Am 6. April 2026 befreite die Gendarmerie in der ostfranzösischen Gemeinde Hagenbach einen völlig entkräfteten Neunjährigen aus einem Kleintransporter. Ein Nachbar hatte zuvor Geräusche aus dem im Hinterhof abgestellten Fahrzeug gemeldet. Das Kind befand sich in einem kritischen körperlichen Zustand und war aufgrund der langen Isolation nicht mehr in der Lage zu gehen.

Befreiung nach 17 Monaten

Ein neunjähriger Junge wurde in Hagenbach aus einem Lieferwagen gerettet, in dem er seit November 2024 unter prekären Bedingungen gefangen gehalten wurde.

Schwerwiegende Vernachlässigung

Das Kind war bei seiner Entdeckung unterernährt, konnte nicht mehr laufen und lebte inmitten von Unrat und Exkrementen.

Strafrechtliche Konsequenzen

Gegen den Vater wurde Untersuchungshaft wegen Freiheitsberaubung angeordnet; seine Partnerin ist wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

Versagen der Aufsicht

Obwohl der Junge aus der Schule abgemeldet wurde, blieb sein Verschwinden über ein Jahr lang unentdeckt.

Ein neunjähriger Junge wurde am Montag, dem 15. April 2024, im elsässischen Hagenbach (Département Haut-Rhin) aus einem Lieferwagen gerettet. Ein Nachbar war auf das Kind aufmerksam geworden, nachdem er Geräusche aus dem Fahrzeug gehört hatte, das im gemeinsamen Hinterhof eines Mehrfamilienhauses parkte. Die alarmierten Gendarmen fanden den Jungen nackt in Embryonalstellung unter einer Decke auf einem Müllhaufen vor. Er lag in der Nähe von Exkrementen, war blass und sichtlich unterernährt. Aufgrund der langen Zeit, die er in sitzender Position verbringen musste, war das Kind nicht mehr gehfähig. Er wurde umgehend in die Pädiatrische Aufnahmestation für gefährdete Minderjährige des Krankenhauses von Mülhausen gebracht, wo er bis Freitagabend, den 10. April, stationär behandelt wurde. Nicolas Heitz, der Staatsanwalt von Mülhausen, gab an diesem Tag die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den 43-jährigen Vater des Jungen und dessen 37-jährige Lebensgefährtin bekannt.

Vater überwachte den Transporter per Kamera und lieferte kalte Mahlzeiten Der Vater, ein Elektriker, gestand gegenüber den Ermittlern, seinen Sohn bereits im November 2024 im Alter von sieben Jahren in den Transporter gesperrt zu haben. Dort war das Kind über ein Jahr lang gefangen. Der Vater hatte eine Überwachungskamera auf das Fahrzeug gerichtet und suchte den Jungen zweimal täglich auf, um ihm Wasser und kalte Mahlzeiten zu bringen. Aufnahmen der Überwachungskamera belegen, dass er das Fahrzeug zweimal am Tag aufsuchte und offenbar Gegenstände hineinwarf. Der Junge war gezwungen, in Plastikflaschen zu urinieren und seine Notdurft in Müllsäcken zu verrichten; seine letzte Dusche soll Ende 2024 stattgefunden haben. Nach Angaben des Vaters durfte der Junge bis Mai 2025 zeitweise mit ihm nach draußen und hatte im Sommer 2025 Zugang zur Wohnung, während der Rest der Familie im Urlaub war. Das Paar lebte mit zwei weiteren Töchtern im Alter von 10 und 12 Jahren in der Wohnung, während der Junge im Hof im Wagen bleiben musste. Einige Nachbarn sagten aus, sie hätten gelegentlich Geräusche gehört, seien aber davon ausgegangen, es handele sich um eine Katze. Vielen war die Existenz des Kindes gänzlich unbekannt.

„Ein Kind, das auf einem Haufen Unrat schlief. Er befand sich in einem Fahrzeug, das Sommer wie Winter ohne Heizung und ohne jegliche sanitäre Einrichtung dastand.” — Nicolas Heitz via franceinfo

Vater rechtfertigt Handeln als Schutz vor Psychiatrie Der Vater behauptete in den Vernehmungen, er habe den Jungen im Wagen eingesperrt, um ihn vor seiner Lebensgefährtin zu schützen. Diese habe das Kind in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen wollen. Der Junge bestätigte gegenüber spezialisierten Ermittlern erhebliche Konflikte mit der Partnerin seines Vaters, die ihn nicht mehr in der Wohnung haben wollte. Der Vater gab an, er habe den Lieferwagen als Ausweg gesehen, um die Einweisung zu verhindern. Staatsanwalt Nicolas Heitz betonte jedoch, dass es „keinerlei medizinische Belege“ für psychische Probleme des Kindes gebe. Der Junge war bis zum Schuljahr 2023/2024 in Mülhausen für die erste Klasse eingeschrieben. Danach teilte die Familie der Schule mit, das Kind werde anderweitig unterrichtet, woraufhin die Akte geschlossen wurde. Zeugen und Nachbarn gaben an, das Kind sei Ende 2024 „von heute auf morgen verschwunden“. Die zwölfjährige Schwester berichtete, sie lebe seit etwa fünf Jahren beim Vater, da die leibliche Mutter unter psychischen Problemen leide.

„Es liegt eine gewaltige Arbeit vor uns, um die genauen Umstände dieser extrem schwierigen Lebensbedingungen für dieses Kind zu klären, das mit sieben Jahren in diesen Wagen gesperrt wurde und heute neun Jahre alt ist.” — Nicolas Heitz via franceinfo

Psychologische Gutachten angeordnet – Junge weiterhin im Krankenhaus Staatsanwalt Heitz kündigte am Freitag psychologische Gutachten an, um das Ausmaß des erlittenen Traumas festzustellen. Der Junge bleibe vorerst im Krankenhaus und werde intensiv betreut. Er könne jedoch weiterhin nicht gehen, verharre in einer gekrümmten Haltung und zeige für sein Alter deutliche Defizite bei Gewicht und Körpergröße. Gegen den Vater wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Freiheitsberaubung und willkürlicher Inhaftierung eines Minderjährigen sowie der Vorenthaltung von Nahrung und medizinischer Versorgung eingeleitet; er befindet sich in Untersuchungshaft. Der Lebensgefährtin werden unterlassene Hilfeleistung gegenüber einem Minderjährigen und die Nichtanzeige von Misshandlungen vorgeworfen. Sie wurde unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Alle drei Kinder des Haushalts wurden vorläufig in Obhut genommen. Der Zugriff der Gendarmerie auf den Wagen hatte sich zunächst verzögert, da der Vater behauptete, das Schloss seines Firmenwagens sei defekt und seine Tochter habe sich versehentlich darin eingeschlossen. Erst nach etwa 30 Minuten erhielten die Beamten Zugang.

Hagenbach ist eine Gemeinde mit rund 800 Einwohnern im Elsass, etwa 20 Kilometer südwestlich von Mülhausen. Fälle von weggesperrten Kindern in familiärem Umfeld lösen in Frankreich regelmäßig Debatten über die Wirksamkeit der staatlichen Aufsicht aus, insbesondere wenn Kinder vom Schulsystem abgemeldet werden. Das französische Gesetz schreibt zwar Meldewege vor, doch die Effektivität der Nachverfolgung wird immer wieder kritisiert.

Wichtige Ereignisse im Fall Hagenbach: — ; — ; — ; — ; —

Mentioned People

  • Nicolas Heitz — Prokurator Republiki w Miluzie

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