Pakistan versucht mit einer doppelten diplomatischen Initiative, sich als Gesprächskanal zwischen den USA und Iran zu positionieren. Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Feldmarschall Asim Munir führten dazu binnen zwei Tagen Gespräche mit Donald Trump und Masoud Pezeshkian. Offiziell geht es nicht um eine formelle Vermittlung, sondern um einen diskreten Rahmen für indirekte Kontakte.
Doppelte diplomatische Initiative
Shehbaz Sharif und Asim Munir sprachen binnen zwei Tagen mit Donald Trump und Masoud Pezeshkian, um Islamabad als diskreten Kanal zwischen Washington und Teheran ins Spiel zu bringen.
Munirs besondere Rolle
Asim Munir gilt wegen seines ungewöhnlich engen Verhältnisses zu Trump als Schlüsselfigur des pakistanischen Vorstoßes. Im Juni 2025 war er als erster pakistanischer Militärchef in militärischer Funktion im Weißen Haus empfangen worden.
Energieabhängigkeit erhöht den Druck
81 Prozent der importierten Energie Pakistans laufen laut Darstellung durch die Straße von Hormus. Ein längerer Konflikt am Golf hätte daher für Pakistan besonders hohe wirtschaftliche Kosten.
Religiöse und diplomatische Verbindungen
Pakistan beherbergt die zweitgrößte schiitische Gemeinschaft der Welt und vertritt in den USA formell iranische Interessen. Beides stärkt aus Sicht des Landes die eigene Eignung als Gesprächskanal.
Widersprüchliche Ausgangslage
Während Islamabad im Ausland auf Deeskalation drängt, führt Pakistan seit Ende Februar 2026 zugleich einen offenen militärischen Konflikt mit Afghanistan.
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Feldmarschall Asim Munir haben nach Berichten von Reuters und ägyptischen Medien eine parallele diplomatische Initiative gestartet, um Islamabad als Vermittlungskanal zwischen Washington und Teheran zu positionieren. Demnach drängen Vermittler auf mögliche direkte Gespräche zwischen amerikanischen und iranischen Vertretern, die bereits am Freitag in Pakistan persönlich stattfinden könnten. Munir telefonierte am Sonntag, dem 22. März, mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Sharif führte am Montag, dem 23. März, ein Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian. Pakistan hat seine Hauptstadt Islamabad als Ort für einen diskreten Kommunikationskanal angeboten, vermeidet aber die Bezeichnung einer formellen Vermittlung, weil Teheran darauf besteht, nicht direkt mit Washington zu verhandeln. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baqaei, erklärte öffentlich, direkte Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten fänden nicht statt. Zugleich haben iranische Vertreter eingeräumt, Botschaften über das übermittelt zu bekommen, was sie als „befreundete Staaten“ bezeichneten. Aus dem Weißen Haus gibt es keine Bestätigung für eine Vermittlerrolle Pakistans, allerdings hat die Regierung diese Darstellung auch nicht zurückgewiesen.
Munirs Kontakte ins Weiße Haus verschaffen Islamabad ungewöhnlichen Spielraum Im Zentrum des pakistanischen Vorstoßes steht Feldmarschall Asim Munir. Ausschlaggebend ist dabei vor allem sein ungewöhnlich enges persönliches Verhältnis zu Trump. Im Juni 2025 war Munir der erste pakistanische Militärchef, der nicht als politischer Führer, sondern in seiner militärischen Funktion im Weißen Haus empfangen wurde. Das Treffen dauerte mehr als zwei Stunden. Während dieses Besuchs soll Trump Munir laut Berichten als seinen „Lieblings-Feldmarschall“ bezeichnet und dessen tiefe Kenntnis des iranischen Kontexts hervorgehoben haben. Vertreter beider Länder erklärten, beide hätten seit diesem Treffen ein enges Verhältnis aufrechterhalten. Trump hatte zuvor damit gedroht, iranische Energieinfrastruktur auszuschalten. Später schwächte er seine Wortwahl ab, nachdem er Kontakte mit Teheran als „produktiv“ beschrieben hatte. Diese Kursänderung drückte die Ölpreise, weil die Märkte darin ein mögliches diplomatisches Fenster sahen. Pakistans Glaubwürdigkeit als möglicher Mittler beruht auf einem strukturellen Vorteil: Das Land unterhält zugleich belastbare Beziehungen zu Washington und zu Teheran. Nur wenige Staaten in der Region können eine solche Konstellation für sich beanspruchen. Zudem vertritt Islamabad formell iranische Interessen in den Vereinigten Staaten, weil Iran auf amerikanischem Boden keine offizielle diplomatische Vertretung hat. 81 (%) — Anteil von Pakistans importierter Energie, der durch die Straße von Hormus läuft
Energieabhängigkeit und schiitische Bindungen erklären Pakistans Dringlichkeit Pakistans Interesse an einem Ende des Konflikts ist nicht nur diplomatischer Natur. Aus Sicht der Energiesicherheit ist es existenziell. 81 (%) — Pakistans importierte Energie, die durch die inzwischen blockierte Straße von Hormus transportiert wird, womit das Land unter allen an den derzeitigen diplomatischen Bemühungen beteiligten Staaten den wirtschaftlichen Folgen eines längeren Konflikts am Golf am stärksten ausgesetzt wäre. Hinzu kommt ein eigenständiger religiöser und demografischer Faktor: Pakistan beherbergt die zweitgrößte schiitische muslimische Gemeinschaft der Welt, auch wenn sie in dem mehrheitlich sunnitischen Pakistan eine Minderheit bildet. Iran betrachtet diese Gemeinschaft als Verbindung gemeinsamer Identität mit Islamabad, weil das Land der wichtigste globale Bezugspunkt des schiitischen Islam ist. Auf diplomatischer Ebene kommt hinzu, dass Pakistan von den iranischen Raketen- und Drohnensalven als Reaktion auf amerikanische und israelische Angriffe verschont geblieben ist. Dieser Umstand bewahrt in den Augen Teherans die pakistanische Neutralität. Auch die Türkei, Ägypten und Katar betreiben parallele diplomatische Bemühungen. Der türkische Außenminister Hakan Fidan stimmt sich dabei mit seinem pakistanischen Kollegen Ishaq Dar ab. Daraus ist eine vernetzte Regionaldiplomatie entstanden, die zumindest auf eine taktische Waffenruhe zielt.
Pakistan wirbt im Ausland für Frieden und führt zugleich Krieg im eigenen Umfeld Die diplomatische Initiative entfaltet sich vor einem ausgesprochen widersprüchlichen innenpolitischen Hintergrund: Pakistan befindet sich seit Ende Februar 2026 in einem offenen militärischen Konflikt mit dem Nachbarland Afghanistan. Nach Angaben von El Mundo flammten die Grenzgefechte zwischen beiden Staaten am Dienstag, dem 24. März, nach einer fünftägigen Waffenruhe wieder auf. Dass Islamabad zugleich internationale Vermittlung betreibt und an der eigenen Grenze einen aktiven bewaffneten Konflikt steuern muss, lenkt den Blick auf die prekäre strategische Lage des Landes. Nach Angaben von Il Fatto Quotidiano wurde Pakistan 2025 sowohl als das Land eingestuft, das am stärksten von internationalem Terrorismus betroffen ist, als auch als das weltweit am stärksten verschmutzte Land. Diese Belastungen geben Islamabad einen zusätzlichen Anreiz, seine internationale Stellung durch eine sichtbare diplomatische Rolle aufzuwerten. Das pakistanische Angebot ist nicht als formelle Vermittlung angelegt. Vielmehr soll ein physischer Raum für einen diskreten Kanal bereitgestellt werden, über den Botschaften zwischen Kriegsparteien ausgetauscht werden können, die den direkten Kontakt verweigern. Pakistan und die Vereinigten Staaten unterhalten seit Jahrzehnten ein komplexes Verhältnis, das durch Zusammenarbeit im Kalten Krieg, im sowjetisch-afghanischen Konflikt und bei Anti-Terror-Einsätzen nach 2001 geprägt wurde. Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen Südasien, Zentralasien und dem Nahen Osten fungierte Pakistan in regionalen Konflikten immer wieder als informeller Vermittler. Das Land unterhält keine formellen diplomatischen Beziehungen zu Israel, was ihm bei Iran und anderen regionalen Akteuren, die der israelischen Politik ablehnend gegenüberstehen, ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit verleiht. Pakistans Rolle als Schutzmacht iranischer Interessen in den Vereinigten Staaten reicht auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Iran nach der Islamischen Revolution von 1979 zurück. Ob Islamabad diese ungewöhnliche Kombination aus Voraussetzungen — Verwundbarkeit bei der Energieversorgung, religiöse Bindungen, direkte Kontakte zwischen Militärführungen und Washington sowie die formelle diplomatische Vertretung Teherans — in ein tragfähiges Verhandlungsformat überführen kann, ist mit Stand vom 25. März 2026 von keiner der zentralen Seiten bestätigt worden.
Mentioned People
- Asim Munir — pierwszy w Pakistanie szef sił obrony i 11. szef sztabu armii
- Shehbaz Sharif — premier Pakistanu
- Masoud Pezeshkian — 9. prezydent Iranu
- Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
Sources: 2 articles
- Pakistan mediatore tra Iran e USA: il ruolo di Sharif e la vicinanza Munir-Trump (Il Fatto Quotidiano)
- Pakistán, un inesperado mediador clave entre EEUU e Irán mientras sigue atrapado en su propio conflicto con Afganistán (EL MUNDO)
- Pakistan Offers to Mediate Between Iran and the United States (The New York Times)
- Pakistan's prime minister says his nation is ready to facilitate talks to end Iran war (France 24)
- Pakistán se presta a acoger negociaciones entre Irán y EE.UU. "cuando quieran" (LaVanguardia)
- Iranul respinge oferta Pakistanului de mediere a unor negocieri de pace: "O nouă încercare de înșelătorie a SUA" - HotNews.ro (HotNews.ro)
- JD Vance role touted as Pakistan attempts to broker US-Iran peace talks (The Irish Times)
- Pakistan 'stands ready' to host talks to end US-Israeli war in Iran, prime minister says (TheJournal.ie)
- Pakistan leans on US and Iran ties to emerge as potential peacebroker (Reuters)
- Pakistan: Premier: jesteśmy gotowi pośredniczyć w rozmowach między USA i Iranem (wnp.pl)