Luís Cabral, Präsident des portugiesischen Instituts für medizinische Notfälle (INEM), bezeichnete den Streik der Rettungssanitäter von 2024 vor einem Untersuchungsausschuss als gravierendes Fehlverhalten. Gleichzeitig kündigte er eine umfassende Modernisierung an, die eine Verdreifachung der Ambulanzkapazitäten in Lissabon sowie die Ausstattung der gesamten Flotte mit Geolocation-Tablets vorsieht. Die Anhörung am 31. März 2026 fiel mit dem Beginn eines neuen, unbefristeten Arbeitskampfes der Sanitäter zusammen.
Ethische Kritik am Streik 2024
Präsident Luís Cabral bezeichnet den Technikerstreik von 2024 als ethisches Versagen, da Notrufe unbeantwortet blieben.
Ausbau der Kapazitäten in Lissabon
Die Anzahl der Notfallposten in der Hauptstadt wird von 6 auf 18 verdreifacht, um Engpässe auszugleichen.
Technologische Modernisierung
Anschaffung von 1.600 Tablets zur Einführung eines flächendeckenden Echtzeit-Ortungssystems für Rettungswagen.
Neuer Arbeitskampf der Sanitäter
Die Gewerkschaft STEPH hat einen neuen, unbefristeten Streik im Verwaltungsbereich gestartet.
Personalmangel hält an
In einem Rekrutierungsverfahren für 200 Stellen konnten bisher nur 68 Stellen besetzt werden.
Luís Cabral, der Präsident des portugiesischen Nationalen Instituts für medizinische Notfälle (INEM), erklärte am 31. März 2026 vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, dass der Streik der präklinischen Notfalltechniker im Jahr 2024 ein „schweres ethisches Versagen“ dargestellt habe. Parallel dazu kündigte er eine umfassende Modernisierungsoffensive an, die unter anderem die Verdreifachung der Rettungswagen in Lissabon und die Ausstattung der gesamten Flotte mit Geolocation-Tablets umfasst. Cabral, der das Amt im November 2025 übernahm, äußerte sich während einer fast fünfstündigen Zeugenaussage vor der CPI, die eingesetzt wurde, um das Agieren des INEM während des Streiks Ende 2024 sowie das Verhältnis zur Regierungsaufsicht seit 2019 zu prüfen. Die Anhörung fand am selben Tag statt, an dem ein neuer unbefristeter Streik derselben Berufsgruppe begann, der sich gegen administrative Aufgaben richtet. Cabral bezeichnete diese neue Maßnahme als „ungerecht und unvernünftig“, was die Spannungen zwischen der INEM-Leitung und der Gewerkschaft verschärft, die zwei Drittel der Belegschaft vertritt. Drei Todesfälle mit Verzögerungen durch Streik von 2024 in Verbindung gebrachtCabral erklärte vor den Abgeordneten, dass das INEM während des Streiks vom 30. Oktober bis 4. November 2024 „schlichtweg aufgehört habe, Anrufe entgegenzunehmen“, und dass das Institut „versagt habe, indem es keine Mittel aktivieren konnte“. Nach Erkenntnissen der Generalinspektion für Gesundheitsaktivitäten (IGAS) wurden im Streikzeitraum zwölf Todesfälle registriert, von denen drei mit Verzögerungen bei der Hilfeleistung in Verbindung standen. Cabral betonte, dass seine Verurteilung des Verhaltens der Techniker seine persönliche Einschätzung als Arzt und damaliger Manager widerspiegele – er war während des Streiks auf den Azoren tätig – und nicht die aktuelle institutionelle Position des INEM. „An diesem Tag wurden Linien überschritten, es mangelte deutlich an Ethik” — Luís Cabral via Observador Er argumentierte, dass Gesundheitsfachkräfte eine besondere Verpflichtung hätten, ungeachtet der Legitimität ihrer Arbeitskampfmaßnahmen. „Berufe im Gesundheitsbereich wissen, dass es unabhängig von der Berechtigung ihrer Forderungen Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen, um jene nicht zu schädigen, die auf Hilfe angewiesen sind und keine Alternative haben” — Luís Cabral via Observador Cabral fügte hinzu, dass ein identischer Streik heute „nicht die gleichen Folgen hätte“, da er unmittelbar nach der Streikankündigung eine Festlegung von Mindestdienstleistungen angeordnet habe.Wichtige Ereignisse der INEM-Krise: — ; — ; — ; — Ambulanzkapazität in Lissabon wird verdreifacht, Tablets für alle FahrzeugeAm Tag seiner Aussage gab das INEM bekannt, dass ab Mitternacht zwölf neue medizinische Notfallposten (PEM) in Lissabon aktiviert werden. Bis Ende April 2026 ist eine Erweiterung auf 18 Posten geplant – eine Verdreifachung gegenüber den bisherigen sechs Standorten. Cabral berichtete der Kommission, dass Lissabon aufgrund von Personalmangel zeitweise mit nur vier statt der vorgesehenen 14 Rettungswagen operiert habe. Er habe entschieden, nicht auf den Abschluss von Einstellungsverfahren zu warten, sondern Verträge direkt mit Feuerwehren abzuschließen. Zudem kündigte er den Kauf von 1.600 Tablets an, um alle Rettungsmittel auszustatten. Die Ausschreibung für die Software endet am darauffolgenden Freitag, erste geolocalisierte Fahrzeuge werden für Ende April 2026 erwartet. Er räumte ein, dass das INEM derzeit kein aktives, durchgehendes Geolocationsystem für seine Flotte besitze. Eine Standortbestimmung sei nur über das SIRESP-Notfunknetz möglich, und alle operativen Daten müssten manuell eingegeben werden. Das Institut teilte ferner mit, dass in den CODU-Leitstellen die durchschnittlichen Wartezeiten nach personellen Anpassungen von zwei Minuten auf 14 Sekunden gesunken seien. Die Zentralverwaltung des Gesundheitssystems überwies 2026 zehn Millionen Euro an das INEM, die bereits an die kooperierenden Feuerwehren weitergeleitet wurden, wenngleich Cabral vor einem „chronischen Defizit“ warnte.Ambulanzkapazität für Notfälle in Lissabon: Aktive medizinische Notfallposten (PEM) (before: 6 Posten (vor dem 31. März 2026), after: 18 Posten geplant bis Ende April 2026); Durchschnittliche CODU-Wartezeit (before: 2 Minuten, after: 14 Sekunden) Neuer Streik beginnt bei missglückter PersonalrekrutierungDer neue unbefristete Streik, der von der Gewerkschaft der Techniker für präklinische Notfälle (STEPH) am 31. März 2026 initiiert wurde, zielt auf administrative Tätigkeiten ab und verzeichnete laut Gewerkschaftspräsident Rui Lázaro eine nahezu vollständige Beteiligung. Lázaro erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Lusa, dass die Aktion darauf ausgelegt sei, organisatorische Störungen im INEM-Management zu verursachen – etwa durch das Verhindern der Datenerhebung –, ohne jedoch die Notfallversorgung der Bürger zu beeinträchtigen. Die Forderungen der Gewerkschaft konzentrieren sich auf die fehlende Umsetzung von drei pharmakologischen Protokollen (Schmerztherapie, Vergiftungen, Herz-Lauflauf-Stillstand) sowie auf den empfundenen Entzug von Kompetenzen. Lázaro gab an, dass Gesundheitsministerin Ana Paula Martins nach der Streikankündigung Kontakt aufgenommen und ein Gespräch mit Cabral in Aussicht gestellt habe; dieses sei jedoch auch nach drei Wochen nicht erfolgt. „Drei Wochen sind vergangen, und wir haben immer noch keinen Kontakt vom INEM-Präsidenten erhalten, was uns vermuten lässt, dass wir zu weiteren Protestmaßnahmen übergehen müssen” — Rui Lázaro via Correio da Manhã Den personellen Druck verschärft zudem ein gescheiterter Rekrutierungswettbewerb für 200 neue Techniker in der Region Lissabon, Tejo-Tal und Alentejo: Bis zum 31. März verblieben lediglich 68 Kandidaten, von denen ein Teil noch in der Probezeit scheitern könnte. Cabral erklärte, er werde diesen Prozess nicht abwarten, sondern das erweiterte Ambulanznetz in Lissabon durch die Partnerschaften mit Feuerwehren absichern.Portugals präklinischer Notfalldienst wurde 1964 ins Leben gerufen. Das moderne System auf dem Festland operiert unter dem SIEM (Integriertes Medizinisches Notfallsystem) und wird vom INEM in Zusammenarbeit mit Feuerwehren und dem Portugiesischen Roten Kreuz verwaltet. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum INEM wurde im Juli 2025 auf Vorschlag der liberalen Partei IL genehmigt. Die 24 Abgeordneten sollen die politischen, technischen und finanziellen Verantwortlichkeiten klären, insbesondere im Hinblick auf den Streik von 2024 und die Aufsicht durch die Regierung seit 2019.
Mentioned People
- Luís Cabral — Prezes Krajowego Instytutu Ratownictwa Medycznego (INEM) od listopada 2025 roku
- Ana Paula Martins — Minister zdrowia w XXIV i XXV rządzie Portugalii od 2 kwietnia 2024 roku
- Rui Lázaro — Przewodniczący Związku Zawodowego Techników Ratownictwa Przedszpitalnego (STEPH)
Sources: 7 articles
- Presidente do INEM quer "refundação rápida" e critica técnicos de emergência por "greve descabida" e "falha deontológica grave" em 2024 (Observador)
- Concurso para 200 novos técnicos do INEM já só tem 68 e alguns ainda podem chumbar (Publico)
- INEM vai comprar 1.600 tablets para geolocalizar ambulâncias (Notícias ao Minuto)
- INEM triplica n.º de ambulâncias de socorro em Lisboa até final de abril (Notícias ao Minuto)
- Greve de técnicos do INEM com adesão quase total (Correio da Manha)
- Técnicos do INEM iniciam hoje greve ao trabalho administrativo (Notícias ao Minuto)