Die pro-europäische Tisza-Partei unter der Führung von Péter Magyar hat bei der Parlamentswahl am 12. April 2026 einen historischen Sieg erzielt. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verdrängt sie die langjährige Fidesz-Regierung von Viktor Orbán von der Macht. Der Wahlsieg beendet eine 16-jährige Regierungszeit, die das Land politisch tiefgreifend transformiert hatte.
Historischer Wahlsieg
Die Tisza-Partei erringt eine Zwei-Drittel-Mehrheit und beendet Viktor Orbáns 16-jährige Herrschaft.
Rekord-Wahlbeteiligung
Mit 79 Prozent beteiligten sich so viele Ungarn wie noch nie zuvor an einer demokratischen Wahl.
Pro-europäische Wende
Péter Magyar kündigt ein Ende der Korruption, den Beitritt zur EU-Staatsanwaltschaft und engere Beziehungen zum Westen an.
Die Mitte-rechts orientierte, pro-europäische Tisza-Partei von Péter Magyar hat bei der ungarischen Parlamentswahl am 12. April 2026 einen deutlichen Sieg errungen. Damit endet die 16-jährige Regierungszeit von Viktor Orbán, während Tisza eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament absichert. Vorläufige Ergebnisse, die auf der Auszählung von mehr als 98 Prozent der Stimmen basieren, deuten darauf hin, dass die Tisza-Partei 138 Sitze in der Nationalversammlung mit insgesamt 199 Sitzen erhalten wird. Orbáns Fidesz-Partei käme demnach auf 55 Sitze, die rechtsextreme Partei „Unsere Heimat“ auf sechs. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 79% (der Wahlberechtigten) — einem Rekordwert in der demokratischen Geschichte Ungarns einen neuen Höchststand. Magyar betonte, dass noch nie zuvor so viele Ungarn an einer einzigen Wahl teilgenommen hätten. Der 62-jährige Orbán trat in einem Budapester Konferenzzentrum vor seine Fidesz-Kollegen und erkannte das Ergebnis an. „Das Wahlergebnis ist eindeutig und schmerzhaft. Die kommenden Tage dienen dazu, unsere Wunden zu heilen.” — Viktor Orbán via BBC Tisza: 138, Fidesz: 55, Unsere Heimat: 6 Viktor Orbán bekleidete das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten erstmals von 1998 bis 2002 und kehrte 2010 an die Macht zurück. Seit 2010 gewann Fidesz vier aufeinanderfolgende Supermajoritäten im Parlament (2010, 2014, 2018 und 2022), was Orbán zum am längsten amtierenden Regierungschef in der Europäischen Union machte. Während dieser Zeit verfolgte Orbán das Ziel einer von ihm so bezeichneten „illiberalen Demokratie“. Er führte ein Grundgesetz ein, das Teile der Verfassung ersetzte und Prinzipien der nationalen Identität sowie christlicher Traditionen verankerte. Die Europäische Union setzte aufgrund von Bedenken hinsichtlich demokratischer Standards Förderungen in Milliardenhöhe aus. Orbán pflegte zudem enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, während es wiederholt zu Konflikten mit Brüssel kam. Ehemaliger Fidesz-Insider baute Bewegung in kürzester Zeit aufDer 45-jährige Magyar ist ein in Budapest geborener Jurist, der einen Großteil seiner Karriere innerhalb des Fidesz-Apparats verbrachte, unter anderem als Diplomat in Brüssel sowie in Führungspositionen bei einer staatlichen Bank und der staatlichen Studienbeihilfebehörde. Sein Aufstieg zur nationalen Bekanntheit begann im Jahr 2024, nachdem bekannt geworden war, dass die Regierung Orbán einen Mann begnadigt hatte, der wegen Beihilfe zur Vertuschung von sexuellem Kindesmissbrauch in einem Kinderheim verurteilt worden war. Der Skandal führte zum Rücktritt von Magyars Ex-Frau Judit Varga, die als Justizministerin amtiert hatte und als mögliche Nachfolgerin Orbáns gehandelt worden war. Magyar reagierte öffentlich darauf, warf Fidesz-Funktionären vor, Varga als Sündenbock zu benutzen, und veröffentlichte Tonaufnahmen, die Korruption auf höchster Staatsebene belegen sollten. Nur vier Monate nach seinem ersten großen Interview auf einem YouTube-Kanal erreichte seine Partei bei der Europawahl im Juni 2024 etwa 30 Prozent der Stimmen, womit sie hinter Fidesz auf dem zweiten Platz landete und die restliche Opposition hinter sich ließ. In den folgenden zwei Jahren reiste Magyar durch ganz Ungarn und hielt bis zu sechs oder sieben Kundgebungen täglich ab. Er baute stetig eine Bewegung auf, deren Aufstieg Analysten als beispiellos in der ungarischen Politik nach der Wende bezeichneten. „Noch nie in der Geschichte des demokratischen Ungarns haben so viele Menschen gewählt – und keine einzelne Partei hat jemals ein so starkes Mandat erhalten.” — Péter Magyar via BBC Magyar verspricht Annäherung an die EU und Warschau als erstes ReisezielMagyar trat mit dem Versprechen an, die westliche Orientierung Ungarns wiederherzustellen, die unter Orbán eingefrorenen EU-Gelder freizugeben und die Abhängigkeit von russischer Energie bis 2035 zu beenden. Gleichzeitig strebe er „pragmatische Beziehungen“ zu Moskau an. Er kündigte an, Reformen der Ära Orbán im Bildungs- und Gesundheitswesen rückgängig zu machen, die Unabhängigkeit der Justiz wiederherzustellen und das als NER bekannte Günstlingssystem abzubauen. Am Wahlmorgen erklärte Magyar vor Bekanntgabe der Ergebnisse, dass seine ersten Prioritäten Anti-Korruptions-Maßnahmen und der Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft seien. Seine erste Auslandsreise als Ministerpräsident werde ihn nach Warschau führen, was er als Geste zur Stärkung der tausendjährigen Freundschaft mit Polen bezeichnete. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk gehörte zu den ersten europäischen Gratulanten. Er begrüßte den Sieg als „glorreich“ und fügte seiner Nachricht den ungarischen Slogan „Ruszkik Haza“ (Russen nach Hause) hinzu. Anhänger Magyars skandierten in Budapest denselben Satz. Als die Mehrheitsverhältnisse am Batthyány-Platz auf der Budaer Seite der Donau feststanden, feierte die Menge das Ergebnis. „Wir haben es geschafft. Tisza und Ungarn haben die Wahlen gewonnen – nicht knapp, sondern mit großem Vorsprung. Gemeinsam haben wir Ungarn befreit.” — Péter Magyar via El Confidencial Orbán bleibt geschäftsführend im Amt, während Fidesz vor ungewisser Zukunft stehtLaut BBC-Berichten ist Orbán nicht zurückgetreten und wird Ungarn geschäftsführend leiten, bis eine neue Regierung gebildet ist. Das Ausmaß der Niederlage stellt die Fidesz-Partei, die die ungarische Politik über ein Jahrzehnt dominiert hat, vor eine ungewisse Zukunft. Da die Marke Orbán untrennbar mit der Partei verbunden war, wird der Weg ohne Regierungsmacht als schwierig eingeschätzt. Die Zwei-Drittel-Mehrheit verleiht Magyar die verfassungsgebende Gewalt, das Grundgesetz zu ändern – eine Machtfülle, die Orbán nach 2010 selbst nutzte, um sein Regierungssystem zu festigen. Beobachter werten das Ergebnis als bedeutsamen Moment für die europäische Politik, da Orbán als Leitfigur der illiberalen Demokratie und enger Partner von Wladimir Putin und Donald Trump galt. Magyar, der als Kind ein Foto des jungen Orbán in seinem Zimmer aufgehängt hatte, erklärte vor seinen Anhängern, Ungarn habe eine Botschaft an die Welt gesendet. „Heute schreiben wir Geschichte. Der Albtraum der letzten Jahre geht zu Ende. Ungarn hat ein Zeichen gesetzt: Das Regime von Viktor Orbán ist beendet. Unsere Heimat ist Teil des Westens, der europäischen Gemeinschaft und der NATO.” — Péter Magyar via France 24
Mentioned People
- Péter Magyar — Węgierski polityk i prawnik, lider partii Cisa, oczekiwany przyszły premier Węgier
- Viktor Orbán — Węgierski prawnik i polityk, premier Węgier sprawujący urząd nieprzerwanie od 2010 roku
- Judit Varga — Węgierska prawniczka i była polityk, minister sprawiedliwości w latach 2019–2023
- Donald Tusk — Polski polityk, premier Rzeczypospolitej Polskiej od 2023 roku
- Vladimir Putin — Prezydent Rosji
Sources: 17 articles
- Adiós a Orbán en Hungría: el nuevo gobierno obtiene la mayoría necesaria para borrar su legado (El Confidencial)
- La caída de Viktor Orbán: Hungría da la espalda a Putin y vira hacia sus aliados en Europa (France 24)
- Peter Magyar, el rebelde de su propio partido que acabó con 16 años de poder de Viktor Orban en Hungría - BBC News Mundo (BBC)
- Orbán era swept away by Péter Magyar's Hungary election landslide (BBC)
- Orbán era swept away by Péter Magyar's Hungary election landslide (BBC)
- Péter Magyar, l'ex orbaniano che rovescia Orbán (Rai news)
- Péter Magyar: Hungary's next leader energised voters but is ' dark horse' (The Guardian)
- Saiba quem é Péter Magyar, o homem que destronou Orbán (JN)
- The Former Orban Party Insider Who Toppled The Hungarian Leader (Bloomberg Business)
- Péter Magyar gana las elecciones; falta vencer al 'orbanismo' (EL MUNDO)