Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ steht nach Plänen von Familienministerin Karin Prien im Zentrum eines politischen Streits. Kritik kommt vor allem von der SPD und den Grünen, Zustimmung dagegen von der AfD. Im Bundestag verteidigte Prien am Freitag ihre Linie und löste damit anhaltenden Widerspruch aus.
Prien will das Förderprogramm umstellen
Die Ministerin hält die bisherige Struktur von „Demokratie leben!“ für nicht ausreichend wirksam und will zwei Programmteile beenden.
SPD und Grüne sprechen von problematischen Folgen
Die SPD lehnt Kürzungen ab, während Grüne und Linke die angekündigten Prüfungen als politisch motiviert kritisieren.
AfD begrüßt den Kurs der Ministerin
Ausgerechnet die AfD lobt Priens Pläne, was die politische Debatte zusätzlich verschärft.
Germany's Demokratie leben!-Programm gegen Extremismus ist nach den Plänen von Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU zum Mittelpunkt eines scharfen politischen Streits geworden. Prien hatte eine Umstrukturierung der Initiative angekündigt und damit Kritik des Koalitionspartners SPD sowie von Oppositionsparteien ausgelöst; zugleich erhielt sie Lob von der rechtsextremen AfD. Das Programm läuft seit 2014 und verfügt in diesem Jahr über rund 190 Millionen Euro, mit denen Vereine und Projekte gefördert werden, die sich bundesweit gegen Radikalisierung und Polarisierung engagieren. Prien, die seit Mai 2025 Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, argumentierte, die Ergebnisse des Programms rechtfertigten seine bisherige Struktur nicht, und manche Projekte hätten keinen messbaren Erfolg nachgewiesen. Die Umstrukturierung würde zwei Bestandteile des Programms beenden — die sogenannten Innovationsprojekte und die bundesweiten Infrastrukturvorhaben — und bis zum Jahresende rund 200 Projekte betreffen. Derzeit unterstützt das Programm 360 Partnerschaften für Demokratie sowie bundesweit etwa 3.000 Projekte oder Initiativen. Die Ankündigung löste am Freitag eine aktuelle Debatte im Bundestag aus, in der Prien aus mehreren politischen Richtungen anhaltende Kritik entgegenschlug.
SPD zieht bei Kürzungen eine klare Linie SPD-Abgeordnete Saskia Esken ergriff im Bundestag das Wort, um klarzumachen, dass ihre Partei Kürzungen bei dem Programm nicht akzeptieren werde. „Für uns als Sozialdemokraten ist eines klar: Wir werden diese Förderung weiterhin ohne Kürzungen unterstützen. Wenn Rechtsextreme unsere Demokratie angreifen, ist es notwendig, stabil zu bleiben.” — Saskia Esken via Frankfurter Allgemeine Esken räumte ein, dass die rund 200 Millionen Euro, um die es gehe, nach ihren Worten „einen überschaubaren Anteil unseres Haushalts“ ausmachten, nutzte diese Einordnung aber, um den politischen Stellenwert zu betonen und nicht, um ihn zu relativieren. Der SPD-Berichterstatter Felix Döring und der Parlamentarische Geschäftsführer Dirk Wiese warnten getrennt voneinander, Priens Pläne könnten über das hinausgehen, was der Koalitionsvertrag zulasse, und demokratische Initiativen könnten dadurch zum Schweigen gebracht werden. Der Umgang mit der Organisation HateAid sei aus Sicht von SPD-Vertretern „völlig inakzeptabel“, wie ZEIT ONLINE berichtete. Esken kritisierte zudem die Unsicherheit, die durch die Ankündigungen aus Priens Ministerium entstanden sei, und verwies auf das, was sie als rechtsextreme Kampagnen bezeichnete, die „auch die Mitte getroffen hätten“ — eine deutliche Spitze gegen die CDU selbst. Die SPD kündigte an, das direkte Gespräch mit Prien suchen zu wollen; damit blieb der Streit in der Koalition zunächst ungelöst.
Verfahren zur verfassungsrechtlichen Prüfung sorgt in der Zivilgesellschaft für Alarm Ein zentraler Streitpunkt ist Priens Einleitung eines umfassenden Haber-Verfahrens bei den Empfängern von Fördermitteln, das sie bereits im August 2025 in einem Schreiben an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion angekündigt hatte. Das Verfahren sollte sicherstellen, dass alle Empfänger öffentlicher Mittel aktiv die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands unterstützen. Derselbe Mechanismus löste bereits Kontroversen aus, als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ihn nutzte, um drei linke Buchhandlungen zu überprüfen und sie anschließend vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen. Die Grünen und die Linkspartei warfen Prien vor, eine politische Agenda gegen linke zivilgesellschaftliche Organisationen zu verfolgen, und erklärten, sie stehe dabei unter Druck der AfD. CSU-Abgeordnete Anja Weisgerber verteidigte die Prüfungen im Bundestag mit dem Argument, Organisationen, die von Verfassungsschutzbehörden genannt würden, dürften nicht zugleich Steuergeld erhalten. AfD-Abgeordneter Kay Gottschalk ging noch weiter und bezeichnete die geförderten Initiativen in scharfen Worten als „ultralinke extremistische Frontorganisationen“. Unter den Vereinen und Organisationen, die über das Programm gefördert wurden, wurde auf die Umstrukturierungspläne mit offener Alarmstimmung reagiert.
Demokratie leben! wurde 2014 von der damaligen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Bundesprogramm zur Stärkung der demokratischen Kultur und zur Vorbeugung gegen Extremismus aufgelegt. Es befindet sich inzwischen in seiner dritten Förderperiode, die von 2025 bis 2032 läuft, und ist Teil der breiteren Resilienzstrategie der Bundesregierung. Karin Prien folgte nach der Bildung des Merz-Kabinetts im Mai 2025 im Ministerium auf die Grünen-Politikerin Lisa Paus. Wolfram Weimer, Verleger und parteiloser Politiker, ist seit 2025 Staatsminister für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt.
Prien sucht den Ausgleich, während sich die Fronten verhärten Prien versuchte, die politischen Folgen ihrer Vorschläge während der Bundestagsdebatte abzumildern, und stellte die Umstrukturierung als Zeichen institutionellen Lernens dar und nicht als ideologische Zielsetzung. „Teile des Programms sind zweifellos erfolgreich.” — Karin Prien via Frankfurter Allgemeine Sie dankte den zivilgesellschaftlichen Organisationen für ihr Engagement und rief alle Parteien dazu auf, einen „Grabenkrieg“ zu vermeiden; zugleich streckte sie nach eigener Darstellung die Hand aus an alle, die Demokratie stärken und Extremismus bekämpfen wollen. In der Wochenzeitung Welt am Sonntag hatte sie die Änderungen zuvor mit Effizienzgründen begründet und erklärt, die Programmziele würden „nicht erreicht oder nicht nachhaltig erreicht“, obwohl die Beteiligten hoch motiviert seien. Das öffentliche Lob der AfD für Priens Pläne erschwerte ihre politische Positionierung zusätzlich und lieferte den Oppositionsparteien Argumente, um zu behaupten, die Umstrukturierung passe unabhängig von den Absichten der Ministerin zu den Prioritäten der extremen Rechten. 200 (Projekte) — Initiativen, die bis Ende 2026 beendet werden sollen Der Streit hat auch Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht, der nach Berichten hinter seiner Ministerin steht; die Spannung in der Koalition mit der SPD über die Zukunft des Programms blieb am Freitag jedoch ungelöst.
Mentioned People
- Karin Prien — federalna minister edukacji, rodziny, seniorów, kobiet i młodzieży w gabinecie Merza
- Wolfram Weimer — minister stanu przy kanclerzu federalnym i pełnomocnik rządu ds. kultury i mediów
- Saskia Esken — polityczka SPD i jedna z najbardziej rozpoznawalnych przedstawicielek socjaldemokratów w Bundestagu
- Friedrich Merz — kanclerz federalny Niemiec od maja 2025 roku
- Felix Döring — sprawozdawca SPD w Bundestagu
Sources: 5 articles
- "Demokratie leben!": Warum um das Programm gestritten wird - WELT (DIE WELT)
- Gegen Extremismus: "Demokratie leben!": Warum um das Programm gestritten wird (ZEIT ONLINE)
- Gegen Extremismus: "Demokratie leben!": Warum um das Programm gestritten wird (Handelsblatt)
- "Demokratie leben!": Warum um das Programm gestritten wird (Süddeutsche Zeitung)
- Kritik auch vom Koalitionspartner: Familienministerin Prien verteidigt Umbau von "Demokratie leben!"-Programm (N-tv)
- Demokratie leben: AfD lobt Priens Umbauplan (Frankfurter Allgemeine)
- Initiativen gegen Rechts: SPD kritisiert Priens Reform des Förderprogramms "Demokratie leben" (ZEIT ONLINE)
- "Demokratie leben!": Kontroverse Debatte im Bundestag über Neuausrichtung (stern.de)
- Bundesfamilienministerin Prien: "Rechtsextremismus bleibt größte Demokratie-Gefahr" (RP Online)
- Anne Frank Zentrum gegen Einschnitte bei "Demokratie leben!" (stern.de)