Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini verlangt einen Dieselpreis von unter 1,90 Euro je Liter. Parallel fordern Regierungsvertreter und Industrie in Rom Änderungen am EU-Emissionshandelssystem, weil hohe Energiekosten Europas Unternehmen belasteten. Aus Frankreich kommt unterdessen ein anderer Impuls: Dort steigen laut Medienberichten die Bestellungen für Elektroautos.

Salvini fordert Diesel unter 1,90 Euro

Der italienische Vize-Ministerpräsident verlangt einen Preis von mindestens 20 bis 25 Cent unter zwei Euro. Vorschläge sollten noch am Mittwoch ins Kabinett eingebracht werden.

Rom erhöht den Druck auf das ETS

Regierung und Industrie in Italien argumentieren, das EU-Emissionshandelssystem verschärfe angesichts hoher Energiepreise die Belastung für die europäische Industrie.

Orsini verlangt Aussetzung des Systems

Confindustria-Präsident Emanuele Orsini sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Europa befinde sich in einer Ausnahmesituation und solle das ETS vollständig aussetzen.

Pichetto Fratin setzt auf Korrekturen

Italiens Umwelt- und Energiesicherheitsminister fordert zwar keine vollständige Aussetzung, hält aber Änderungen am Mechanismus in jedem Fall für notwendig.

Italien steht in der EU weitgehend allein

Nach Angaben von ANSA unterstützen die meisten Mitgliedstaaten weder eine Aussetzung noch eine tiefgreifende Korrektur des CO2-Marktes. Umweltorganisationen warnen zudem vor einer Schwächung der europäischen Klimapolitik.

Frankreich reagiert anders auf hohe Energiepreise

Laut Sud Ouest steigen dort die Bestellungen für Elektroautos, während Italien vor allem auf sinkende Kraftstoffpreise und regulatorische Eingriffe setzt.

Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini hat am Mittwoch gefordert, der Dieselpreis müsse unter 1,90 Euro je Liter sinken. Er bezeichnete dies als eine Untergrenze von mindestens 20 bis 25 Cent unter zwei Euro. Vorschläge dazu sollten noch am selben Tag in einer Kabinettssitzung vorgelegt werden. Der Vorstoß erfolgte, während italienische Regierungsvertreter und Branchenführer den Druck auf das EU Emissions Trading System erhöhten. Sie argumentieren, die hohen Energiekosten stellten für die europäische Industrie eine auf Dauer nicht tragfähige Belastung dar. Die Forderungen aus Rom kamen am selben Tag, an dem Emanuele Orsini, Präsident von Confindustria, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, Europa befinde sich in einer Ausnahmesituation und solle das ETS vollständig aussetzen. Das gleichzeitige Auftreten politischer und industrieller Stimmen in Italien deutet auf einen gezielten Versuch hin, vor Beratungen auf EU-Ebene über Energie- und Klimapolitik zusätzlichen Druck aufzubauen.

Orsini warnt vor Folgen des ETS für die Industrie in Italien und Deutschland Emanuele Orsini, der Confindustria seit Mai 2024 führt, argumentierte in seinem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das derzeitige Umfeld hoher Energiekosten stelle eine Ausnahmesituation dar, die sowohl Italien als auch Deutschland betreffen müsse. Er sagte, eine Aussetzung des ETS sei notwendig, um die Industrie vor einem Risiko zu schützen, das er als akut und unmittelbar beschrieb. Gilberto Pichetto Fratin, Italiens Minister für Umwelt und Energiesicherheit, ging nicht so weit, eine vollständige Aussetzung zu verlangen. Er sagte aber, eine Korrektur des ETS-Mechanismus sei in jedem Fall nötig. „We are not calm about high energy prices, global risk” (Wir sind wegen der hohen Energiepreise nicht beruhigt — das ist ein globales Risiko) — Gilberto Pichetto Fratin via ANSA Die Position Pichetto Fratins verweist auf einen pragmatischen Ausweichweg: Falls sich eine Aussetzung auf europäischer Ebene nicht durchsetzen lasse, würde Italien dennoch auf strukturelle Anpassungen des Systems drängen. Die Wortwahl des Ministers legt nahe, dass sich die italienische Regierung auf einen Verhandlungsprozess einstellt und nicht mit einer vollständigen Kehrtwende der Politik in Brüssel rechnet. „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, Europa sollte das ETS aussetzen. Die Industrie ist gefährdet, das sollte Italien und Deutschland betreffen.” — Emanuele Orsini via ANSA

Italien steht mit seiner Ablehnung des ETS in der EU weitgehend allein Trotz der Nachdrücklichkeit der italienischen Position befindet sich Rom in der Europäischen Union in der Minderheit, was die Frage des ETS betrifft. Das berichtete ANSA. Die meisten EU-Mitgliedstaaten haben sich dem italienischen Ruf nach einer Aussetzung oder einer weitreichenden Korrektur des CO2-Marktmechanismus nicht angeschlossen. Umweltorganisationen widersprachen deutlich und warnten nach Darstellung von ANSA, Angriffe auf das ETS würden die Fähigkeit der Europäischen Union schwächen, auf die Energiekrise zu reagieren, statt sie zu erleichtern. Die Nichtregierungsorganisationen betrachten das ETS demnach nicht als Ursache des Problems hoher Energiekosten, sondern als ein Instrument, das erhalten bleiben müsse, um den strukturellen Übergang weg von fossilen Energieträgern voranzutreiben. Italiens isolierte Position erschwert jeden Versuch, in den EU-Institutionen eine Sperrminorität oder eine Reformallianz zu bilden. Die Differenz zwischen der auf Industriekosten ausgerichteten Argumentation Roms und der in anderen Teilen Europas vorherrschenden umweltpolitischen Perspektive verweist auf eine breitere Spannung in der EU-Energie- und Klimapolitik, die sich seit dem starken Anstieg der globalen Energiepreise verschärft hat.

Das EU-Emissionshandelssystem wurde 2005 eingeführt und ist der größte CO2-Markt der Welt. Es funktioniert über eine Obergrenze für die gesamten Treibhausgasemissionen in den erfassten Sektoren. Unternehmen müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 Zertifikate vorhalten. Über das System wird immer wieder reformpolitisch gestritten, besonders in Phasen hoher Energiepreise. Kritiker sagen, es erhöhe die Industriekosten, Befürworter halten es für unverzichtbar, um die Klimaziele der EU zu erreichen.

In Frankreich steigen die Bestellungen für Elektroautos mit dem Ölpreis In Frankreich führt das Umfeld hoher Energiepreise zu einer anderen Reaktion der Verbraucher. Nach Angaben von Sud Ouest hat der Anstieg der Ölpreise einen sprunghaften Zuwachs bei Bestellungen von Elektrofahrzeugen ausgelöst. Das deutet darauf hin, dass die Preissignale an den Zapfsäulen den Wechsel zur Elektromobilität unter französischen Verbrauchern beschleunigen. Die Entwicklung in Frankreich steht im Kontrast zum Fokus der italienischen Regierung, die Kraftstoffkosten durch Preisobergrenzen und eine Reform des ETS senken will. Das zeigt unterschiedliche nationale Reaktionen auf denselben grundlegenden Druck hoher Energiekosten. Während italienische Regierungsvertreter Entlastung über regulatorische Korrekturen suchen, reagieren französische Verbraucher offenbar, indem sie ihren Umstieg weg von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor beschleunigen. Der Gegensatz zeigt, dass derselbe makroökonomische Druck steigender Preise für fossile Energieträger je nach nationalem Kontext und bestehenden Anreizstrukturen zu gegensätzlichen politischen und marktbezogenen Reaktionen führen kann. 1.90 (euros per liter) — Salvinis angestrebte Obergrenze für den Dieselpreis

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