Die polnische Regierung hat ein Eilpaket auf den Weg gebracht, das die Kraftstoffpreise um etwa 1,20 Polnische Zloty je Liter senken soll. Ministerpräsident Donald Tusk stellte die Vorlage am 26. März 2026 vor, kurz vor Ostern und inmitten deutlich gestiegener Preise an den Tankstellen. Das Paket soll noch am selben Tag im Sejm beraten werden.

Regierung bringt Eilpaket durch den Sejm

Das Paket soll die Kraftstoffpreise um rund 1,20 Polnische Zloty je Liter senken und umfasst VAT, Verbrauchsteuer und eine Preisobergrenze.

Präsident will wohl unterzeichnen

Karol Nawrocki signalisiert Zustimmung, verlangt aber, dass die Gesetze keine sachfremden Ergänzungen enthalten.

Opposition kritisiert späte Reaktion

Recht und Gerechtigkeit kündigt Zustimmung an, wirft der Regierung aber eine teure Verzögerung vor.

Politischer Blick auf Ostern

Kommentatoren sehen in der Ankündigung auch ein taktisches Signal an weniger politisch aktive Wähler vor den Feiertagen.

Die polnische Regierung hat ein Eilpaket auf den Weg gebracht, das die Kraftstoffpreise um etwa 1,20 Polnische Zloty je Liter senken soll. Ministerpräsident Donald Tusk kündigte das Paket — genannt CPN, also Ceny Paliwa Niżej — am 26. März 2026 an, nachdem steigende Preise an den Tankstellen polnische Autofahrer und Landwirte vor den Osterfeiertagen belastet hatten. Das Paket kombiniert drei Maßnahmen: eine Senkung der VAT auf Kraftstoff von 23 Prozent auf 8 Prozent, eine Senkung der Verbrauchsteuer auf das nach EU-Recht zulässige Mindestmaß sowie die Einführung eines befristeten Mechanismus für einen maximalen Einzelhandelspreis an den Tankstellen. Der Sejm begann am Abend des 26. März mit der Beratung der Gesetzentwürfe im Eilverfahren; die Abstimmung war für den 27. März um 11.30 Uhr angesetzt. Die Regierung machte für den Preisanstieg Marktturbulenzen verantwortlich, die mit dem andauernden Konflikt im Nahen Osten und den USA in Verbindung stünden.

Spritpaket CPN — Zentrale Änderungen: VAT auf Kraftstoff (before: 23%, after: 8%); Verbrauchsteuer (before: Standardnationaler Satz, after: EU-Mindestmaß); Einzelhandelspreis (before: Unreguliert, after: Befristete Preisobergrenze)

Präsident signalisiert Zustimmung — aus den Vereinigten Staaten Präsident Karol Nawrocki, der im August 2025 sein Amt angetreten hat, ließ über sein Umfeld mitteilen, dass er die Gesetze unterzeichnen werde, auch während einer Auslandsreise zur CPAC-Konferenz in den Vereinigten Staaten, die er für Freitag, den 27. März, eingeplant hatte. Aus der Präsidialkanzlei hieß es, für seine Unterschrift gelte eine Bedingung: Die Entwürfe müssten sich ausschließlich mit den Kraftstoffpreisen befassen und dürften keine sachfremden Ergänzungen enthalten — im polnischen Politikjargon „wrzutki“, also Anhängsel. „Wir warten auf die Einzelheiten. Wenn es sich um einen Gesetzentwurf oder mehrere Gesetzentwürfe handelt, die einfach die Kraftstoffpreise senken und einen Höchstpreis festlegen, ohne irgendwelche „wrzutki“, dann wird der Präsident das Gesetz unterzeichnen. Andere Entscheidungen sind schwer zu erwarten” — Karol Nawrocki associate via Do Rzeczy Ein weiterer Vertrauter bestätigte, dass eine Unterzeichnung aus der Ferne rechtlich kein Problem sei. „Es gibt überhaupt kein Problem; sowohl Gesetze als auch Entscheidungen können aus der Ferne unterzeichnet werden, also gibt es, wenn der Präsident das möchte, überhaupt kein Problem” — Karol Nawrocki associate via Do Rzeczy Energieminister Miłosz Motyka sagte am Morgen des 27. März, die Gesetze sollten noch an diesem Tag auf dem Schreibtisch des Präsidenten landen. Die ersten Preissenkungen an den Tankstellen könnten damit schon an diesem Wochenende sichtbar werden.

Opposition unterstützt Senkung, wirft Tusk aber einen teuren Monat Verzögerung vor Die größte Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit kündigte an, die Gesetze zur Senkung der Kraftstoffpreise zu unterstützen. In der Sejm-Debatte griff sie die Regierung zugleich dafür an, aus ihrer Sicht zu lange nicht gehandelt zu haben. Przemysław Czarnek, Abgeordneter von Recht und Gerechtigkeit, formulierte die Position seiner Partei unmissverständlich.

„Recht und Gerechtigkeit wird alle Entscheidungen unterstützen, die darauf abzielen, die Kraftstoffpreise an den Tankstellen zu senken” — Przemysław Czarnek via NIEZALEZNA.PL

Sein Parteikollege Zbigniew Kuźmiuk ging noch weiter und warf der Regierung gezielte Untätigkeit vor. Er bezifferte die Kosten der Verzögerung für Autofahrer und Landwirte zusammen auf 2 Milliarden Polnische Zloty. „Ihre Verzögerung hat alle Autofahrer sowie die Landwirte, wie wir geschätzt haben, bereits etwa 2 Milliarden Zloty gekostet. Sie haben zugelassen, dass die Polen diesen Monat ausgeplündert werden. Soweit ich das verstehe, haben Sie das ganz absichtlich getan” — Zbigniew Kuźmiuk via NIEZALEZNA.PL Kuźmiuk widersprach auch der Darstellung der Regierung, es handle sich um eine beispiellose Krise. Er verwies darauf, dass der in Zloty umgerechnete Ölpreis derzeit bei 350 bis 400 Zloty liege — im Vergleich zu 500 bis 600 Zloty während des Energie-Schocks 2022 — die Kraftstoffpreise an der Zapfsäule aber mindestens 1 Zloty je Liter höher lägen als damals. Piotr Müller, Europaabgeordneter von Recht und Gerechtigkeit, bezeichnete die Reaktion der Regierung vor der Sejm-Sitzung im Fernsehen von Republika als „Schneckentempo“.

2 billion (PLN) — Geschätzte Kosten der Verzögerung der Regierung nach Angaben von PiS-Abgeordnetem Kuźmiuk

Tusk kalkuliert politisch: Ostern und der „normale“ Wähler Politische Kommentatoren sahen in dem Zeitpunkt des CPN-Pakets eine klare Wahlstrategie. Die Intervention komme kurz vor Ostern, also zu einer Zeit, in der Millionen Polen durchs Land reisten, um ihre Familien zu besuchen, und die Kraftstoffkosten zu einer spürbaren Haushaltsfrage würden. In einer Analyse von Newsweek Polska wurde der Schritt als „eine einfache, offensichtliche Bewegung direkt aus dem politischen Einmaleins“ beschrieben. Tusk habe sich damit in eine bekannte Rolle gesetzt: die eines Ministerpräsidenten, der sichtbar auf den Druck reagiert, dem gewöhnliche Bürger ausgesetzt seien. Die Analyse hielt fest, dass das zentrale Ziel des Regierungslagers nicht darin bestehe, überzeugte Gegner umzustimmen, sondern weniger politisch interessierte Wähler — als „Normalos“ beschrieben — daran zu hindern, über die Feiertage zu klagen, die Regierung habe nichts getan. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass Recht und Gerechtigkeit das Thema Kraftstoffpreise in den Wochen zuvor selbst nicht habe ausschöpfen können; Czarneks frühere Forderungen nach einer Senkung der VAT seien von innerparteilichen Streitigkeiten und anderen Kontroversen überlagert worden. Das CPN-Paket wurde als befristet beschrieben und ausdrücklich an die Dauer des Konflikts im Nahen Osten sowie dessen Auswirkungen auf die weltweiten Energiemärkte gekoppelt.

Polen führte während der Energiekrise 2022 befristete Senkungen der Kraftstoffsteuer ein, nachdem die globalen Energiepreise infolge der russischen Invasion in die Ukraine gestiegen waren. Das aktuelle CPN-Paket knüpft an diese frühere Intervention an und verbindet erneut eine Senkung der VAT und der Verbrauchsteuer mit einer Preissteuerung im Einzelhandel. Auch die Maßnahmen von 2022 wurden im Sejm im Eilverfahren beraten und als Notreaktion auf externe Marktschocks dargestellt. Der aktuelle Preisanstieg wird auf Marktstörungen zurückgeführt, die aus dem von den USA geführten militärischen Konflikt im Nahen Osten resultierten, der Ende Februar 2026 begann.

Mentioned People

  • Donald Tusk — Prezes Rady Ministrów Polski od grudnia 2023 roku
  • Karol Nawrocki — Prezydent Rzeczypospolitej Polskiej od 6 sierpnia 2025 roku
  • Miłosz Motyka — Minister energii w trzecim gabinecie Donalda Tuska od 2025 roku
  • Przemysław Czarnek — Poseł reprezentujący partię Prawo i Sprawiedliwość (PiS)
  • Zbigniew Kuźmiuk — Poseł Prawa i Sprawiedliwości (PiS)
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych od stycznia 2025 roku

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