Bei der Parlamentswahl am 12. April 2026 hat die Tisza-Partei von Péter Magyar einen historischen Sieg über die langjährige Fidesz-Regierung errungen. Mit 138 von 199 Sitzen verfügt die neue Regierung über eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit und beendet damit die 16-jährige Amtszeit von Ministerpräsident Viktor Orbán.

Historischer Machtwechsel

Die Tisza-Partei beendet nach 16 Jahren die Regierungszeit von Viktor Orbán und erringt eine Zweidrittelmehrheit.

Pro-europäischer Kurs

Wahlsieger Péter Magyar plant eine enge Zusammenarbeit mit der EU und ein Ende der Blockadepolitik gegenüber der Ukraine.

Rekord-Wahlbeteiligung

Mit 77,8 Prozent nahmen so viele Menschen wie noch nie seit der demokratischen Wende an der Wahl teil.

Die Tisza-Partei von Péter Magyar hat die Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April 2026 gewonnen. Mit 138 der insgesamt 199 Sitze sicherte sich die Partei eine Zweidrittelmehrheit und beendete die 16-jährige Herrschaft der Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán. Nach Auszählung von über 98 Prozent der Stimmen verzeichnete Tisza laut der nationalen Wahlkommission zwischen 53,2 und 53,6 Prozent der Wählerstimmen, was mehr als drei Millionen Stimmzetteln entspricht. Orbáns Fidesz, die seit 2010 ununterbrochen regiert hatte, fiel auf 55 Sitze bei einem Stimmenanteil von etwa 38 Prozent zurück und wird damit zur größten Oppositionspartei. Die rechtsextreme Bewegung Unsere Heimat (Mi Hazánk) überwand die Fünf-Prozent-Hürde mit 5,8 bis 5,9 Prozent der Stimmen und erhält 6 Sitze. Linke, grüne oder liberale Parteien zogen nicht in das Parlament ein. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77.8 (%) — einer Rekordbeteiligung bei der ungarischen Wahl 2026 den höchsten Stand seit der demokratischen Wende in Ungarn. Tisza-Partei: 138, Fidesz: 55, Unsere Heimat (Mi Hazánk): 6 Ungarn hielt 1990 nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft seine ersten freien Wahlen ab. Viktor Orbán amtierte zunächst von 1998 bis 2002 als Ministerpräsident und kehrte 2010 mit einer Zweidrittelmehrheit an die Macht zurück, die es ihm ermöglichte, die Verfassung umzugestalten und staatliche Institutionen neu auszurichten. In den folgenden 16 Jahren nutzte Orbán aufeinanderfolgende Supermehrheiten, um ein System zu festigen, das Kritiker als semi-autoritär bezeichneten, indem er Vertraute in Justiz, Staatsanwaltschaft und Medienaufsicht positionierte. Das Verhältnis Ungarns zur Europäischen Union verschlechterte sich in dieser Zeit massiv, woraufhin Brüssel aufgrund von Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit Fördergelder in Milliardenhöhe einfror. Die Wahl 2026 wurde vom Schweizer Rundfunk SRF als die bedeutendste Richtungsentscheidung seit dem demokratischen Übergang 1989/1990 beschrieben. Magyar, der eine ungarische Flagge schwenkte, schritt vor seiner Siegesrede durch Zehntausende Unterstützer, die sich am Budaer Donauufer direkt gegenüber dem beleuchteten Parlamentsgebäude versammelt hatten. „Gemeinsam haben wir das System Orbán abgewählt, gemeinsam haben wir Ungarn befreit.” — Péter Magyar via SRF News Magyar forderte die von der scheidenden Regierung eingesetzten Amtsträger zum Rücktritt auf und nannte dabei namentlich Präsident Tamás Sulyok, Generalstaatsanwalt Gábor Bálint Nagy sowie die Spitzen des Verfassungsgerichts und der Medienbehörde. Die Zweidrittelmehrheit verleiht Magyar die verfassungsrechtliche Macht, diese Funktionäre abzuberufen und zu ersetzen – ein Instrument, das Orbán nach 2010 selbst umfassend genutzt hatte. Magyar, der zwei Jahre vor der Wahl nach seiner Zugehörigkeit zum inneren Zirkel mit der Fidesz gebrochen hatte, versprach, die Korruption zu beenden, das Verhältnis zur EU zu heilen und Ungarn zu einem verlässlichen Partner in der NATO und der Union zu machen. Orbán räumte seine Niederlage am Sonntagabend ein: „Wir werden der ungarischen Nation und unserer Heimat auch aus der Opposition heraus dienen.” — Viktor Orbán via SRF News Brüssel atmet auf nach dem Ende der Ära Orbán in BudapestEuropäische Staats- und Regierungschefs reagierten mit deutlicher Erleichterung auf das Ergebnis. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gehörte zu den ersten, die sich öffentlich äußerten: „Heute Abend schlägt das Herz Europas in Ungarn kräftiger.” — Ursula von der Leyen via tagesschau.de Von der Leyen schrieb zudem, Ungarn habe sich für Europa entschieden und die Union werde dadurch gestärkt; sie vereinbarte mit Magyar eine enge künftige Zusammenarbeit. Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte Magyar unmittelbar nach Bekanntgabe des Trends: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa.” — Friedrich Merz via tagesschau.de Außenminister Johann Wadephul begrüßte den Ausgang und äußerte die Hoffnung, dass Ungarn seine großen Chancen in und mit Europa wieder nutzen werde. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Co-Vorsitzender der SPD, ordnete das Ergebnis geopolitisch ein: „Die ungarische Bevölkerung hat sich mit großer Mehrheit für die Demokratie und für Europa entschieden.” — Lars Klingbeil via tagesschau.de Klingbeil bezeichnete das Resultat als schwere Niederlage für Putin und all jene, welche die europäischen Demokratien zerstören wollten. Manfred Weber, Präsident der Europäischen Volkspartei, sprach von einem klaren Sieg für die Demokratie und erklärte, Magyars Wahlkampf zeige, wie Rechtspopulisten besiegt werden könnten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gratulierte Magyar zu seinem „überwältigenden Sieg“ und zeigte sich bereit, die Kooperation zwischen der Ukraine und Ungarn zu vertiefen. Eingefrorene EU-Milliarden und Ukraine-Hilfe als PrioritätenDie praktischen Auswirkungen der Wahl reichen weit über die Grenzen Ungarns hinaus. Brüssel erwartet nun eine Abkehr von Orbáns Blockadehaltung bei wichtigen EU-Entscheidungen. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass die neue Regierung ihr Veto gegen die Auszahlung eines bereits genehmigten EU-Kredits in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine aufgeben wird. Valérie Hayer, Fraktionsvorsitzende von Renew Europe im Europaparlament, sagte, mit Orbáns Niederlage verlören US-Präsident Donald Trump, der russische Präsident Wladimir Putin und der französische Rassemblement National ihren wichtigsten Verbündeten in Europa. Magyar steht jedoch nicht nur außenpolitisch unter Druck: Die Wähler fordern im Inland Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Stagnation und die Korruption. Seine Tisza-Partei wurde in nur zwei Jahren aufgebaut und vereint hochqualifizierte Experten mit eigensinnigen, unabhängigen Persönlichkeiten – eine Konstellation, die laut Analysten die Regierungsarbeit verkomplizieren könnte. Die Zweidrittelmehrheit ermöglicht es Magyar zwar, Verfassungsänderungen ohne Koalitionspartner durchzusetzen, doch der Erfolg seiner Regierung wird davon abhängen, ob er diesen strukturellen Vorteil in greifbare Reformen umsetzen kann, während er die hohen Erwartungen der mobilisierten Wählerschaft moderieren muss.

Mentioned People

  • Péter Magyar — Przewodniczący partii Tisza i prawdopodobny przyszły premier Węgier
  • Viktor Orbán — 56. premier Węgier i przewodniczący partii Fidesz
  • Ursula von der Leyen — Przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 roku
  • Friedrich Merz — Kanclerz Niemiec od maja 2025 roku
  • Johann Wadephul — Federalny minister spraw zagranicznych Niemiec od maja 2025 roku
  • Lars Klingbeil — Wicekanclerz i federalny minister finansów Niemiec od maja 2025 roku
  • Vladimir Putin — Prezydent Rosji

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