Nach dem Ausscheiden gegen Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen verpasst Italien zum dritten Mal in Folge die Weltmeisterschaft. Sportminister Andrea Abodi und rund 40 Senatoren fordern nun den sofortigen Rücktritt von FIGC-Präsident Gabriele Gravina. Die parlamentarische Initiative zielt auf eine vollständige Neuausrichtung des italienischen Fußballs ab.
Forderung nach Rücktritt
Sportminister Abodi und 40 Senatoren fordern den Rückzug von FIGC-Chef Gravina nach dem erneuten WM-Aus.
Historisches Scheitern
Italien verpasst zum dritten Mal in Folge eine Weltmeisterschaft, diesmal durch ein Aus gegen Bosnien-Herzegowina.
Parlamentarische Initiative
Senatoren fordern eine Zwangsverwaltung des Verbandes und eine radikale Reform des italienischen Fußballsystems.
Strukturelle Kritik
Kritiker bemängeln hohe Beraterprovisionen und die Priorisierung kommerzieller Club-Events vor der Nationalmannschaft.
Das Ausscheiden Italiens aus der Weltmeisterschaft 2026 nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstag hat eine politische Krise ausgelöst. Sportminister Andrea Abodi forderte den Rücktritt von FIGC-Präsident Gabriele Gravina und verlangte einen umfassenden Neuaufbau des italienischen Fußballs. Abodi erklärte, dass der „italienische Fußball neu begründet werden müsse und dieser Prozess mit einer Erneuerung der FIGC-Führung beginnen müsse“. Der Minister wies zudem Gravinas Andeutung zurück, wonach politische Institutionen eine Mitverantwortung für das Scheitern trügen. Er nannte es „objektiv unrichtig, die eigene Verantwortung für das dritte in Folge verpasste Weltmeisterschaftsturnier zu leugnen und den Institutionen eine angebliche Nichterfüllung vorzuwerfen“. Gravina, der die FIGC seit 2018 leitet, berief eine Sitzung des Bundesrates ein, um die Lage zu bewerten, während der Druck aus Politik und Sportkreisen zunahm. Die Niederlage markiert das dritte Mal in Folge, dass Italien die Qualifikation für das bedeutendste Fußballturnier der Welt verpasst hat.
Vierzig Senatoren fordern Gravinas Rückzug in formaler Anfrage Eine parteiübergreifende Gruppe von etwa 40 (Senatoren) — die eine formale Anfrage mit der Forderung nach Gravinas Rücktritt unterzeichneten Senatoren reichte eine formale schriftliche Anfrage an Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Sportminister Abodi ein. Darin fordern sie den sofortigen Rücktritt Gravinas und ein staatliches Eingreifen in die Führung des italienischen Fußballs. Erstunterzeichner war der Forza-Italia-Senator Pierantonio Zanettin; die Initiative wurde sowohl von Regierungs- als auch von Oppositionsparteien unterstützt. In dem Text wurde die Regierung gefragt, „ob sie die Fortführung der Amtsgeschäfte durch Gabriele Gravina an der Spitze der FIGC noch für politisch und institutionell tragbar hält, und ob sie es nicht stattdessen für notwendig erachtet, auf einen sofortigen Rückzug zu dringen“. Die Senatoren ersuchten die Regierung zudem, eine Form der Zwangsverwaltung für den Verband in Erwägung zu ziehen, um einen „radikalen Führungswechsel und den Beginn konkreter Systemreformen“ herbeizuführen. Die Anfrage forderte die Regierung ferner auf, einen außerordentlichen Plan zur Wiederbelebung des italienischen Fußballs vorzulegen, der sich auf Jugendförderung, Breitensport, technische Ausbildung sowie das wirtschaftliche und finanzielle Gleichgewicht des Systems konzentriert. Zudem drängten die Senatoren auf eine dringliche parlamentarische Debatte mit dem Argument, das Scheitern sei „keine bloße sportliche Niederlage, sondern ein Versagen, das eines der relevantesten sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und pädagogischen Erbgüter der Nation betrifft“.
Abgeordnete aller Parteien streiten über die Schuldfrage Die Debatte erreichte am Mittwoch das Plenum der Abgeordnetenkammer, wo Parlamentarier des gesamten politischen Spektrums ihren Unmut äußerten. Salvatore Caiata von der Partei Fratelli d'Italia der Ministerpräsidentin Meloni forderte formell einen parlamentarischen Bericht von Abodi über das „Versagen des italienischen Fußballs“ an und kritisierte Gravina scharf. „Er hat unseren jungen Menschen einen Traum gestohlen – die junge Generation in ihren Zwanzigern hat noch nie ein Weltmeisterschaftsspiel, die 'notti magiche', gesehen.” — Salvatore Caiata via ANSA Mauro Berruto von der oppositionellen Demokratischen Partei unterstützte die Forderung nach einem Bericht, bewertete die Sachlage jedoch anders: Er argumentierte, dass Gravinas Rücktritt „nicht eingefordert werden sollte“, sondern „ein Akt institutioneller Würde sein sollte“. Marco Grimaldi von der Alleanza Verdi e Sinistra distanzierte sich von der Darstellung der Fratelli d'Italia, befürwortete aber dennoch die Vorladung Abodis und warnte die Kollegen: „Sprechen Sie sich nicht von den Verantwortlichkeiten frei, die Sie selbst tragen.“ „Gravinas Rücktritt sollte nicht eingefordert werden; er sollte ein Akt institutioneller Würde sein.” — Mauro Berruto via ANSA
Fünf-Sterne-Bewegung sieht strukturelle Mängel über Personalien hinaus Mitglieder der 5-Sterne-Bewegung im Kulturausschuss des Unterhauses argumentierten, die Krise sitze tiefer als nur in der Führung durch Gravina, und forderten ein „vollständiges Aufräumen“ sowie Strukturreformen im gesamten italienischen Fußball. Sie verwiesen darauf, dass Gravina im Februar 2025 mit fast 100 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden war, was impliziere, dass die interne Kultur des Verbandes eine Kollektivschuld trage. Die Gruppe verwies auf ein System, das sie als „den Vereinsinteressen unterworfen“ beschrieb, fokussiert auf die Gewährung von Rekordprovisionen – den höchsten in Europa – an Spielerberater und weniger auf die Talententwicklung. Zudem stellten sie infrage, warum es Vereinen gestattet sei, kommerziellen Veranstaltungen wie dem Supercup in Saudi-Arabien Vorrang vor der Vorbereitung der Nationalmannschaft einzuräumen. Die Kritik weitete sich auf die Führung der Liga aus; die Parlamentarier fragten, ob das Problem nicht nur bei Gravina liege, sondern auch bei den Verantwortlichen der Fußballliga. Paolo Zampolli, von Adnkronos als US-Sonderbeauftragter für globale Partnerschaften und italienischer Staatsbürger beschrieben, äußerte sich ebenfalls und sagte, das Ergebnis spiegele „jahrelanges Missmanagement innerhalb der FIGC wider, die seit über einem Jahrzehnt ihr Vertrauen in eine Führung gesetzt hat, die letztlich das Wachstum des italienischen Fußballs erstickt hat“.
Das Scheitern Italiens bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 ist das dritte Mal in Folge, dass die Nationalmannschaft das Turnier verpasst. Gravina amtiert seit 2018 als FIGC-Präsident und wurde im Februar 2025 mit fast 100 Prozent der Stimmen innerhalb des Verbandes wiedergewählt. Die Weltmeisterschaft 2026 wird laut Reuters vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen.
Mentioned People
- Andrea Abodi — Minister sportu i młodzieży w rządzie Giorgi Meloni od 22 października 2022 roku
- Gabriele Gravina — Prezes Włoskiej Federacji Piłkarskiej (FIGC) od 2018 roku, bankier
- Salvatore Caiata — Włoski polityk i przedsiębiorca, członek Izby Deputowanych
- Pierantonio Zanettin — Włoski polityk i członek Senatu
- Mauro Berruto — Włoski polityk, były trener męskiej reprezentacji Włoch w siatkówce
- Marco Grimaldi — Włoski polityk, członek Izby Deputowanych z ramienia Sinistra Italiana
- Giorgia Meloni — Premier Włoch
Sources: 25 articles
- Gravina alla resa dei conti. Abodi: "Deve dimettersi". Anche Meloni irritata, avanza il nome di Malagò (Il Messaggero)
- Fallimento Italia, governo in pressing per le dimissioni di Gravina (Adnkronos)
- La disfatta del calcio azzurro: 40 senatori chiedono a Meloni le dimissioni di Gravina (Rai news)
- Interrogazione bipartisan, 40 senatori alla Meloni: "Gravina si dimetta" (il Giornale.it)
- Fallimento Nazionale, 40 senatori a Meloni: "Gravina si dimetta". Anche l'uomo di Trump Zampolli lo boccia (Adnkronos)
- Crise no futebol italiano: Ministro do Desporto pede demissão do presidente da Federação (SAPO)
- Na WK-fiasco Italië: sportminister wil ontslag bondsvoorzitter en grote hervorming voetbal in het land (Telegraaf)
- Nazionale, le reazioni della politica alla disfatta azzurra (Tgcom24)
- Italia fuori dai Mondiali, Abodi: "Calcio da rifondare, prima cosa rinnovare i vertici Figc" (lastampa.it)
- L'Italia fuori dal Mondiale per la terza volta, la crisi di un sistema e il caso Gravina (Adnkronos)