Conte — Przewodniczący Five Star Movement i były prezes Rady Ministrów
- Matteo Renzi — Były premier Włoch, który podał się do dymisji po przegranym referendum w 2016 roku
Sources: 18 articles
- Italien: Beendet die Niederlage beim Justiz-Referendum Melonis Erfolg? (Handelsblatt)
- COMMENTAIRE. Référendum en Italie : les citoyens ont dit " pas touche à ma Constitution " à Giorgia Meloni (Ouest France)
- Italianen stemmen in referendum tegen hervorming rechtssysteem, Meloni erkent verlies (NOS)
- Justizreform: Die Italiener erteilten Meloni eine Lektion (Frankfurter Allgemeine)
- "On ne touche pas à la Constitution!": la réforme de la justice de Giorgia Meloni est clairement rejetée - Le Temps (Le Temps)
- Giorgia Meloni suffers blow as Italian voters reject key reforms (The Independent)
- Italy's Meloni concedes referendum defeat, calling it 'a lost opportunity' (Al Jazeera Online)
- Meloni Hits an Unexpected Hurdle on Way to Re-Election Campaign (Bloomberg Business)
- Italie : Giorgia Meloni trébuche en tentant de réformer la magistrature (Le Figaro.fr)
- Italie : le référendum perdu sur la réforme de la justice ébrèche l'image de gagnante de Giorgia Meloni - RTBF Actus (RTBF)