Der bayerische Babynahrungshersteller HiPP ist Ziel eines Erpressungsversuchs geworden, bei dem gezielt Produkte mit Rattengift versetzt wurden. In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden bereits fünf manipulierte Gläschen sichergestellt, während ein sechstes Produkt weiterhin im Umlauf vermutet wird. Die Kriminalpolizei Ingolstadt hat die Ermittlungen aufgenommen, nachdem eine Lösegeldforderung über zwei Millionen Euro eingegangen war.
Erpressungsversuch gegen HiPP
Unbekannte forderten zwei Millionen Euro und drohten mit der Vergiftung von Babynahrung in drei Ländern.
Fünf kontaminierte Gläser gefunden
In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurde Rattengift in Gläschen der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ nachgewiesen.
Sicherheitsmerkmale für Kunden
Verbraucher sollen auf weiße Aufkleber mit rotem Kreis am Boden sowie auf das fehlende Vakuum-Knacken beim Öffnen achten.
Der deutsche Babynahrungshersteller HiPP bestätigte am Montag, dass fünf Gläschen seiner Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ vorsätzlich mit Rattengift kontaminiert wurden. Die betroffenen Produkte wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei sichergestellt, während die Polizei in Deutschland wegen eines Erpressungsversuchs gegen das Unternehmen ermittelt. Die Kriminalpolizei Ingolstadt bestätigte, dass sie die Ermittlungen unter der Aufsicht der Staatsanwaltschaft Ingolstadt wegen des Verdachts der versuchten Erpressung gegen Unbekannt führt. Alle fünf sichergestellten Gläschen konnten konfisziert werden, bevor sie konsumiert wurden; ein sechstes kontaminiertes Gläschen wird jedoch noch im österreichischen Handel vermutet. Die österreichische Supermarktkette Spar, zu der auch Eurospar-, Interspar- und Maximarkt-Filialen gehören, leitete am Wochenende einen dringenden Rückruf ein und entfernte die betroffenen Produkte an mehr als 1.000 Standorten.
Erpresser-E-Mail blieb wochenlang ungelesen Nach Berichten der österreichischen Zeitung „Die Presse“ ging bereits am 27. März eine E-Mail bei HiPP ein, in der 2 (Millionen Euro) — Lösegeldforderung eines Unbekannten an HiPP gefordert wurden. Der Absender setzte eine Frist bis zum 2. April und drohte damit, jeweils zwei Gläschen Babynahrung in drei spezifischen Supermärkten in Tschechien, der Slowakei und Österreich zu vergiften, sollte die Zahlung ausbleiben. HiPP bestätigte den Erhalt der Nachricht, gab jedoch an, dass diese an eine unpersonalisierte Sammeladresse gesendet wurde, die turnusgemäß nur in größeren Abständen gesichtet wird. Das Unternehmen informierte umgehend die Behörden und bildete einen internen Krisenstab, sobald die Kommunikation bemerkt wurde. Laut „Irish Independent“ erklärte die Ingolstadt Polizei, dass am 16. April alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet wurden, als die E-Mail entdeckt wurde. Österreichische Medien berichteten, dass Mitarbeiter die Nachricht offenbar erst zwei Wochen nach Ablauf des Ultimatums wahrnahmen. Die Polizei Ingolstadt machte keine weiteren Angaben zu Details der Erpressung, bestätigte aber laufende Ermittlungen gegen unbekannte Täter. „„Der Verfasser schickte uns eine Nachricht an eine unpersonalisierte Sammeladresse, die im Rahmen unserer Standardprozesse nur in größeren zeitlichen Abständen eingesehen wird.“” — HiPP via Irish Independent
Manipulierte Gläschen in Burgenland, Brünn und Dunajská Streda lokalisiert Das erste vergiftete Gläschen wurde nahe Eisenstadt im Burgenland entdeckt. Laboruntersuchungen bestätigten das Vorhandensein von Rattengift in der 190-Gramm-Packung der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ für Säuglinge ab dem fünften Monat. Zwei weitere manipulierte Gläschen tauchten in einem Supermarkt in Brünn auf. Dort bestätigte die Staatsanwaltschaft laut Medienberichten, dass beide Gläser am Boden einen weißen Aufkleber mit rotem Kreis trugen – ein Merkmal, das der Erpresser in seiner Nachricht angekündigt hatte. Zwei weitere Gläser wurden im slowakischen Dunajská Streda sichergestellt. Analysen bestätigten auch hier Spuren von Rattengift. Alle fünf Funde wiesen zudem physische Manipulationsspuren auf: Die Deckel waren beschädigt, sodass beim Öffnen das charakteristische Vakuum-Knacken fehlte. HiPP betonte, dass es sich um kriminelle Fremdeinwirkung außerhalb des Werksgeländes handle und die internen Produktions-, Qualitäts- und Kontrollprozesse ordnungsgemäß funktioniert hätten.
Erpressungsfall HiPP — Wichtige Ereignisse: — ; — ; — ; — ; —
Warnung an Verbraucher: Fokus auf Aufkleber und Vakuum-Verschluss Die Behörden der betroffenen Länder riefen Verbraucher dazu auf, HiPP-Gläschen vor dem Gebrauch genau zu prüfen. Es gibt drei spezifische Warnsignale: Der mutmaßliche Täter markierte manipulierte Gläser mit einem weißen Aufkleber samt rotem Kreis am Glasboden. Weitere Anzeichen sind ein bereits geöffneter oder beschädigter Deckel, das Fehlen des typischen „Plopp“-Geräuschs beim ersten Öffnen sowie ein ungewöhnlicher Geruch. HiPP und die Polizei riaten dringend davon ab, den Inhalt zu verfüttern, sollten diese Merkmale auftreten, und baten um sofortige Meldung bei der Polizei. Ein HiPP-Sprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass Produkte und Vertriebswege in Deutschland sowie anderen nicht betroffenen europäischen Ländern sicher seien. Rumänische Behörden gaben ebenfalls Entwarnung für ihren Markt, beobachteten die Lage jedoch genau. „„Dieser Rückruf ist nicht auf einen Produkt- oder Qualitätsfehler unsererseits zurückzuführen. Die Gläser haben unser Werk in einwandfreiem Zustand verlassen.“” — HiPP via ANSA
Produktmanipulationen zu Erpressungszwecken kommen in Europa immer wieder vor. Ein bekannter Fall ereignete sich 1988 und 1989 in Großbritannien, als der Polizist Rodney Whitchelo Babynahrung mit Chemikalien und Rasierklingen versetzte und vier Millionen Pfund forderte. Er wurde 1990 zu 17 Jahren Haft verurteilt. Solche Vorfälle führten zur Einführung der heute üblichen Sicherheitsverschlüsse. Im Jahr 2017 wurden zudem in Friedrichshafen am Bodensee mehrere Gläschen Babynahrung entdeckt, die mit lebensgefährlichen Mengen an Frostschutzmittel versetzt worden waren.
Mentioned People
- Rodney Whitchelo — Były brytyjski policjant skazany w 1990 roku za zatruwanie żywności dla niemowląt w celach wymuszenia okupu.
Sources: 35 articles
- Veleno per topi negli omogeneizzati, la polizia austriaca: "Alcuni vasetti manomessi" (Adnkronos)
- Gift in Babynahrung: "Hipp ist Opfer einer Erpressung" (RP Online)
- Fabrikant en politie: rattengif in babyvoeding is poging tot afpersing (NOS)
- Unternehmen: "Hipp ist Opfer einer Erpressung" (Süddeutsche Zeitung)
- Unternehmen: "Hipp ist Opfer einer Erpressung" (stern.de)
- Případ otrávené dětské výživy řeší kriminalisté ze tří zemí (ČT24 - Nejdůvěryhodnější zpravodajský web v ČR - Česká televize)
- La police recherche encore un petit pot pour bébés de marque HiPP empoisonné en Autriche (La Libre.be)
- Un petit pot pour bébés contenant de la mort-aux-rats "pourrait être en circulation en Autriche" (Le Figaro.fr)
- Mort-aux-rats dans des pots pour bébé : la police autrichienne recherche un dernier pot de la marque Hipp (SudOuest.fr)
- AcuzaÈ"ii de sabotaj, după ce a fost găsită otravă pentru È™obolani în mâncarea pentru bebeluÈ™i. Ce spun autorităÈ"ile din România (adevarul.ro)