Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat angekündigt, Grenzdörfer im Südlibanon nach dem Vorbild des Gazastreifens zu zerstören. Rund 600.000 vertriebene Einwohner sollen erst zurückkehren dürfen, wenn die Sicherheit im Norden Israels garantiert ist. Die israelische Armee weitet ihre Bodenoffensive derzeit massiv aus.

Zerstörung von Grenzdörfern nach Gazavorbild

Verteidigungsminister Katz kündigte an, Grenzdörfer systematisch zu zerstören und rund 600.000 Libanesen die Rückkehr zu verweigern.

Einrichtung einer Sicherheitszone bis zum Litani

Israel plant die dauerhafte militärische Kontrolle über das Gebiet bis zu 30 km nördlich seiner Grenze bis zum Litani-Fluss.

Vorwürfe von Kriegsverbrechen

Human Rights Watch warnt, dass die Pläne zur Zwangsumsiedlung und mutwilligen Zerstörung gegen das Völkerrecht verstoßen könnten.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz gab am Dienstag bekannt, dass Israel alle Häuser in libanesischen Grenzdörfern zerstören werde. Etwa 600.000 vertriebene Bewohner sollen an der Rückkehr in den Südlibanon gehindert werden, bis die Sicherheit Nordisraels gewährleistet sei. Katz erklärte, die israelischen Streitkräfte würden nach dem Ende des Krieges gegen die Hisbollah die Sicherheitskontrolle über das gesamte Gebiet bis zum Litani-Fluss behalten. Die Ankündigung erfolgte während der Fortsetzung der am 2. März 2026 begonnenen Bodenoffensive. Diese war eine Reaktion auf den Beschluss der Hisbollah, Israel zur Unterstützung des Iran nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei zu beschießen. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums umfasst die Zahl der Opfer 124 Kinder und 52 Sanitäter, zudem gebe es mehr als 3.600 Verletzte. Seit Beginn der Offensive sind laut Berichten mehr als 1,2 Millionen Menschen innerhalb des Libanon auf der Flucht.

Katz nennt Rafah in Gaza als Vorbild für Abrissarbeiten Katz setzte die geplante Zerstörung der Grenzdörfer ausdrücklich in Bezug zu den israelischen Operationen im Gazastreifen und zog direkte Parallelen zu zwei Gebieten, die bereits weitgehend zerstört wurden.

„Alle Häuser in Dörfern nahe der libanesischen Grenze werden zerstört, nach dem Vorbild von Rafah und Beit Hanun in Gaza, um die Bedrohungen für die Bewohner des Nordens dauerhaft zu beseitigen.” — Israel Katz via Reuters

Kämpfer der Radwan-Einheit, die in den Südlibanon eingedrungen seien, würden eliminiert und alle Waffen im besetzten Gebiet zerstört, sagte Katz. Der israelische Militärsprecher Oberstleutnant Nadav Shoshani gab an, die Hisbollah habe während des Konflikts fast 5.000 Drohnen und Raketen auf Israel abgefeuert. Quellen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass mehr als 400 Hisbollah-Kämpfer getötet worden seien, während das israelische Militär zehn gefallene Soldaten in den eigenen Reihen meldete. Israel führte zudem am Dienstag eine neue Welle von Luftangriffen auf die südlichen Vororte von Beirut durch. Katz fügte hinzu, dass die IDF eine Sicherheitszone im Libanon einrichten werde, die als Verteidigungslinie gegen Panzerabwehrraketen dienen soll. Zudem werde Israel die Kontrolle über alle verbleibenden Brücken über den Litani behalten.

„Wir sind entschlossen, den Libanon vom iranischen Einflussbereich zu trennen, dem Drachen die Zähne zu ziehen und die Bedrohung durch die Hisbollah zu beseitigen.” — Israel Katz via Financial Times

Human Rights Watch warnt vor möglichen Kriegsverbrechen Human Rights Watch warnte, dass die angekündigten Maßnahmen den Tatbestand der Zwangsumsiedlung und der mutwilligen Zerstörung erfüllen könnten, was unter dem humanitären Völkerrecht als Kriegsverbrechen eingestuft wird. Die Organisation wandte sich schriftlich an Katz und drückte tiefe Besorgnis über Erklärungen israelischer Behörden aus, die das Völkerrecht untergraben würden. HRW bezog sich dabei konkret auf Aussagen von Katz vom 16. März, in denen er drohte, die Rückkehr der Menschen südlich des Litani-Flusses zu verhindern.

„Die Verweigerung der Rückkehr von Zivilisten als diplomatisches Druckmittel einzusetzen, stellt eine völkerrechtswidrige Zwangsumsiedlung dar und kann als Kriegsverbrechen gewertet werden.” — Human Rights Watch via Notícias ao Minuto

Der israelische Militärsprecher Major Doron Spielman sagte in einem Interview am Sonntag, dass jedes Haus in den schiitischen Gebieten des Südlibanon als Kommandozentrale diene – eine Darstellung, die auf Kritik von Menschenrechtsgruppen stieß. Die libanesische Armee zog sich am Dienstag unter dem Vordringen israelischer Truppen aus ihren Stellungen in den überwiegend christlichen Städten Rmeish und Ain Ebl zurück, was Proteste der dortigen Anwohner auslöste. Der libanesische Minister für Vertriebene warnte angesichts fehlender finanzieller Mittel vor einer langfristigen Flüchtlingskrise, wie Reuters aus Beirut berichtete.

Regionaler Krieg als Hintergrund des Konflikts Israel hielt bereits nach der Invasion von 1982 für 18 Jahre einen ähnlichen Streifen im Südlibanon besetzt und zog sich im Jahr 2000 zurück. Der aktuelle Konflikt ist die zweite große Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah seit 2024. Während des Krieges im Jahr 2024 erreichten israelische Truppen den Ort Bayada erst zwei Tage vor Kampfende. Die Hisbollah wurde 1982 von den iranischen Revolutionsgarden gegründet, um die Islamische Revolution zu exportieren und israelische Besatzungskräfte zu bekämpfen.

Die aktuelle Offensive begann am 2. März 2026, nachdem die Hisbollah als Vergeltung für die Tötung von Ali Chamenei Raketen auf Israel abgefeuert hatte. Chamenei war am 28. Februar zu Beginn einer US-israelischen Militärkampagne gegen den Iran getötet worden. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies das Militär am Sonntag an, die Pufferzone im Libanon auszuweiten, ohne jedoch genaue Entfernungen zu nennen. Analysten der Financial Times zufolge rücken die israelischen Truppen in der aktuellen Offensive schneller und tiefer vor als im Jahr 2024. Die Soldaten haben Bayada erreicht, nur 8 km von Tyros entfernt, und rücken zudem auf Städte im Bezirk Nabatiye vor, deren Einnahme die Kontrolle über strategisch wichtige Höhenlagen am Litani ermöglichen würde. Das israelische Militär hat Evakuierungsanordnungen erlassen, die fast 15 Prozent des libanesischen Staatsgebiets betreffen. Informierte Kreise erklärten gegenüber der Financial Times, dass der Krieg gegen die Hisbollah länger dauern könnte als der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran.

Meilensteine im Israel-Libanon-Konflikt: — ; — ; — ; — ; —

Mentioned People

  • Israel Katz — izraelski polityk, poseł Knesetu z ramienia Likudu, obecnie pełniący funkcję ministra obrony i członka gabinetu bezpieczeństwa Izraela
  • Ali Khamenei — drugi najwyższy przywódca Iranu w latach 1989–2026, do czasu zabójstwa podczas wojny w 2026 roku
  • Doron Spielman — major w Siłach Obronnych Izraela (IDF)

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