Die französische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Frontex-Generaldirektor Fabrice Leggeri eingeleitet. Im Raum stehen Vorwürfe der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und zu Folterhandlungen. Auslöser ist eine Beschwerde von Menschenrechtsorganisationen, die der EU-Grenzagentur rechtswidrige Zurückweisungen von Migranten und eine problematische Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache vorwerfen.

Französische Justiz leitet Verfahren ein

Gegen den früheren Frontex-Chef Fabrice Leggeri wird wegen des Verdachts der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und zu Folterhandlungen ermittelt.

Beschwerde von Menschenrechtsorganisationen

Ligue des droits de l'homme und Utopia 56 werfen Frontex Pushbacks im Mittelmeer und eine problematische Kooperation mit der libyschen Küstenwache vor.

Politische und juristische Tragweite

Leggeri ist heute Europaabgeordneter des Rassemblement National. Seine parlamentarische Immunität könnte das Verfahren zusätzlich komplizieren.

Die französische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen Fabrice Leggeri, den früheren Generaldirektor der Grenzagentur Frontex, eröffnet. Es geht um Vorwürfe der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und zu Folterhandlungen. Die Entscheidung trägt das Datum 18. März 2026 und wurde am Dienstag, 24. März, von Agence France-Presse gemeldet. Leggeri, der Frontex von 2015 bis 2022 leitete, sitzt derzeit als Abgeordneter des Europäischen Parlaments für die rechtsextreme Partei Rassemblement National im Parlament. Das Verfahren geht auf eine Beschwerde von Menschenrechtsorganisationen zurück. Sie richtet sich gegen die mutmaßliche Rolle der Behörde bei sogenannten Pushbacks von Migranten und gegen die Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache während Leggeris Amtszeit.

Menschenrechtsgruppen reichten Beschwerde wegen Pushbacks und Libyen-Kontakten ein Die Beschwerde wurde von zwei Menschenrechtsorganisationen eingereicht, der Ligue des droits de l'homme und Utopia 56. Sie nehmen das Vorgehen von Frontex unter Leggeris Führung ins Visier. Im Zentrum der Vorwürfe steht die mutmaßliche Beteiligung der Agentur an der erzwungenen Rückführung von Migranten, die versuchten, das Mittelmeer zu überqueren. Hinzu kommt die operative Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache. Kritiker dieser Praxis argumentieren seit langem, dass Rückführungen nach Libyen Migranten dokumentierten Misshandlungen, Inhaftierungen und Folter ausgesetzt hätten. Das Berufungsgericht in Paris eröffnete nach Angaben der Zeitung Le Monde nach Eingang der Beschwerde die Ermittlungen. Der Fall gilt als eine der bislang bedeutendsten juristischen Herausforderungen für das Handeln eines hochrangigen EU-Beamten im Grenzmanagement.

Leggeri trat 2022 nach OLAF-Untersuchung zurück Leggeri trat im April 2022 nach einer Untersuchung durch OLAF, das Betrugsbekämpfungsamt der EU, von seinem Posten bei Frontex zurück. Sein Abgang fiel in eine Phase breiterer Kritik an den Operationen von Frontex. Dazu gehörten Vorwürfe, die Agentur habe rechtswidrige Pushbacks an Europas Grenzen nicht ordnungsgemäß gemeldet oder verhindert. Nach seinem Ausscheiden aus der Behörde wechselte Leggeri in die Politik. Im Februar 2024 kündigte er an, als dritter Kandidat auf der Liste des Rassemblement National bei der Europawahl anzutreten. Später gewann er einen Sitz im Europäischen Parlament und schloss sich damit der Partei von Marine Le Pen an. Der Wechsel vom Leiter einer EU-Agentur zum Abgeordneten einer rechtsextremen Partei fand auch wegen der anhaltenden Kontroversen um seine Zeit bei Frontex große Beachtung.

Frontex wurde 2004 gegründet und baute Mandat und Budget nach der Migrationskrise von 2015 deutlich aus, also in dem Jahr, in dem Leggeri das Amt des Generaldirektors übernahm. Während seiner gesamten Amtszeit sah sich die Agentur wiederholt dem Vorwurf ausgesetzt, rechtswidrige Pushbacks zu dulden oder zu erleichtern. Gemeint ist die Praxis, Migranten auf See oder an Landgrenzen zurückzudrängen, ohne ihre Asylanträge zu prüfen. Menschenrechtsorganisationen sehen darin einen Verstoß gegen internationales Recht. OLAF schloss seine Untersuchung zu Frontex 2021 ab und fand demnach Hinweise auf schweres Fehlverhalten, darunter die Unterdrückung von Vorfallberichten. Leggeris Rücktritt im Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt in der Führung der Agentur und führte unter neuer Leitung zu strukturellen Reformen.

Ermittlungen bringen EU-Grenzpolitik selten vor Gericht Mit der förmlichen gerichtlichen Untersuchung in Frankreich gerät Leggeri unter die Aufsicht eines Untersuchungsrichters. Dieser Verfahrensschritt stellt nach französischem Recht weder eine Verurteilung noch eine formelle Anklage dar. Er bedeutet aber, dass die Ermittler aus ihrer Sicht ausreichende Gründe für ein weiteres Vorgehen sehen. Der Fall wird von Experten für Migrationsrecht und von zivilgesellschaftlichen Organisationen aufmerksam verfolgt. Sie versuchen seit Jahren, eine rechtliche Verantwortlichkeit für Pushback-Praktiken an den EU-Außengrenzen durchzusetzen. Dass Leggeri derzeit Mitglied des Europäischen Parlaments ist, verleiht dem Verfahren zusätzlich eine politische Dimension. Europaabgeordnete genießen ein gewisses Maß an Immunität, was das Verfahren erschweren könnte. Die Ermittlungen fallen zudem in eine Phase intensiver Debatten in Europa über Methoden der Grenzsicherung und über die rechtlichen Grenzen der Zusammenarbeit mit Küstenwachen in Drittstaaten. Bestätigte Informationen dazu, ob Leggeri auf die Entscheidung vom 18. März öffentlich reagiert hat, liegen bislang nicht vor.

Mentioned People

  • Fabrice Leggeri — francuski wysoki urzędnik, który kierował Europejską Agencją Straży Granicznej i Przybrzeżnej (Frontex) w latach 2015–2022

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