Das Internationale Olympische Komitee führt für die Frauenklasse bei Olympischen Spielen ab 2028 in Los Angeles einen einmaligen Gentest ein. Nach Angaben des IOC dürfen nur biologische Frauen in diesen Wettbewerben starten. Die Entscheidung soll die Frauenklasse schützen und ein einheitliches Regelwerk für den Spitzensport schaffen.
Einmaliger Gentest ab Los Angeles 2028
Das IOC führt für die Frauenklasse einen einheitlichen SRY-Gentest ein. Er gilt ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.
IOC verweist auf Wissenschaft und Sicherheit
Kirsty Coventry begründet die Regel mit wissenschaftlichen Daten, medizinischer Expertise und Sicherheitsaspekten in einzelnen Sportarten.
Kontroversen aus Paris und Milano Cortina 2026
Die Debatten um Imane Khelif, Lin Yu-ting und Elis Lundholm beschleunigten die Neuregelung der Startberechtigung.
Einheitliche Regel statt Verbandslösungen
Die neue Vorgabe ersetzt unterschiedliche testosteronbasierte Regeln einzelner Verbände im olympischen Spitzensport.
Das Internationale Olympische Komitee teilte am Donnerstag mit, dass bei Wettkämpfen in der Frauenklasse bei den Olympischen Spielen nur noch biologische Athletinnen startberechtigt sein sollen, die durch einen einmaligen genetischen Screening-Test bestimmt werden. Die Regel gilt ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry vorgestellte Entscheidung verlangt von allen Athletinnen, die in der Frauenklasse antreten wollen, einen Test auf das SRY-Gen. Ist es vorhanden, ist ein Start in der Frauenklasse ausgeschlossen. Das IOC stellte die Entscheidung als Maßnahme zum Schutz der Frauenklasse und zur Einführung einer einheitlichen Regel für den weiblichen Spitzensport dar. Damit sollen Jahre uneinheitlicher Vorgaben verschiedener Sportverbände beendet werden. Die Regel gilt für Einzel- und Mannschaftssportarten und für alle vom IOC sanktionierten Elitewettkämpfe. Freizeit- und Breitensport sind ausdrücklich nicht erfasst.
Coventry verweist auf Wissenschaft, Sicherheit und Fairness Kirsty Coventry, die im Juni 2025 als erste Frau und erste Afrikanerin an die Spitze des IOC gewählt wurde, präsentierte die Regelung als wissenschaftlich und medizinisch fundiert. „The policy that we have announced is based on science and has been led by medical experts. At the Olympic Games, even the smallest margins can be the difference between victory and defeat. So, it is absolutely clear that it would not be fair for biological males to compete in the female category. In addition, in some sports it would simply not be safe.” — Kirsty Coventry via The Guardian Das IOC veröffentlichte ein zehnseitiges Dokument, das die wissenschaftliche Grundlage der Entscheidung darlegt und Leistungsdaten aus verschiedenen Disziplinen anführt. Demnach gebe es in den meisten Lauf- und Schwimmwettbewerben einen 10-12% (percent) — männlichen Leistungsvorteil von 10 bis 12 Prozent. In den meisten Wurf- und Sprungdisziplinen liege der Vorteil bei mehr als 20 Prozent. In Sportarten, in denen Explosivkraft gefragt ist, etwa bei Körperkontakt, Heben und Schlagen, übersteige er 100 Prozent. Das IOC erklärte, DSD-Athletinnen und -Athleten sowie Transfrauen, die von männlich zu weiblich übergegangen sind, behielten die physiologischen Vorteile der männlichen Pubertät. Coventry sagte zudem, die Athletinnen müssten im Laufe ihres Lebens nur ein einziges Mal untersucht werden. Begleitend zum Verfahren würden Beratung und fachärztlicher Rat angeboten.
Kontroverse in Paris und Fall Lundholm beschleunigten die Änderung Das IOC überprüfte seine Startregeln nach den Kontroversen bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Dort starteten die Boxerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting in der Frauenklasse, nachdem die Internationale Box-Association sie zuvor von Weltmeisterschaften ausgeschlossen hatte, weil sie nach Berichten bestimmte Kriterien zur Geschlechtsbestimmung nicht erfüllt hätten. Beide gewannen in Paris Goldmedaillen, was eine internationale Debatte über Startregeln im Frauensport auslöste. Später wurde die schwedische Moguls-Skifahrerin Elis Lundholm die erste offen transgeschlechtliche Athletin, die bei Winterspielen antrat. Sie startete bei den Spielen Milano Cortina 2026 im Frauenwettbewerb. Lundholm, die bei der Geburt als weiblich registriert worden war und sich als männlich identifiziert, hatte ihr Geschlecht rechtlich nicht ändern lassen und keine geschlechtsangleichenden medizinischen Eingriffe vorgenommen. Nach den damals geltenden Regeln war sie damit startberechtigt. Der schwedische Verband nominierte Lundholm für das Frauenteam, und das IOC genehmigte ihre Teilnahme. Der neue SRY-Gentest hätte ihre Startberechtigung nicht beeinflusst, da sie weiblich geboren wurde und das SRY-Gen nicht tragen würde. Die neue Regelung steht zudem im Einklang mit einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump zu Transfrauen im Sport.
Genetische Geschlechtstests bei Olympischen Spielen wurden erstmals bei den Spielen 1968 in Mexiko-Stadt eingeführt und bis 1996 verwendet. Danach stellte das IOC die Praxis nach Kritik von medizinischen und Menschenrechtsorganisationen ein. Die Debatte über die Teilnahme von Transgender- und DSD-Athletinnen an der weiblichen Eliteklasse verschärfte sich nach dem Start der neuseeländischen Gewichtheberin Laurel Hubbard bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio. Sie war die erste Transfrau, die nach einem Geschlechtswechsel an Olympischen Spielen teilnahm. Die südafrikanische Läuferin Caster Semenya, eine DSD-Athletin, gewann bei den Olympischen Spielen 2012 und 2016 Gold über 800 Meter der Frauen und stand lange im Zentrum juristischer Auseinandersetzungen über Testosteronregeln. Der IOC-Rahmen von 2021 hatte sich von Testosteron-Grenzwerten als Startkriterium abgewandt und den einzelnen Sportverbänden eigene Regeln überlassen. Dieses zersplitterte System soll die neue einheitliche Regelung ersetzen.
Gentest ersetzt Jahrzehnte unterschiedlicher Verbandsregeln Das neue Screening-Verfahren wird als nicht-invasiv beschrieben. Es erfolgt in der Regel per Wangenabstrich oder Speicheltest und wird pro sportlicher Laufbahn nur einmal verlangt. Das IOC erklärte, das Vorhandensein des SRY-Gens sei „fixed throughout life“ und stelle „highly accurate evidence that an athlete has experienced male sex development" dar. Die Regel bedeutet einen deutlichen Bruch mit den testosteronbasierten Modellen, die viele einzelne Sportverbände in den vergangenen Jahren eingeführt hatten. An ihre Stelle tritt nun ein einziges biologisches Kriterium, das in allen olympischen Disziplinen einheitlich gilt. Das IOC stellte klar, dass es sich nicht um ein generelles Verbot für Transpersonen im Sport handele. Die Regelung betreffe ausschließlich die Startberechtigung in der Frauenklasse bei vom IOC sanktionierten Elitewettkämpfen. Sportverbände und Athletenvertretungen hatten nach den Kontroversen von Paris auf einen einheitlichen Standard gedrängt. Nach Angaben des IOC wurde der neue Rahmen mit Beiträgen medizinischer Experten entwickelt.
IOC-Richtlinie zur Startberechtigung in der Frauenklasse: Startkriterium (before: Zersplitterte Regeln einzelner Sportverbände, oft auf Testosteronbasis, after: Einheitliches einmaliges SRY-Gen-Screening für alle Starterinnen in der Frauenklasse); Startberechtigung von Transfrauen (before: Unter bestimmten Bedingungen erlaubt, etwa bei Testosterongrenzen, after: Ausgeschlossen, wenn das SRY-Gen vorhanden ist); Umfang der Tests (before: Je nach Sport und Verband unterschiedlich, after: Alle vom IOC sanktionierten Elitewettkämpfe, nicht Freizeit- oder Breitensport); Geschlechtstests bei Olympischen Spielen (before: Nach 1996 eingestellt, after: Ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles wieder eingeführt)
Mentioned People
- Kirsty Coventry — prezydent Międzynarodowego Komitetu Olimpijskiego (MKOl) od czerwca 2025 roku
- Imane Khelif — algierska bokserka i złota medalistka igrzysk w Paryżu w 2024 roku
- Lin Yu-ting — tajwańska bokserka i złota medalistka olimpijska z 2024 roku
- Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
- Elis Lundholm — szwedzki narciarz freestyle’owy i pierwszy otwarcie transpłciowy uczestnik zimowych igrzysk
Sources: 21 articles
- IOC bant trans atleten van Olympische Spelen om vrouwencompetitie "te beschermen" (De Standaard)
- IOC weigert deelname van transgender vrouwen aan Olympische Spelen (NRC)
- Olympic Committee bans transgender women from female events (Deutsche Welle)
- IOC weigert deelname trans vrouwen aan Olympische Spelen 2028 (NOS)
- IOC führt verpflichtende Geschlechtertests für Frauen ein (Süddeutsche Zeitung)
- IOC kondigt algeheel verbod aan op transgender atleten bij vrouwenevenementen (AD)
- Transgender women banned from female Olympic events in new IOC ruling (The Independent)
- Transgender women athletes banned from female events at Olympics by IOC (The Guardian)
- IOC brings back gender testing for 2028 Summer Olympics (Le Monde.fr)
- El COI comunica que sólo las mujeres biológicas podrán participar en las disciplinas femeninas (LaVanguardia)